„Empathie wird zur gesellschaftlichen Kraft“

05.03.2026 | Freiburgs Erzbischof Burger hält Festrede zur Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit

Freiburg/Karlsruhe. „Schulter an Schulter miteinander“: Freiburgs Erzbischof Stephan Burger hat das Motto der Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit aufgegriffen (ein Wort des Propheten Zefanja) und den Willen zu einem engen Schulterschluss zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern bekräftigt. Die Karlsruher Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hatte am Sonntagabend (1. März) zur Eröffnung der Woche ins Karlsruher Rathaus geladen, wo der Erzbischof die Festrede hielt.
 
Einen Tag nach dem Angriff der USA und Israels auf die Islamische Republik Iran ging Burger zunächst auf die jüngste Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten ein: „Dieser Krieg hat Folgen über die Situation in Iran hinaus. Ich möchte meinem Wunsch, meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die Waffen bald schweigen mögen, dass Unschuldige verschont bleiben und nicht unter den Folgen der Angriffe werden leiden müssen. Die Menschen in Iran haben ein Leben in Freiheit und Sicherheit verdient. Ebenso alle in Israel, der Westbank und im Gaza-Streifen.“

Danach wandte sich der Erzbischof wieder den gesellschaftlichen Verhältnissen hierzulande zu. Er erinnerte daran, dass ein respektvolles Zusammenleben nur gelingt, wenn Zivilgesellschaft, religiöse Gemeinschaften und staatliche Institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit zeige, wie ein solches Miteinander gelingen kann – getragen von Engagement, Erinnerungskultur und dem gemeinsamen Willen, Vergangenheit und Gegenwart als Maßstab für zukünftiges Handeln zu begreifen. 
 
In einer Welt wachsender Polarisierung stelle sich die Frage, ob wir gesellschaftlich wirklich „Schulter an Schulter“ stehen, sagte der Erzbischof. Antisemitismus, Diskriminierung und ideologische Verhärtungen bedrohten das friedliche Zusammenleben und untergrüben das Vertrauen in Institutionen ebenso wie in Mitmenschen. Judentum und Christentum verbinde jedoch mehr, als sie trenne, so Burger: der Glaube an den einen Gott, die Verpflichtung zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Menschenwürde sowie die Verantwortung, Diskriminierung entschieden entgegenzutreten. „Wo wir füreinander einstehen und Empathie zeigen, wird aus religiösem Dialog gesellschaftliche Kraft.“

Programm

Eröffnet wurde die Woche bei der Veranstaltung am Sonntag von Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Musikalisch gestaltete der Kammerchor des St. Dominikus-Gymnasiums den Abend. Die eigentliche „Aktionswoche“ ist vom 10. bis 18. März: Am 10. März, 19 Uhr, gibt es in der Badischen Landesbibliothek eine Lesung aus dem Roman „Die schöne Frau Seidenmann“ von Andrzej Szczypiorski. In der Schauburg ist am 11. März ab 18.30 Uhr der Film „Der Schatten des Kommandanten“ zu sehen. Und zum Abschluss wird am 18. März, 19 Uhr, im Staatstheater „Die Welle“ nach Moron Rhue und Ron Jones aufgeführt.
 
Bundesweit wird die Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit am Sonntag, 8. März, in Köln feierlich eröffnet. Dabei wird Prof. Dr. Christian Rutishauser SJ die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Die Veranstaltung wird ab 11.30 Uhr vom ZDF im Livestream übertragen. 

Hintergrund

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Karlsruhe wurde im Jahr 1951 gegründet. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, das Recht aller Menschen auf Leben und Freiheit ohne Unterschied des Glaubens, der Herkunft und des Geschlechts zu fördern. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit (DKR) beschloss im Jahr 2023 die Umbenennung der ursprünglichen „Woche der Brüderlichkeit“ in „Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“. 
 
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Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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