Kunst und Kultur

 
Ankündigungsbanner

Skulptur im Dreieck 

12.04.2026 – 18.10.2026 
Ausstelllung auf dem Außengeländer der Autobahnkirche
 
„Skulptur im Dreieck“ sagt zunächst einfach etwas über die Aufstellung von drei Skulpturen aus. Sie stehen im Dreieck, was eigentlich für drei Objekte immer zutrifft, wenn sie nicht gerade in einer Linie angeordnet sind. An der Autobahnkirche kommt noch etwas anderes hinzu. Vor der großen pyramidenförmigen Kirche, die sich als aufgerichtetes Dreieck darstellt, liegt nun verschachtelt in die kreuzförmige Außenanlage der Kirche ein Dreieck, dessen Eckpunkte, die Skulpturen bilden. Von jedem Eckpunkt aus sind die anderen beiden einsehbar.
So bilden die Skulpturen eine Einheit untereinander und mit dem Gesamtensemble der Autobahnkirche, gleichzeitig stehen sie als Einzelkunstwerke raumprägend auf ihren eigenen Rasenflächen.
 
 

 

Alama - Germain Roesz

 
Der Kreis ist ein grundlegendes und wiederkehrendes Element in meiner Arbeit als Maler und Bildhauer. Es beginnt mit der Drehung des Handgelenks beim Zeichnen, des Unterarms oder des Arms. Dadurch entsteht ein Kreis, der ihm seine Lebendigkeit verleiht. Es ist auch die Form, die wir von Sonne, Mond, Sternen und der Erde kennen. Es ist auch ein Auge, ein Okulus, ein Schädel, unser eigener, der mit dem Himmelsgewölbe in Resonanz steht. Die Zusammenstellung mehrerer Kreise, die ich auf vielfältige Weise an verschiedenen Orten falte, verleiht dem Ganzen eine kosmische Dimension. Ich bin Teil dieser Dimension, wir sind Teil davon. Im Kreis gibt es keine Winkel, nur eine absolute Einheit, wie eine Linie, die sich bis ins Unendliche erstreckt. Der Kreis verbindet uns vom Zentrum bis zum Rand. Er betrachtet die Tiefe, ich würde sagen, von allen Seiten, ein bisschen so, wie Pascal es beschreibt, wenn er von den zwei Unendlichkeiten spricht.
 
Der Titel Alama ist wie der erste Buchstabe, der das Alphabet und damit das Verständnis eröffnet.
Meine Skulpturen werden nach ihrer Entstehung jeweils mit einem Buchstaben des Alphabets benannt, als wollten wir eine geheime Sprache entdecken, die wir besitzen, aber die meiste Zeit nicht wahrnehmen. Ein Kunstwerk zu schaffen bedeutet, einen unbekannten Weg zu entdecken, es bedeutet auch, sich selbst zu offenbaren. Nur in dieser Beziehung und in dieser Distanz können wir miteinander korrespondieren. Die Skulptur besteht aus Cortenstahl (einer Mischung aus Eisen und Kupfer, die Rost stabilisiert, wodurch dieser eine eigene Farbe erhält).

Germain Roesz, März 2026 (übersetzt aus dem Französischen)
 

Quelle: sdd

 

 

Tête à tête - Jürgen Knubben

 
Jürgen Knubben schuf mit seinem Werk Tête à tête einen analytisch-abstrahierenden Blick auf eine museale Ikone (…). Es handelt sich um die Büste der Nofretete, die im Ägyptischen Museum in Berlin bewundert werden kann. Diese ist so sehr in unserem kulturellen Gedächtnis verankert, dass Knubben sie auf ein Minimum von nicht einmal 20 geometrischen Flächen reduzieren konnte, ohne sie unkenntlich zu machen. Obwohl es keinerlei Bemalung oder klar ausgearbeitete Gesichtszüge gibt, ist Knubbens Skulptur noch immer eindeutig als Nofretete zu identifizieren. Der gebürtige Rottweiler definiert die Gipsbüste dadurch als Archetypus der Kunst. Anders als die originale Gipsfigur ist Knubbens Skulptur jedoch kein Unikat.
 
Insgesamt drei Versionen fertigte der Künstler, von der eine sich in einer Sammlung in den USA befindet. Auf Grund der Patina ist jede ein wenig anders, doch im Grunde ist seine Nofretete ein Serienprodukt. Die Vervielfältigung des Bildnisses der ägyptischen Herrscherin lässt die Werke zum Modell unserer heutigen, demokratischen Gesellschaft werden, das im Kontrast zum ägyptischen Königreich steht.
 
Marco Hompes, Heidenheim 2019
 

Quelle: sdd

 

 

Ei - Karl Manfred Rennertz

 
Für eine Henne ist mein Eisenei zu schwer und zu groß, dass sie dieses gelegt haben könnte. Mein Ei ist keine Nachempfindung der Natur, sondern eine Kunstform, die von der Natur durch ihre Schönheit angeregt wurde. Diese Schönheit, diese Formharmonie  mit einem einfachen Strich auf  Papier zu zeichnen  gelingt nicht immer- Ein erster Versuch, dann fängt das korrigieren an, man zieht die Linie nach und wieder nach und neu und neu. Das Blatt wird immer krakeliger. Der Blick in den Kühlschrank hilft nicht wirklich, denn unsere Vorstellung von Ei ist etwas anderes als die Wirklichkeit die beim Huhn hinten raus kommt. 
Darüber zu philosophieren, kann recht kompliziert werden. Der Bildhauer will in erster Linie aber etwas machen. Die Schönheit, die ideale Form, die Grundform für so viele plastische Ereignisse und abstrakte Formen der klassischen Moderne.
Auch bei mir fing es in der Kunstakademie damit an: Eiformen aus Gips auf Maschendraht, bestimmt 20 Eierköpfe habe ich in kurzer Zeit so modelliert und wieder und wieder überarbeitet, geglättet, verändert, wieder geglättet. 
Damals wusste ich noch nichts von der tollen Kopfform, die Brancusi gemacht hatte und wie besessen er die Bronze polierte. Hätte ich mir meine Arbeit dafür sparen können? Ich glaube nicht, Akademie verlangt Selbsterfahrung, Erlernen und Erspüren, wie die Form ist und wie man diese korrigiert. Langsames Sehen, Studieren der Werke der Großen Meister, einlesen in deren Formensprache, Analyse,  keine schnelle Sache. Auch später gab es immer wieder Ei-Formen, aus Tuffstein, Keramik und auch aus Bronze.
 
Das Eisen-Ei vor der Autobahnkirche entsprang dann viele Jahre später - etwa um 2015 dem Zeichenstift, wurde digital erfasst und auf die jetzige Größe skaliert. Mehrere Ansichten mussten zur Herstellung einer Styroporform digital vereint werden und schließlich fräste ein Roboter zwei genau identische Eihälften. Im Sandformverfahren konnten diese dann abgeformt werden, um die eigentliche Gussform herzustellen Einfach ist das nicht, denn die Eiseneierschale ist nur knapp 2 cm dick und doch schon über 600 kg schwer. Für den Innenraum des Eis musste deshalb aus Sand ein Verdrängungskörper geformt werden. In den etwa 2 cm großen Spalt zwischen Außenform und Innenform floss dann dass über 1300° C heiße Metall. Aufregend.
 
Es ist so geworden wie ich es wollte. Gerne kann man drauf sitzen oder es anders ausrichten, es ist drehbar gelagert. Vielleicht wird die rostige Patina durch das Streicheln von Besuchern einfach noch etwas schöner.
 
 
Karl Manfred Rennertz
 

Quelle: sdd