Bilderweltarchiv 2025

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Schützende Macht

Engel kommen dann ins Spiel, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn wir mit unseren Erklärungen am Ende sind und Dinge geschehen, die nicht zu unseren üblichen Vorstellungen passen. Mit Engel und ihrem Wirken können wir vieles erklären. Im Gegensatz zum Buch der Apokalypse, in dem die Engel auch kriegerisch und zerstörerisch auftreten, haben wir fast ausschließlich positive Bilder von Engeln im Sinn. So auch hier im Ostfenster in der Autobahnkirche. Dieser Engel tritt mit Vollmacht auf, es ist eine imposante Erscheinung. Sein Blick, seine Haltung, die Dynamik, die dieser Engel ausstrahlt, lässt diese Macht sichtbar und spürbar werden. Und er fällt auf, weil er zwischen den farbigen Fenstern als weiße Gestalt sofort ins Auge sticht.

Ein Kind ist uns geboren

Weihnachten ist zwar nicht das wichtigste Fest der Christenheit, aber es ist das, mit dem wir am meisten verbinden können. Es ist ein durch und durch positiver Anlass, weil ein Kind auf die Welt kommt. In diesem Kind, so die christliche Überzeugung, wird Gott Mensch. Nach christlicher Lesart ist es der Messias, der seit Jahrhunderten versprochene Retter, der in die Welt kommt, um das Volk Israel zu erlösen. So heißt es im ersten Testament beim Propheten Jesaja: »1 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht; für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf. ... 5 Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst. 6 Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren. Er wird auf dem Thron Davids regieren und seine Herrschaft wird für immer Bestand haben, weil er sich an die Rechtsordnungen Gottes hält. Der Herr, der Herrscher der Welt, hat es so beschlossen und wird es tun.« (Jesaja 9,1.5-6, Übersetzung Gute Nachricht) 

Friedenslicht

Man muss schon sehr genau auf die Südseite am Altar in der Krypta schauen, um zu erkennen, dass wir hier eine Hand sehen, die eine kleine brennende Kerze hält. Eine kleine Kerze, die für den Frieden brennt, ist eines der eindrücklichsten Symbole, die wir für den Frieden kenn. Jedes Jahr wird ein solches Licht in Bethlehem entzündet und dann von Pfadfinderinnen und Pfadfindern in alle Welt hinausgetragen. Jedes Licht wird an einem anderen entzündet, jedes Licht lässt sich so zum Ursprung zurückverfolgen. Neben dem Lichtschein, der selbst in einem großen dunklen Raum von überall her sichtbar ist, steht dieses Licht dafür, dass sich der Friede Stück für Stück und Kerze für Kerze ausbreiten kann. Das geschieht nicht von allein, es braucht die tatkräftige Unterstützung von Menschen, die das Licht weitergeben, es entzünden, es bei sich zuhause ins Fenster stellen und unter Umständen es an andere weitergeben.

Was im Verborgenen wächst

Das ist eine Darstellung, die man gar nicht sieht! Eine Pflanzenranke wächst auf der Oberseite der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche. Nur wenn man auf eine Leiter steigt, ist dieses Motiv zu entdecken. Ansonsten ist es verborgen - aber doch präsent und da! Auf diese Weise ein vielsagendes Bild, das viel über unsere Wachstumprozesse, über Wachstum allgemein verrät. 

Für Recht und Gerechtigkeit

In Gesellschaften, in denen Staat und Religion getrennt sind, dürfen geistliche oder spirituelle Begründungen für Entscheidungen nicht herangezogen werden. Wenn man es aber genauer betrachtet, sind unsere Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit immer schon religiös geprägt, und sei es nur deshalb, weil entsprechende Gesetze in religiös geprägten Kontexten entstanden sind und erlassen wurden. So finden wir in unserer Rechtsprechung immer noch Anklänge an die Zehn Gebote, die ihre religiöse Begründung als von Gott erlassen nicht leugnen können. Deshalb wird gerade dann, wenn es um Gerechtigkeit geht, der spirituelle Blick notwendig. Dabei geht es weniger um den Aspekt der Bestrafung, das ist wohl geregelt. Viel wichtiger ist vielmehr, ob und wann Barmherzigkeit zum Zuge kommt. 

Sechzigfach, hundertfach

Es ist eine Erfahrung aus der landwirtschaftlichen Kultur, dass sich Einsatz lohnt. Aus einen Saatkorn wird ein Vielfaches, wenn es eingepflanzt wurde und entsprechend wachsen konnte. Der kleine Samen, der unscheinbare Einsatz bringt etwas Großartiges hervor. Das ist die Erfahrung einer bäuerlichen Kultur, wenn am Ende eines Jahres die Ernte eingebracht wird, oder über viele Jahre hinweg, wenn beispielsweise immer wieder die Früchte eines Baumes geerntet werden. Gerade bei Bäumen wird es offensichtlich. Wenn ein Baum wächst, dann hat man sehr lange davon, die Ernte hat sich nicht nur verdoppelt, sondern für den Einsatz eines einziges Kerns der Frucht wird man das ganze Jahr mit Früchten versorgt, und das über Jahre hinweg. Dieser eine Kern hat sich gelohnt! Was so einfach und selbstverständlich klingt, ist es aber nicht. Ernten sind immer wieder bedroht durch zu viel oder zu wenig Sonnenschein, durch zu viel oder zu wenig Regen, durch Naturkatastrophen und Kriege, durch Krankheiten und Schädlinge, die auch die Pflanzen immer wieder heimsuchen. All diesen Gefährdungen zum Trotz halten die Menschen an der Hoffnung fest, dass der Ertrag größer sein wird als der Einsatz. Erfüllt sie sich, dann ist das Überleben gesichert.

Vogelbotschaft

Wie kann man das Evangelium, die frohe Botschaft, darstellen? Einen außergewöhnlichen und gelungenen Versuch sehen wir an der Christophorus-Stele in der Autobahnkirche: Ein Vogel mit einer Blume im Schnabel! Da fällt einem sofort das Lied: »Kommt ein Vogel geflogen.« ein. Im Volkslied hat der Vogel einen Zettel mit einem Gruß im Schnabel, hier ist es eine Blume, nicht minder schön und anrührend. Der Ort mit der Christophorus-Stele ist Teil dieser Botschaft. Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden, die Autobahnkirche steht unter seinem Patronat. Im Lied werden Grüße von einer Liebsten übermittelt, die Geliebte, die in der Ferne weilt, hält die Verbindung zu ihrem Partner aufrecht und mit Hilfe des Vogels gelingt das auch. Was liegt da näher, als sich noch einmal des Vogels für einen Gruß zu bedienen? Nur was ist jetzt die Botschaft?

Wachse!

Beim Elia-Turm der Autobahnkirche geht es um das wichtige Thema Gerechtigkeit und um das Verhältnis von Religion und Politik. Wir finden an diesem Turm auch sehr viele Darstellungen von Pflanzen und von Bäumen. Das ist kein Widerspruch, sondern verweist darauf, dass ein guter Umgang mit der Natur die Grundlage für eine gerechte Weltordnung ist. Ohne ein gesundes Wachstum von Pflanzen gibt es keine Gerechtigkeit auf der Welt, denn nur diejenigen, die es sich leisten können, haben genug zu essen und können die Natur so nutzen, wie es ihnen gut tut. Eines wird dabei gerne vergessen: Wachstum braucht Zeit und die alte Erkenntnis, dass die Ernte dieses Jahres der Grundstock für die Aussaat und Ernte des nächsten Jahres ist, wird gerne übersehen. Wie lange dauert es, bis ein Obstbaum so weit ist, dass er Früchte trägt? Wie lange dauert es, bis ein Getreidefeld abgeerntet werden kann? Wieviele Hindernisse und Gefährdungen gibt es auf dem Weg zu einer guten Ernte? Das war den Menschen früherer Generationen schon bewusst. Heute aber, wo die Bedrohungen viel umfassender und globaler geworden sind, vergessen wir diesen Zusammenhang.

Verbunden sein und bleiben

Das Fenster vom Weinstock, mit den Rebzweigen und den Trauben als Früchten bezieht sich auf die zweite Abschiedrede aus dem Johannesevangelium. Jesus schärft auf seine Art mit eindrücklichen, aber auch geheimnisvollen Bildern seinen Jüngerinnen und Jüngern ein, wie sie ihr Leben gestalten können. Ihm ist es dabei ganz wichtig, in Beziehung zu sein, untereinander, zu ihm selbst und zu Gott. Wenn das gelingt, dann gelingt auch das Leben.  Er sagt: »10 Wenn ihr meine Gebote befolgt, dann bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich die Gebote meines Vaters befolgt habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Ich habe euch dies gesagt, damit meine Freude euch erfüllt und an eurer Freude nichts mehr fehlt. 12 Dies ist mein Gebot: Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe.« (Übersetzung Gute Nachricht 2018).

Ihr in mir und ich in euch


Die Bezüge, die Jesus in Verbindung mit dem Bild des Weinstocks verwendet, klingen sehr geheimnisvoll und verwirrend: In der zweiten Abschiedrede sagt Jesus: 1 »Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.« (Johannes 15,1-5, Einheitsübersetzung 2016) In der Glaubensgeschichte wurde diese Stelle ganz unterschiedlich ausgelegt, mal repressiv, mal ermutigend, mal wortwörtlich, dann wieder sehr weit interpretiert. Aber alle Versuche, diese Sätze richtig zu verstehen, haben ihnen nichts von ihrem geheimnisvollen Charakter genommen. 

Vielfältige Frucht

Immer genügend zum Essen zu haben, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Jede Religion versucht, das Bewusstsein für dieses Grundbedürfnis zu stärken. In Bildern und in Festen wird ausgedrückt, dass ausreichend Nahrung nicht selbstverständlich ist, dass wir Menschen uns nicht darauf verlassen können, dass wir immer all das zum Essen haben, was wir brauchen. Geschweige denn, dass wir einen Anspruch darauf hätten, dass unser Teller immer voll ist. Die Erfahrung zeigt uns das Gegenteil, vielleicht nicht so sehr in unseren Breiten, aber weltweit gesehen gibt es viele Regionen, in denen Menschen um ihre tägliche Nahrung kämpfen müssen oder  hungern. In Gebeten und Segenswünschen wird deshalb immer wieder Gott angesprochen, dass immer genügend zum Essen da ist. Es sind dann die schönsten biblischen Zusagen, in denen paradiesische Zustände herrschen und man sich keine Sorgen um das tägliche Brot machen muss und darum, dass wir eine Auswahl an Lebensmitteln haben.
Am Elia-Turmsehen wir gleich mehrere Darstellungen dieser Sehnsucht und Verheißung. Verschiedene Pflanzen tragen unterschiedliche Früchte, alles wächst und gedeiht mit größter Selbstverständlichkeit, weil Gott für sein Volk sorgt und dessen Bedürfnisse in reichem Maß stillt.

Es soll wachsen und gedeihen

Der Baum des Lebens ist ein wunderbares Bild, weil da etwas wächst, das wir als Geschenk begreifen müssen. Ein Lebensbaum ist ein Sinnbild für das Leben schlechthin, für das Leben, das unverfügbar ist und für das wir eintreten müssen, das wir bewahren müssen, weil es doch so vielfältig bedroht ist. Hier sehen wir einen ganz einfachen Baum, der Früchte oder nur Blätter trägt. Daneben, sehr viel kleiner, noch einen Baum in aller Pracht. Es ist ein wichtiges Thema beim Propheten Elia, denn er steht wie kein anderer für Wachstum und Leben im Überfluss, auch wenn die größte Not droht. Elia vertraut auf die Zusage Gottes, dass der Mehltopf nicht leer wird und der Ölkrug immer voll bleibt. Für die Zeit, in der Elia lebte, waren diese Bilder lebensnotwendige Selbstverständlichkeiten. Durch Dürren, Überschwemmungen, Krankheiten und Kriege war die Versorgung mit den notwendigsten Lebensmitteln immer wieder bedroht, wir heute im reichen Westen können nur erahnen, wie sich eine schlechte Ernte oder zerstörte Felder auswirken. Wir beginnen erst langsam wieder zu entdecken, wie wichtig jeder einzelne Baum, jeder Quadratmeter Ackerfläche für uns und das Leben allgemein ist, nicht nur für die Versorgung mit Lebensmitteln. 
 

Früchte tragen

In unserer westlichen Kultur haben wir den direkten Bezug dazu verloren, wie Nahrung auf unseren Teller kommt. Wir reden von landwirtschaftlicher Erzeugung, Lebensmittelproduktion, von industrieller Verarbeitung von Lebensmitteln und so weiter. Gerade bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln, die direkt oder indirekt die Grundlage unserer Ernährung sind, gehen wir davon aus, dass alles immer und zu jeder Zeit verfügbar ist, dass es nicht viel kosten darf und doch von herausragender Qualität sein muss. Diese Selbstverständlichkeit ist eine Illusion. Im Zeitalter von Klimawandel und anderen Krisen werden wir eines besseren belehrt. Wir sehen, dass der ungezügelte Konsum von Nahrungsmitteln sehr viel zur Verschwendung beiträgt, vieles wird ungenutzt vernichtet, weil große Mengen nicht gelagert werden können, weil es Spekulationsobjekte sind oder weil einfach zu viel da ist und gar nicht gebraucht wird. Das ist aber nur in der westlichen Welt so. In anderen Regionen der Erde herrscht nach wie vor Hunger aufgrund von Misswirtschaft, Dürren, Kriegen und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen. 

Glauben und Zweifeln

Der Apostel Thomas kommt in der Darstellung der Jüngerinnen und Jünger Jesu nicht besonders gut weg. Er ist derjenige, der den anderen nicht glauben will, dass Jesus auferstanden ist: »Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer aus dem Kreis der Zwölf, nicht dabei gewesen. Die anderen Jünger erzählten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!« Thomas sagte zu ihnen: ›Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den Nägeln an seinen Händen sehen und sie mit meinem Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst nicht!‹« (Johannes 20,24-25, Übersetzung Gute Nachricht). Der »ungläubige Thomas« ist derjenige, der den Glauben in Frage stellt, er will es selbst erfahren, ansonsten lehnt er das Bekenntnis der anderen ab und stellt sich gegen sie. So wird der »ungläubige Thomas«, wie er genannt wird, zum Zeugen der Auferstehung für moderne Menschen. 

Am Herzen Jesu

Am Altar in der Krypta der Autobahnkirche, gegenüber dem Tabernakel sehen wir ein Herz abgebildet. Es ist ein besonderes Herz, ein verwundetes Herz. Es ist ein Herz, aus dem Flammen schlagen. Beide Bedeutungen können wir sowohl auf Jesus beziehen als auch auf uns selbst. Wir sind deshalb ganz nah am Herzen Jesu. 
Jede und jeder von uns trägt seine Lebenserfahrungen mit sich, Erfahrungen, die ihre Spuren hinterlassen haben. Manche lassen einem das Herz bluten, andere entzünden es regelrecht und es brennt lichterloh. Wir können unsere Verwundungen nicht wegreden, wegbeten oder ignorieren, sie sind da. Wir lernen mit der Zeit, mit ihnen zu leben. Manche verheilen ganz gut, aber es bleiben Narben zurück.

Lichtbringer

Schwer zu erkennen, auch im Original an der Seite des Altares in der Krypta der Autobahnkirche: Eine Hand, die eine kleine, brennende Kerze hält. Das ist das christliche Symbol schlechthin. Das kleine Kerzenlicht kann nicht übersehen werden. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich in der Osternacht das Licht der Osterkerze in der dunklen Kirche verteilt und die ganze Kirche plötzlich auf eine ganz besondere Art und Weise erstrahlt und hell wird. Dieses Licht steht für den Auferstandenen Jesus. Er ist das Licht, das unsere Welt hell macht. So heißt es auch im Choral aus Taizé in der deutschen Übersetzung: »Christus, dein Licht, verklärt unsre Schatten. Lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde, und du sagst uns, auch ihr seid das Licht.«

Ich bin bei dir!

Im Psalm 23 stehen die vier Worte, die Glauben ganz einfach zusammenfassen: »Du bist bei mir!« (Psalm 23,4) Dieses kleine Glaubensbekenntnis hat aber, wenn es so bedacht wird, Konsequenzen für ein Verständnis der Gegenwart Gottes. Wenn ein betender Mensch die Worte spricht: »Du bist bei mir!«, dann schwingt gleich auch die Aussage mit: »Ich bin bei dir!« Ein Gebet, das beide Sichtweisen sichtbar werden lässt, macht aus einer zunächst einseitigen Aussage des Vertrauens ein gegenseitiges Beziehungsverhältnis auf: »Wenn du bei mir bist, dann bin ich auch bei dir!« Glauben ist dann nicht etwas, das nur in eine Richtung geht, sondern ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht.

Frohbotschaft ist anspruchsvoll

Am Ambo der Autobahnkirche sehen wir das Gesicht eines Menschen. Die Augen sind geschlossen, dieser Mensch hört und verstärkt den Schall dadurch, dass er mit seiner Hand die Ohrmuschel vergrößert. Er möchte alles hören und nichts verpassen. Weil wir diesen hörenden Menschen am Ambo sehen, ist auch klar, dass es die frohe Botschaft ist, die nicht verpasst werden soll. Ist es allein diese Botschaft, die gehört werden muss? Natürlich nicht, es geht um sehr viel mehr. Das Evangelium ist sehr anspruchsvoll, wenn man es auf das eigene Leben anwendet. Es fordert Konsequenzen, wenn man das Wort Jesu, seine Frohbotschaft, gehört hat, kann man nicht mehr so weiterleben, wie bisher.

Wichtige Stütze

In der Krypta der Autobahnkirche gibt insgesamt sieben freistehende Säulen, wo es eigentlich aus Gründen der Symmetrie acht sein müssten. Die Säule in der Nordostecke fehlt. Die Erklärung hierfür ist einfach: In alten Kathedralen und Kirchen stehen die Säulen für die Apostel, sie tragen die Kirche. Durch seinen Verrat ist Judas keiner der Träger der Kirche, im Gegenteil, er ist eine Gefahr für die Kirche. Aus diesem Grund fehlt die achte Säule in der Krypta. Ist das richtig? Folgt man den Evangelien und der Haltung gegenüber Judas und seinem Verrat in der Kirchengeschichte, dann ist das folgerichtig. Einer, der für vierzig Silberlinge Jesus an die Häscher des Rates und an die Besatzungsmacht der Römer ausliefert, kann nichts anderes als in den tiefsten Pfühlen der Hölle schmoren. Er hat keinen Teil an der Erlösung. In alle Ewigkeit muss er für seine Missetat büßen.

Mächtiger Schutz

Selbst wenn wir uns noch so aufgeklärt geben und nach Möglichkeit alles, was uns an mythische Formen der Lebensgestaltung erinnert, verbannen wollen, können wir uns ein Leben ohne Engel kaum vorstellen. Sicherlich haben wir unterschiedliche Vorstellung davon, was die Engel sind, aber kein anderes vormals religiöses Symbol kommt in unserem modernen Alltag so häufig vor wie Engel. Wir sehen sie als kleine niedliche, weiße Gips- und Porzellanfiguren. Sie stehen kunstvoll geschnitzt auf unseren Sideboards und in Vitrinen, sie schmücken nicht nur die weihnachtliche Festtafel, sondern auch die Gräber unserer verstorbenen Angehörigen. Manchmal kitschig, dass es gar nicht schlimmer geht, dann wieder sehr anspruchsvoll und abstrakt. Es fällt auf: Engel sind in unserer säkularen Welt allgegenwärtig!

Welche Wahrheit?

Wenn Pilatus beim Verhör von Jesus ins Philosophische abgleitet, dann ist das kein Zufall. Er ist Angehöriger der römischen Oberschicht, er ist der Statthalter, der die Besatzungsmacht vertritt. Er ist gebildet, er kennt die römischen Überlieferungen und hat sich wohl auch mit den römischen Philosophen seiner Zeit auseinander gesetzt. Und so stellt er beim Verhör die Frage, die die  Menschheit seit Anfang umtreibt: Was hat es mit der  Wahrheit auf sich? »Jesus sagte: ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?« (Johannes 18,37b-38a) Auch wenn die Wahrheit zur Sprache kommt, ist nicht klar, um was es dabei wirklich geht.

Türöffner für die Welt

Judas Taddäus steht stellvertretend für die sechs Paare von Aposteln, die bei den drei Ausgängen der Autobahnkirche als Türwächter eine wichtige Aufgabe wahrnehmen. Er ist nicht sehr auffällig, seine Gesichtszüge sind wie die der anderen elf eher durchschnittlich. Die sehr flachen Reliefs springen auch nicht so sehr ins Auge wie beispielsweise die Fenster, die man sofort wahrnimmt. Aber, wie immer bei Kirchenbauten, ist nichts zufällig an seinem Platz und die Apostel erfüllen auch hier eine wichtige Funktion. In alten Kathedralen sind die zwölf Säulen im Langschiff in der Regel den Aposteln gewidmet. Sie tragen die Kirche, sie sorgen für deren Stabilität und bilden quasi ihr Fundament. Auf ihnen ist die Kirche errichtet.

Für wen schlägt dein Herz?

Wohl kaum ein Symbol wird häufiger bemüht als das Herz. Es gibt viele Begriffe wie herzlich, herzerweichend, von Herzen, herzallerliebst und so weiter. All diesen Begriffen sind die Eigenschaften des Herzen zu eigen, dass es etwas Gutes anzeigt. Es steht für Liebe und Zusammengehörigkeit. Selbst in der modernen Kommunikation mit den sozialen Medien sind die Emojis mit Herzen nicht mehr wegzudenken. Wenn das Herz im Spiel ist, dann geht es immer um Beziehung. Das Herz schlägt nie für einen allein, es braucht immer jemanden anders, dass es schlagen kann. Deshlab ist die Frage hin und wieder berechtigt, für wen das Herz eigentlich schlägt und warum das so ist. Das Herz am Altar in der Krypta der Autobahnkirche mag ein Anlass dafür sein, darüber nachzudenken.

Für euch und für alle

Unter den Aposteln, die an den drei Portalen der Autobahnkirche dargestellt sind, nimmt Paulus eine besondere Position ein. Er war laut biblischer Überlieferung keiner der von Jesus Auserwählten. Er gehörte auch nicht zum Zwölferkreis, den wir als den Kreis der Apostel bezeichnen. Und doch nennt er sich »Apostel«, weil er den Herrn gesehen hat. Er hat die Erfahrung der Auferstehung Jesu gemacht, und das nicht schon am dritten Tag, die viele andere, sondern erst Jahre später, nachdem er die jungen Christengemeinde blutig verfolgt hatte. Er ist ein besonderer Mensch, manchmal wird er gar als die eigentliche Gründergestalt des Christentum bezeichnet. Aus der Reihe der zwölf Apostel in der Autobahnkirche sticht er nicht heraus, er gehört ganz selbstverständlich dazu.

Ein Herz, das lebt

Wir verbinden mit dem Herzen immer Lebendigkeit. Wenn das Herz schlägt, dann sind wir am Leben, mit dem Herzschlag belegen wir auch, ob jemand am Leben ist oder nicht. Wenn das Herz kalt und hart wird, wenn es versteinert, dann werden Menschen selbst hart und unbarmherzig. In der Religion ist das eine wichtiges Thema. Wir finden beim Propheten Ezechiel dieses Bild, um einen Neuanfang zu wagen. In der Gottesrede bei Ezechiel heißt es: »25 Ich besprenge euch mit reinem Wasser und wasche den ganzen Schmutz ab, der durch den Umgang mit euren Götzen an euch haftet. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt. 27 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinen Ordnungen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen.« (Ezechiel 36,25-27, Übersetzung Gute Nachricht 2018)

Von Engeln getragen

Wie sehen Engel aus? Die Berichte, die wir in der Bibel lesen, sind nicht eindeutig und sie lassen sehr viel Spielraum für Spekulationen zu. Die wenigsten sind aber menschenähnlich, auch wenn sie oft so dargestellt werden. Es sind meist geflügelte Wesen, mit einem menschlichen Gesicht, aber undefinierbaren Körpern. Manchmal sind es, so wie wir sie hier in der Krypta der Autobahnkirche sehen, Köpfe mit Flügeln. Sie erscheinen als Wesen, die auf das Wesentliche reduziert sind: Ein Kopf, entsprechend einer angedeuteten Menschlichkeit, denn sie erkennen Gott und können sprechen, und den Flügeln, mit denen sie sich nicht nur im wörtlichen Sinn über jede Menschlichkeit erheben und die ihren Anteil am göttlichen Leben zeigen. Sie gehören zum himmlischen Hofstaat und geben Gott auf dem Thron die Ehre. Sie sind Sinnbilder der Macht und tragen eigene Namen. Es sind die Cherubim und die Seraphim. 

Gebrochenes Herz

Verletzungen am Herzen sind meist lebensgefährlich. Operationen am Herzen sind so, dass man mit größter Vorsicht vorgehen muss. Deshalb ist es  schwerwiegend, wenn sinnbildlich vom gebrochenen Herzen gesprochen wird. Es kann sogar sein, dass die seelischen Verwundungen ebenso lebensbedrohlich sind. Von vielen Menschen sagt man, dass sie an gebrochenen Herzen gestorben sind. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gebrochene Herzen in den religiösen Traditionen eine große Rolle spielen. Viele Heilige, Frauen und Männer, aber auch ganz gewöhnliche Menschen waren ihr Leben lang auf der Suche nach Gott oder dem Sinn des Lebens. Ihr Weg war voller Enttäuschungen, ihre Sehnsucht wurde in den seltensten Fällen gestillt. Ihre Herzen sind daran zerbrochen und sie wurden oft auch nicht sonderlich alt.

Hört mich jemand?

Am Johannes-Fries an der Westseite der Autobahnkirche sehen wir den Rufer. Es ist eine Darstellung, die vollkommen dem Johannes entspricht. Er erhebt seine Stimme und ruft die Menschen dazu auf, ihr Leben zu überdenken und einen Neuanfang zu wagen. Er wird auch in den biblischen Zeugnissen so dargestellt, dass viele Menschen seinen Ruf hören und sich bekehren. Sie gehen zu ihm in die Wüste und lassen sich im Jordan, als Zeichen für ihre Bereitschaft zur Veränderung taufen. Der Ruf des Johannes hatte Erfolg, er wurde gehört, er war laut genug. Ist das nachvollziehbar?

Hab keine Angst

Begegnungen mit dem Göttlichen sind immer Schlüsselerlebnisse. Sie durchbrechen unsere gewöhnliche Sicht auf die Dinge der Welt. Wenn etwas anders ist als sonst, dann macht es, auch wenn es eine beglückende Erfahrung ist, zunächst einmal Angst. Das Ungewöhnliche können wir noch nicht einordnen, wir brauchen Zeit, damit wir es verarbeiten und verstehen, das heißt denken können. Maria geht es kein bisschen anders, als der Engel bei ihr eintrat: »28 Der Engel kam zu ihr und sagte: ›Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!‹ 29 Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. 30 Da sagte der Engel zu ihr: ›Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden!‹« Lukas 1,28-30, Übersetzung Gute Nachricht) Maria erschrickt, sie hat selbstverständlich Angst. Der Engel sagt den Satz, mit dem in der Bibel meistens Gottesbegegnungen eingeleitet werden: »Hab keine Angst!«

Du hast Gnade gefunden

Die Erzählung aus dem Lukas-Evangelium, in der der Engel zu Maria kommt und ihr die Schwangerschaft mit Jesus verkündet, ist eigenartig und bemerkenswert zugleich. Sie steckt voller Verheißungen und kann uns neue Horizonte eröffnen, wie wir uns und unser Leben betrachten können: »28 Der Engel kam zu Maria und sagte: ›Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!‹ 29 Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. 30 Da sagte der Engel zu ihr: ›Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden! 31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben.‹« (Lukas 1,28-31, Übersetzung Gute Nachricht) Hier geht es zunächst um die Kontaktaufnahme und darum, Maria die Angst zu nehmen. Der Engel tritt zu ihr und sagt zunächst drei wichtige Dinge: »Gott ist mit dir!«, »Gott hat dich zu Großem ausersehen!« und »Du hast Gnade gefunden!« Das sind alles Zusagen, die nichts anderes als Segensworte sind. 

Im Stau

Es gehört zu den unbeliebtesten Beschäftigungen: Im Stau zu stehen. Ob es jetzt die Zeit im Berufsverkehr ist, die man verliert, oder wertvolle Urlaubszeit, die man gerne am Strand oder in den Bergen verbracht hätte, im Stau wird die Zeit nutzlos vergeudet. In den wenigsten Fällen kann man etwas dafür, dass es nicht weitergeht. Im schlimmsten Fall ist viel weiter vorne ein Unfall passiert und man muss warten, bis die Autobahn wieder freigegeben ist oft. Meistens aber stockt der Verkehr, weil zu viele unterwegs sind. Aufgrund hohen Verkehrsaufkommens steht alles still und es bewegt sich gar nichts mehr. Je mehr Fahrzeuge es gibt, je mehr Verkehr auf die Straße verlagert wird, umso mehr Zeit geht im Stau verloren und die Kosten, die das verursacht, gehen in die Milliarden.

Anti-Noah

Wie oft wurde vom modernen Menschen behauptet, dass er die Welt verbessern könne? Es gab diese Stimmen, aber sie sind in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verstummt. Was als Ideal bezeichnet wurde, der Homo sapiens, der wissende Mensch, wurde zum großen Zerstörer der belebten und unbelebten Natur und zum Vernichter der eigenen Lebensgrundlagen. Der moderne Mensch ist das erste Lebewesen, das in der Lage ist, sich selbst zugrunde zu richten. Wenn in der biblischen Erzählung Noah derjenige ist, der das Leben rettet, weil er ein Gerechter in den Augen Gottes war, so setzt Emil Wachter dem modernen Menschen ein Denkmal, das er als den Anti-Noah, den Gegenentwurf zum biblischen Propheten bezeichnet. Er trägt viele Züge, die uns heute sehr bekannt vorkommen: Die Brille steht für das Wissen, das er sich aneignet, das aber mehr zerstört, als dass es Gutes bewirkt. Das fette, aufgeschwemmte Gesicht zeigt den Wohlstand, der jegliche Schönheit vermissen lässt. Der selbstgerechte Blick lässt erahnen, dass dieser Mensch für alle Warnungen taub ist und nur seinem eigenen Willen folgt.

Ich will hören

Am Ambo in der Autobahnkirche sehen wir einen Menschen, der ganz Ohr ist, der zuhören will, der sich aktiv darauf vorbereitet, etwas zu hören und ja nichts zu verpassen. Diese Darstellung sieht selbstverständlich aus, ist es heute aber nicht. Wir hören viel, keine Frage, aber wir hören nicht mehr so richtig zu. Vieles geht ohne dass es aufgehalten wird, durch uns hindurch. Oft wissen wir wenige Augenblicke hinterher nicht einmal mehr, was wir gehört haben. Meister Eckhart sagt in seinem berühmten Satz, mit dem er seine achtsame Haltung beschreibt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet.« Ihm geht es auch um das aktive Hören. Er spricht davon, dass er hören will, sich also dazu entschieden hat. Er ist dann wie dieser Mensch am Ambo, der sich ganz auf das ausrichtet, was er hört. 

Gelungene Integration

An der Nordseite des Mose-Turm sehen wir eine Darstellung von Joseph, dem zweitjüngsten Sohn von Jakob. Gezeugt mit seiner Lieblingsfrau Rebecca war Joseph der Liebling seines Vaters und wurde, zumindest in den Augen seiner Brüder, bevorzugt behandelt. Deshalb verkauften sie ihn in die Sklaverei und sagten ihrem Vater, er sei das Opfer von wilden Tieren geworden. Joseph kam als Sklave nach Ägypten und landete schließlich am Hof des Pharao. Dort wurde seine Gabe, Träume zu deuten sehr geschätzt und er konnte sich aufgrund der Vorhersagen, die er in den Träumen des Pharao sah, eine herausragende Stellung am Hof erarbeiten. Er schaffte es, vom Sklaven bis zur rechten Hand des Pharao, zum zweitmächtigsten Mann im Staat. So sehen wir ihn auch hier: Jung, tatkräftig, zupackend, mit einem Blick für alles.

Ich will sitzen

Man bezeichnet das Sitzen heute als eine eher schädliche Tätigkeit. Das ist es deshalb, weil wir es zu häufig tun. Wenn wir ehrlich sind, dann sitzen wir schon den ganzen Tag ziemlich viel: Am Tisch bei den Mahlzeiten, mit Freunden zusammen, am Schreibtisch oder sonstwie bei der Arbeit, im Auto oder anderen Verkehrsmitteln, ziemlich viel vor dem Fernseher und nicht zuletzt, wenn wir auf einer Parkbank oder im Sessel ausruhen. Sitzen ist die häufigste Tätigkeit, die wir tun und deshalb auch nicht die gesündeste. Es ist aber auch eine wichtige Haltung, wenn wir es richtig tun. Von Meister Eckhart (1260-1327) ist ein Satz überliefert, in dem das Sitzen in einen größeren Zusammenhang gestellt wird. Er schreibt: »Ich will sitzen und will schweigen und will hören, was Gott in mir redet.«

Notwendiger Abstieg

Eine alte Weisheit besagt, dass man erst einen Berg bestiegen hat, wenn man auch wieder hinabgestiegen ist. Dahinter steht die Erfahrung, dass man nicht auf dem Berg bleiben kann, man muss von seinen Erfahrungen auch berichten können. So geht es auch Mose. Er stieg auf den Horeb hinauf, hatte Kontakt mit Gott und kam mit dem Gesetz, festgehalten auf zwei Steintafeln, wieder zurück. So sehen wir an der Südseite des Noah-Turmes mit den Tafeln im Arm, wie er aufrecht gehend, den Berg herabsteigt. Emil Wachter hat ihn selbstbewusst dargestellt, Mose weiß, was er will und er hat etwas zu übergeben, was für das Volk Israel überlebenswichtig ist. Ich frage mich, was wohl in seinem Kopf vorgeht. Macht er sich Gedanken darüber, was ihn erwartet, wenn er unten ist? Wie haben sich die ihm anvertrauten Israeliten verhalten, während er weg war? Oder hängt er noch dem nach, was er erlebt hat? Dass er eine Begegnung mit Gott erlebt und überlebt hat? Dass er von Gott würdig gefunden wurde und fast schon als Partner mit Gott verhandelt hat? Oder dass er sich in der Begegnung mit Gott verändert hat und wie sich das auf ihn selbst und sein Leben ausgewirkt hat?

Du bist bei mir

Immanuel Kant, der Philosoph aus Königsberg, der die Grenzen der Vernunft und der Religion aufgezeigt hat, schrieb einmal: »Ich habe in meinem Leben viele kluge und gute Bücher gelesen. Aber ich habe in ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht hätte, wie die vier Worte aus dem 23. Psalm: ›Du bist bei mir‹.« Das sind Worte, die eine Spur tiefer Zufriedenheit hinterlassen. Es gibt in der Bibel wohl kaum einen Satz, der so gut ein Glaubensverhältnis ausdrückt. »Du bist bei mir!«, zu Gott im Gebet gesprochen, zeugt von einer Überzeugung, dass man als Mensch nicht verlorengehen kann, weil die Nähe Gottes, man muss hier schon sagen die unmittelbare Gegenwart Gottes, als Tatsache beschrieben wird.

Verzweifle nicht

In den verschiedenen Bildmotiven der Autobahnkirche gibt es viele, in denen Emil Wachter seiner Hoffnung auf einen guten Ausgang Ausdruck verleihen will. Er findet dabei reichlich Anhaltspunkte in der biblischen Botschaft. Auch beim Propheten Elia, der selbst mehr als einmal der Verzweiflung nahe war, gibt es viele Worte, die Mut machen sollen. Es ist ja die Aufgabe eines Propheten, neben der Zeitansage, die die Menschen zum Umdenken bewegen soll, eine Perspektive zu eröffnen, für die es sich zu leben lohnt. Emil Wachter wird nicht müde, das immer wieder neu darzustellen. Am Elia-Turm finden wir eine besondere Darstellung, die nicht nur der Verzweiflung Einhalt gebietet, sondern in der Elia sagt, dass du kein Recht darauf hast, verzweifelt zu sein. Auf die Bitte Elias hin, ihm etwas zu trinken und zu essen zu geben, antwortet eine Witwe in der Stadt Sarepta.

Ägyptische Klage

Bei umwälzenden Ereignissen gibt es immer Verlierer. Menschen leiden unter den Veränderungen. Meist sind es nicht die, die das Leid verursacht haben, sondern es sind die Armen und Benachteiligten, die die Folgen zu tragen haben. Im ersten Testament gibt es viele Geschichten, die auf diese Weise enden. Die Klage ist immer gleich, ob das Unheil gerechtfertigt erscheint oder nicht. Als die Israeliten aus Ägypten fliehen wollen, haben sie bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sie erhalten Unterstützung von Jahwe, der seinerseits den Ägyptern Leid zufügt, zunächst mit neun Plagen, wie Heuschrecken, Blutregen und so weiter. Als zehnte Plage schließlich lässt Gott die Erstgeburt der Ägypter vom Todesengel erschlagen. Das Leid, das Ägypten erfährt, stimmt schließlich den Pharao um, so dass Israel in die Freiheit ziehen darf. War dieser Preis gerechtfertigt?

Blumentopf zu gewinnen

Bei den Menschen, die nichts mehr haben, lernt man das Teilen. Diese Erfahrung macht Elia, als er, selbst mittellos und auf der Flucht, zu einer Witwe und deren Sohn kommt. Wir lesen im ersten Buch der Könige: »10 Elia ging nach Sarepta. Als er ans Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. ›Bring mir doch etwas Wasser!‹, bat er sie. 11 Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: ›Bring auch etwas Brot mit!‹ 12 Doch sie sagte: ›So gewiss der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe keinen Bissen mehr, nur noch eine Handvoll Mehl im Topf und ein paar Tropfen Öl im Krug. Ich lese gerade ein paar Holzstücke auf und will mir und meinem Sohn die letzte Mahlzeit bereiten. Dann müssen wir sterben.‹ 13 Elia erwiderte: ›Geh heim und tu, was du vorhast. Aber backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot und bring es zu mir heraus. Den Rest kannst du dann für dich und deinen Sohn zubereiten. Hab keine Angst, 14 denn der Herr, der Gott Israels, hat versprochen: Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse.‹ 15 Die Frau ging und tat, was Elia ihr aufgetragen hatte. Und wirklich hatten die drei jeden Tag zu essen. 16 Der Mehltopf wurde nicht leer und das Öl im Krug versiegte nicht, wie der Herr es durch Elia versprochen hatte.«

Im Zeichen des Blutes

Der Pharao wollte, so berichtet es das Buch Exodus, die Israeliten nicht ziehen lassen. Deshalb wurden von Gott neun Plagen geschickt, die den Pharao aber nicht umstimmten. Mit der zehnten Plage sollte sich das Blatt wenden. Dazu war eine Vorsichtsmaßnahme notwendig. In ganz Ägypten sollte die Erstgeburt zu Tode kommen. Um sich zu schützen musste von dem Pessah-Lamm, das an diesem Abend geschlachtet wurde, etwas Blut genommen werden, um damit das Haus, in dem Juden lebten, zu markieren: »21 Mose rief die Ältesten Israels zusammen und befahl ihnen: ›Jeder Familienvater soll sich ein Schaf- oder Ziegenböckchen aussuchen und es für das Passamahl schlachten. 22 Er soll das Blut in einer Schüssel auffangen, ein Büschel Ysop hineintauchen und die beiden Türpfosten und den oberen Türbalken mit dem Blut bestreichen. Danach darf niemand mehr das Haus verlassen bis zum Morgen. 23 Wenn der HERR in der Nacht vorbeikommt, um den Schlag gegen Ägypten zu führen, wird er das Blut an den Türpfosten und Türbalken sehen und vorübergehen. Er wird nicht zulassen, dass der Todesengel eure Häuser betritt.‹« (Exodus 12,21-23, Übersetzung Gute Nachricht)

Ganz bei mir

Wenn wir uns das, was wir aus dem ersten Testament von Elia wissen, vorstellen, dann haben wir einen Menschen vor Augen, der kein Blatt vor den Mund genommen hat, der als Überzeugungstäter vor Gewalt nicht zurückgeschreckt ist und der sehr umtriebig seinen Auftrag umgesetzt hat. Er war ein politischer Mensch, der wusste, wie er seine Macht einsetzen musste. Er war umtriebig und musste immer auf der Hut vor Verfolgung und Anschlägen sein. Ob er mit diesen Eigenschaften heute noch ein wirkliches Vorbild sein kann, das muss diskutiert werden. Auf jeden Fall war er ein Mensch mit ganz vielen unterschiedlichen Facetten. Auf den ersten Blick mag es da verwundern, dass noch eine weitere Seite überliefert ist. Als er aufgrund seines Auftrages und der Lebensgefahr, in die er sich wieder einmal begeben hatte, zog er sich frustriert in eine Höhle zurück. Nach mehreren Tagen der Ruhe hatte er eine Begegnung mit Gott, die er so nicht erwartet hatte.

Milch und Honig zu verkaufen

Das Land, in dem Milch und Honig fließen, muss sehr begehrt sein. Deshalb macht sich das Volk Israel von Ägypten aus auf, um dort heimisch zu werden. Es ist das Land, das einst ihrem Stammvater Abraham versprochen wurde. Doch man weiß ja, dass diese Ländern andere Bewohner haben, die von diesem Wohlstand profitieren. Milch und Honig im Überfluss heißt nicht nur, dass man eine gute Vorratshaltung braucht, um alles für sich in schlechten Zeiten verwenden zu können. Es geht vielmehr darum, diese Überschüsse mit möglichst großem Gewinn zu verkaufen und in andere Güter zu investieren. Je mehr Handel getrieben wird, umso begehrenswerter wird dieser Landstrich für andere, sei es um zu rauben und zu plündern, oder um in diese Länder ziehen, um von diesem Wohlstand zu profitieren. Das  steht wohl hinter dem Zug ins gelobte Land.

Wo sollen wir denn hin?

Was zunächst wie eine idyllische Darstellung der Krippenszene anmutet, ist in Wahrheit die Ruhe der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten. Sie sind allein, zu dritt, keine Hirten und Schafe, keine Weisen mit Geschenken, keine Engel und himmlischen Heerscharen, keine Besucherinnen und Besucher, nichts von dem, was wir mit der Krippe verbinden. Nur die Familie. Alleine und für sich. Und sonst ist niemand mehr da, der an ihrem Leben und an ihrem Schicksal Anteil nimmt. Diese Einsamkeit, ob im Lager oder wirklich allein ist das Kennzeichen der Flüchtlinge zu allen Zeiten. Sie sind und bleiben auf sich allein gestellt. Sie müssen sich durchschlagen in der Hoffnung, heil an ihrem Ziel anzukommen, wissend, dass sie es nicht alleine schaffen können und auf die Hilfe und die Bereitschaft anderer angewiesen sind.

Zippora, die Frau an Moses Seite

Wir wissen sehr wenig von Zippora. Ihr Name wird im Buch Exodus nur dreimal erwähnt, zusätzlich ist hin und wieder von ihr als der Frau des Mose die Rede. Es ist trotzdem wichtig, von ihr zu sprechen und sie nicht zu vergessen. Deshalb sehen wir auch zwei Darstellungen von ihr am Mose-Turm. Mose nimmt sie zur Frau, als er aus Ägypten fliehen musste und bei Jithro Unterschlupf fand. Auf dem Rückweg nach Ägypten kommt es zu einer folgenschweren Begegnung, bei der sie dem Mose das Leben rettete: »24 Als sie einmal unterwegs übernachteten, fiel der HERR über Mose her und wollte ihn töten. 25 Da nahm Zippora einen scharfen Stein, schnitt die Vorhaut am Glied ihres Sohnes ab und berührte damit Moses Beine. Dabei sagte sie: »Du bist für mich ein Blutbräutigam. 26 So nannte sie ihn wegen der geschehenen Beschneidung. Da ließ der Herr von Mose ab.« (Exodus 4,24-26, Übersetzung Gute Nachricht) 

Der ägyptische Prinz

Mose wuchs in zwei Welten auf. Er war der Sohn eines Ehepaares aus dem Stamm Levi, das im Buch Exodus nicht namentlich genannt wird. Er wurde heimlich geboren und dann in einem Binsenkörbchen ausgesetzt, wo ihn die Tochter des Pharao fand. Sie gab ihn seiner Mutter zum Stillen und als er größer wurde, brachte man ihn an den ägyptischen Hof, wo ihn die Tochter des Pharao adoptierte: Sie gab ihm auch den Namen: »Mose«, Kind. So wuchs Mose heran, er kannte seine hebräischen Wurzeln und war sich dieser bewusst. Er war aber auch mit der ägyptischen Kultur vertraut und konnte sich als Angehöriger des Hofes frei und sicherlich sehr privilegiert im Land bewegen. So lernte er zwei verschiedenen Kulturen kennen. Er wuchs zweisprachig auf, nicht nur, was die gesprochene Sprache angeht, sondern er beherrschte auch die kulturelle Sprache der beiden Lebensentwürfe. So gesehen wäre Mose ein idealer Vermittler zwischen den beiden Kulturkreisen.

Polit-Talk

Diskussionsrunden gehören mittlerweile zum Alltag des Fernsehprogramms. Besonderes Interesse genießen die politischen Talkrunden, in denen Politiker und Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen miteinander ins Gespräch kommen. Dieses Format ist nicht neu, einzig die große Zuschauerschaft ist ein Novum gegenüber früherer Debatten. Es hat sich aber auch etwas im Stil verändert, und das nicht unbedingt zum Guten. Konnten die Zuhörer bei früheren öffentlichen Debatten direkt reagieren und ihre Meinung kundtun, ist diese unmittelbare Rückmeldung bei den Talkshows nicht mehr gegeben. Die TeilnehmerInnen bleiben unter sich, sind sich aber des zahlreichen Publikums bewusst, das diese Auseinandersetzung jetzt im Moment mitbekommt.

Gelobtes Land

Es hat schon einen besonderen Reiz, wenn man vom gelobten Land sprechen kann. Man denkt an paradiesische Zustände, so etwas wie Schlaraffenland und an eine Verheißung. Ein gelobtes Land ist immer versprochenes Land, es wurde zugelobt. Wenn man dort sein kann, dann ist es gut, das Ziel allen Strebens ist dann erreicht. Auf dem vierzigjährigen Zug durch die Wüste hat sich das Volk Israel unter der Führung von Mose immer wieder an diesem Gedanken festgehalten, dass sie einmal dieses Land erreichen werden. Und wenn nicht sie, dann doch ihre Nachfahren. Selbst Mose war es nicht vergönnt, in das gelobte Land einzuziehen, er durfte nur einen Blick über die Grenze werfen und einen Eindruck davon bekommen. Sein Ziel hat er damit aber doch erreicht, sein Volk hat die Strapazen überstanden und kann sich endlich in dem Land ausruhen, das für sie bestimmt war. So weit, so gut. Das war die Geschichte und Verheißung, die vor 3500 Jahren für das Volk Israel ausgesprochen wurde. Seither ist viel Wasser den Jordan hinabgeflossen, viele Generationen haben in diesem gelobten Land gelebt.

Lass mich doch in Ruhe!

Ziemlich genervt schaut Elia drein, als er von Gott in die Pflicht genommen wird. Er soll als Prophet auftreten. Aber er will noch nicht, im Gegenteil, dieser Anspruch, der da von Gott an ihn gestellt wird, ist ihm zu viel. Böse schaut er zu Gott zurück und entzieht sich dem Ruf. Er will seine Ruhe haben, es passt ja nicht in seinen Lebensentwurf, wenn er sich jetzt als Prophet unters Volk mischen soll, den Herrschenden die Meinung sagen muss und sich damit auch in Lebensgefahr begibt. Er will nichts mehr als seine Ruhe haben. Da ist Elia nicht nur ein Mensch seiner Zeit im alten Israel im neunten Jahrhundert vor Christus sondern auch ein Zeitgenosse von uns. Auch wir kennen diese Regung, wenn es uns zu viel wird und wir nur noch in Ruhe leben wollen. All das um uns herum geht uns auf die Nerven.

So hilf mir doch!

Menschen, die wegen ihrer großen Leistungen verehrt werden, stehen im Ruf, dass sie nie an sich und ihrer Aufgabe gezweifelt haben. Sie werden deshalb als Vorbilder hingestellt, denen man nachstreben kann. Aber das stimmt so nicht. Wenn man ihre Biografien genau studiert, dann fällt auf, dass sie immer wieder gezweifelt haben. »Ist der Weg, den ich jetzt eingeschlagen habe, der richtige?« »Habe ich die Unterstützung, die ich brauche?« »Reichen meine Kräfte aus, damit ich das Ziel erreiche?« Die Liste mit zweifelnden Fragen ließe sich beliebig fortsetzen. Wahrscheinlich waren bei diesen Menschen die Zweifel größer als ihre Überzeugung. Und doch sind sie den Weg gegangen und sie hatten Erfolg. Warum ist das so? Am Mose-Turm hat Emil Wachter den Propheten Mose in genau dieser Situation dargestellt. Mose weiß nicht mehr weiter.

Staunender Pharao

Eine eigenartige Darstellung! Aus sich heraus wird sie nicht verständlich. Wir brauchen dazu die Beschreibung, die Emil Wachter dazu gibt: Er nennt dieses Relief: »Der Pharao in Tiergestalt vor dem Geheimnis Israels«. Emil Wachter verarbeitet dabei verschiedene Traditionen. Zum einen wird der Pharao als Tier gezeigt, was im alten Ägypten eher alltäglich war. Man denke nur an die Sphinxen, diese Mischwesen aus Mensch und Löwe. Einige Anklänge erkennt man hier auch. Wir sehen das, was Emil Wachter als Geheimnis Israels bezeichnet, in Form einer Pflanze, die erst noch aufblühen muss. Sie ist in sich verdreht, als Spirale kann sie sich entfalten.

Gotteswort in Menschenwort

Wenn von Heiligen Schriften die Rede ist, dann wird immer davon gesprochen, dass sie göttlichen Ursprungs sind. Es wird oft behauptet, dass sie von Gott selbst verfasst oder zumindest von einem Engel übermittelt worden sind und deshalb von Menschen nicht verändert werden dürfen oder nur unter besonderen Umständen und auf eine ganz eigene Weise ausgelegt werden dürfen, wenn überhaupt. Die Aufklärung hat gezeigt, dass diese Sichtweise schwierig ist und zu Recht. Es gibt zu viele Widersprüche, als dass wir diese einem allwissenden Wesen zusprechen können. Wenn wir aber wissen, dass diese Schriften von Menschen verfasst wurden, die in einer bestimmten Zeit an einem ganz konkreten Ort unter eigenen Umständen gelebt haben, dann werden diese Widersprüche erklärbar und helfen uns, sie besser zu verstehen.

Stilleschweigen ist lautere Stille

 
Zwei Hände umfassen eine dunklen Kreis. Dort, wo in der Abbildung das Schwarz ist, brennt in der Krypta der Autobahnkirche eine Lampe. Die Hände tragen und schließen das Licht gleichsam mit ein. Sie schützen es, und zeigen auch, wie gefährdet es ist. Das ist eines der Deckenreliefs in der Krypta der Autobahnkirche, die kaum beachtet werden und doch dem Raum einen besonderen Ausdruck verleihen. Sie laden zur Betrachtung ein und beruhigen den Geist. Sie führen uns ins Schweigen. Das ist ein Schweigen, das nicht nur nicht reden bedeutet. Es ist ein aktives Schweigen, bei dem man nichts sagen will. Meister Eckhart, der mittelalterliche Mystiker, nennt es »Stilleschweigen«. Das ist für ihn die lautere Stille, die reine Stille. Wir können uns das heute sehr schwer vorstellen, weil wir doch sehr von Geräuschen und Lärm umgeben sind. Ich glaube, dass wir von einer tiefen Sehnsucht nach dieser reinen, lauteren Stille erfüllt sind und diese auch suchen. Emil Wachter drückt diese Sehnsucht in diesem Deckenrelief aus.