Bilderweltarchiv 2017

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Ruhe auf der Flucht

Es ist wohl die Darstellung in den Fenstern der Autobahnkirche, die am meisten Ruhe ausstrahlt. Neben der Krippe und Weihrauchengel sitzt Maria mit dem Kind im Arm. Neben ihr steht Josef und stützt sich auf seinen Stab. Dieses Bild zieht fast noch mehr den Blick auf sich als die Krippe. Die Ruhe, die es ausstrahlt, steht im krassen Gegensatz zur Tatsache der Flucht überhaupt.
Maria und Josef möchten ihr eigenes Leben und das ihres Kindes retten. Sie müssen so schnell wie möglich ihre Heimat verlassen, um das Neugeborene vor der Verfolgung vor Herodes in Sicherheit zu bringen. Es gilt keine Zeit zu verlieren und so schnell wie möglich die Sicherheit in Ägypten zu erreichen. 

Für die Menschrechte

Man kann nicht oft genug auf die Bedeutung der Menschrechte hinweisen. Und es darf nicht vergessen werden, dass sie unzählige Male mit Füßen getreten werden. Auch in den Motiven der Autobahnkirche taucht ihre Verletzung immer wieder auf. Emil Wachter wird nicht müde, sie zu thematisieren. Und die Lage in der Welt zeigt, dass das auch nötig ist. Dass die Verletzung der Menschrechte kein naturgegebenes Gesetz ist, zeigt diese Darstellung. Unterdrückung geschieht durch Menschen. Ein menschlicher Fuß drückt einen Menschen nieder und lässt ihm keinen Spielraum mehr. Auch wenn es böse Strukturen gibt, so sind es doch immer wieder Menschen, die sich instrumentalisieren lassen.

Wo alles gehalten wird

Die Autobahnkirche stellt nicht nur architektonisch eine Ausnahme dar. Auch die Bilder- und Symbolsprache ist eine andere, wie wir sie aus der Tradition kennen. Und doch führt sie diese nahtlos fort und knüpft bei dem an, was wir kennen. Die vier Träger der Kirche werden durch die vier Evangelisten symbolisiert. Wurden früher die Apostel als diejenigen gesehen, die die Kirche tragen - in alten Kirchen sind es die Säulen im Kirchenschiff - so ist es jetzt das Evangelium. Emil Wachter und der Architekt Friedrich Zwingmann gehen somit an die Quellen der Verkündigung zurück.

Mirjam

Die Schwester von Mose und Aaron wird in der Tradition eher vernachlässigt. Ihre Brüder und besonders Moses stehen im Mittelpunkt des Interesses. Dabei geht auf sie eines der ersten Loblieder auf das Handeln Gottes zurück. Nach der Rettung der Israeliten am Schilfmeer, bei der die Ägypter vernichtet wurden, organisiert sie den Lobpreis: »Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her. Mirjam sang ihnen vor: Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer.« (Ex 15,20-21) Es ist der älteste Lobpreis auf Gott, der überliefert ist.

Zu Gott aufsteigen

Es ist in der christlichen Tradition ein beliebtes Motiv: Die Leiter oder Treppe in den Himmel. Seit dem Traum, in dem Jakob eine Leiter von der Erde zum Himmel sah auf der Engel auf und nieder stiegen, taucht die Himmelsleiter immer wieder auf. Auf dem Weg zur Vollkommenheit steigen Menschen immer weiter zu Gott auf. Auf diesem mühsamen und langwierigen Klettern bleiben Versuchungen nicht aus und viele scheitern, kommen nie oben an oder werden von der Versuchung in die Tiefe und ins Verderben gerissen. Aber der Weg zu Gott bleibt eine Leiter, der Weg zum Heil ist nach wie vor steil und vor allem mühsam.
In einem Weltbild, in dem Gott oben im Himmel wohnt, ist das Bild des Aufstiegs naheliegend, aber deshalb nicht gleich hilfreich. Denn das Ziel bleibt unklar, Gott ist trotz allem in eine unerreichbare Ferne gerückt. 

Hingabe

Es ist ein gängiges christliches Wort, aber was können wir uns darunter vorstellen und vor allem: Wie können wir zeigen, was wir damit meinen? Emil Wachter hat in der Krypta der Autobahnkirche einen Versuch gewagt. Ihm geht es in der Kreuzigungsszene um genau dieses Thema. Er hat das Kreuz auf den Querbalken reduziert, der von einer leeren Säule getragen wird. Das geneigte Haupt von Christus, umgeben von einem Heiligenschein und die beiden Hände, mehr braucht er nicht.

Wer ist ungläubig?

Ein Mensch, der nur schwer von der Wahrheit überzeugt werden kann, wird oft als der »ungläubige Thomas« bezeichnet und das ist dann als abwertende Bezeichnung gemeint. Den Ungläubigen muss man von der Wahrheit überzeugen, er ist im Unrecht. Und Thomas braucht ja auch die Überprüfung. Er glaubt nicht den Erzählungen seiner Freunde, sondern er möchte sich leibhaftig von der Auferstehung Jesu überzeugen. Wenn es um »Glauben« geht, dann ist Thomas das Paradebeispiel für einen Unglauben, den man ablehnen muss!

... wo er gelegen hat

Der Kern der christlichen Verkündigung ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Tod hat nicht das letzte Wort, es geht weiter. Es folgt die Auferstehung. Und da wird es schwierig. Wie können wir von etwas reden, für das wir keine Worte geschweige denn einen offensichtlichen Beweis haben? In den Evangelien werden zwei Arten gezeigt, wie die Jünger damals zum Glauben an die Auferstehung kamen: Es gab Erscheinungen des Auferstandenen und das leere Grab wurde gezeigt. In dieser Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir die zweite.

Die Haut zum Markt tragen

Der Apostel Bartholomäus taucht auch unter dem Namen Natanaël in den Evangelien auf. Möglicherweise handelt es sich um Natanaël Bar Tolmai, Sohn des Tolmai. Er spielt keine besondere Rolle, er gehört als einer der Zwölf, die Jesus in seinen Jüngerkreis berufen hat. Am Anfang des Johannes-Evangeliums wird von ihm erzählt: »Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!«

Mach aus diesen Steinen Brot

Die Versuchung Jesu kann uns nicht kalt lassen, denn wir spüren, dass wir tagtäglich ähnlichen Versuchungen - oder sollten wir eher Verlockungen sagen? - ausgesetzt sind. Dabei geht es in der ersten der drei Versuchungen, die im Matthäus-Evangelium berichtet werden, für uns weniger darum, satt zu sein. Satt sind wir und wir haben genug zu essen. Hunger ist bei uns meistens ein Luxusproblem, wenn wir aus irgendwelchen Gründen abnehmen wollen oder müssen. Für uns im reichen Norden kann es weniger um das Stillen des Hungers gehen. Das wäre die kurzfristige Lösung. Wenn es aber gelänge, aus Steinen Brot zu machen, wie es der Versucher von Jesus verlangt, dann müssten wir uns nie mehr Sorgen um unsere Versorgung mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln machen. Um diese Sorglosigkeit geht es bei diesem Fensterbild!

Ich seh' den Sternenhimmel

Der Blick zum Himmel in einer sternenklaren Nacht ist immer wieder beeindruckend. Wir werden gleichzeitig daran erinnert, wie großartig und unbedeutend wir Menschen doch sind. Und wir erkennen dann auch, dass der Blick nach außen immer auch den Blick nach innen öffnet. Der Philosoph Immanuel Kant sagt in der »Kritik der praktischen Vernunft«: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.« Er kann nur noch schweigen vor dem Blick, der sich ihm nach innen und nach außen bietet.

Um Gottes Willen

Die Bitte aus dem Vater unser: »Dein Wille geschehe« ist christliches Allgemeingut. Wie oft wird diese Bitte am Tag ausgesprochen, wie oft übergeben damit Menschen ihr Leben in die Hand Gottes, weil sie wissen, dass sie ihr Leben selbst nicht in der Hand haben. Aber was hat es mit dieser Bitte auf sich? Was bedeutet sie und wie können wir damit umgehen? Und wenn wir diese Selbstverständlichkeit einmal grundsätzlich hinterfragen? Was ist denn mit dem Willen Gottes gemeint? Wann geschieht dieser Wille? Das sind Fragen, auf die es keine endgültige Antwort geben kann, wir können nur darüber nachdenken.

Zaungäste

Wir mögen die Menschen nicht, die nur zuschauen wollen und im besten Fall noch ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen. Wir belegen sie mit entsprechenden Ausdrücken: »Gaffer« und »Spanner«. Wir sehen in ihnen zu Recht Menschen, die andere missbrauchen, um sich an ihrer Freude oder ihrem Leid genüsslich zu tun. Wenn dabei nichts passiert, ist es ja noch erträglich, aber wenn dadurch Hilfsmaßnahmen behindert oder Leid geschaffen wird, dann ist es mit jedem Verständnis zu spät. Wir fragen uns natürlich, wie Menschen dazu kommen. Wir müssen da wohl auch auf uns selbst deuten. Neugier kennen wir alle. Das ist eine Triebfeder, die uns dazu bewegt, anderen zuzuschauen. Es ist ja gut, vieles mitzubekommen, ohne selbst betroffen zu sein.

Hilf mir!

Auf der linken Seite zum Aufgang zum Hauptportal der Autobahnkirche sieht man eine ausgestreckte Hand. Sie sieht aus wie die Hand eines Menschen, der aus Angst vor dem Ertrinken um Hilfe schreit. Hilfe, Hilfe! Diese Geste kennen wir und hoffen doch, sie niemals in Wirklichkeit sehen zu müssen. Denn dann ist Hilfe gefordert. Diese Hand reckt sich den Menschen entgegen, die in die Kirche oder wieder von hier weggehen.  Für diejenigen, die in die Kirche kommen, ist es vielleicht ihre eigene Hand, die sie Gott entgegenstrecken. »Hilf mir, ich schaff es nicht alleine! Ich brauche dich jetzt!« Viele Menschen kommen mit dieser Einstellung in diese Kirche, weil sie sich gerade hier Hilfe erhoffen. Und viele haben diese Hilfe ja schon erfahren, sonst würde sie nicht wiederkommen. Wir wissen aber auch, wie oft die Hand vergeblich ausgestreckt und die erhoffte Hilfe nicht gefunden wurde.

Gottes Auge schaut dich an

»Ein Auge ist’s, das alles sieht, auch was in dunkler Nacht geschieht!« So wird der Blick Gottes auf die Welt und die Menschen seit Jahrhunderten gedeutet. Aus dem vormals positiven Bild, das betonen wollte, dass der Gerechtigkeit Gottes nichts entgeht, wurde das drohende Bild der moralischen Überwachung der Menschen. Das Auge Gottes blickt nicht mehr liebevoll, sondern streng und bestenfalls gerecht auf uns. Es gibt viele Beispiele, wie sich etwas, das gut gedacht war, ins Gegenteil verkehrt, spätestens dann, wenn sich Machtperspektiven ändern.

Überschwemmt

Wir wissen alle um die Bedeutung und um die Notwendigkeit des Wassers für das Leben. Aus dem Wasser kommt das Leben. Wir brauchen Wasser zum Überleben. So ist das Wasser zum Inbegriff des Lebens und des Lebenserhaltes geworden. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass das, was Leben spendet auch Leben bedroht. In der Sintflut wird das augenfällig. Gott vernichtet alles Leben auf der Erde durch Wasser! Menschen zu allen Zeiten haben diese Ambivalenz gespürt: das was Leben gibt, nimmt es auch wieder weg.
Wir können dieses Bild weiterspinnen, denn so hat es Emil Wachter am Noah-Turm an der Ostseite der Autobahnkirche auch getan. Für ihn stehen die Fluten, die Gott über die Erde schickt und die alles Leben vernichten, für die Ströme des Zeitgeistes.

Baum und Axt

Ein kleines Bäumchen und eine scharfe Axt. Es besteht kein Zweifel, um was es geht und wer als Sieger den Platz verlässt. Beides zusammen aber, der lebendige Bau und die Axt, sprechen von etwas, was noch nicht eingetreten ist. In der Verkündigung Jeus ist das Gleichnis von der Axt, die an den Baum gelegt wird, ein Bild für das bevorstehende Gericht. So verstanden werden wir mit diesem Bild in die Entscheidung gerufen.
Wie hältst Du es für Dich? Könntest Du mit deinem Leben, mit dem, was du tust und wie du bist, vor einem Gericht bestehen? Würde dich das Urteil der vollständigen Vernichtung treffen? Diese Fragen stellt uns Jesus, wenn er dieses Bild verwendet. »Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.« (Mt3,10)

Heiliger Zorn

Ein Mensch wird erschlagen - und das auch noch vorsätzlich. Und es ist ein Religionsstifter, der diesen Mord verübt. Im zweiten Kapitel des Buches Exodus wird es kurz beschrieben: »Eines Tages ging Mose zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.« (Ex 2,11-12). Eine Gewalttat, ein Mord für die gute Sache.

Woran hängt dein Herz?

Man könnte es ein prophetisches Bild nennen, das wir an der Südseite der Fenster in der Autobahnkirche sehen. Eine Hand hält einen Schatz hoch, etwas wertvolles, das nicht mehr verloren gehen soll. Worin besteht dieser Schatz? Emil Wachter lässt das Geheimnis offen, was es sein könnte. Für den heutigen Betrachter ist es aber eindeutig. Eine Hand hält ihren Schatz hoch, ich sehe darin ein Smartphone. Nicht, dass Emil Wachter die Entwicklung vorausgesehen hat, aber wenn man dieses Fenster mit unseren Augen betrachtet, kann man das darin sehen.
Wenn man bedenkt, wie wichtig diese Geräte in kürzester Zeit geworden sind, dann könnte man meinen, dass wir eine Grenze überschritten haben. Wir können uns ein Leben ohne diese Begleiter kaum mehr vorstellen, ja, wir wissen ja nicht einmal mehr, wie ein Leben ohne ständigen Anschluss an die weltweite Community geht.

Engel der Verkündigung

Wie oft wurde diese Szene der Verkündigung nicht schon dargestellt. Ob flämische Maler oder abstrakte Darstellungen, ob auf Bildern oder so wie hier als Relief, es wird versucht, etwas zu zeigen, was nicht zu beschreiben ist: eine Begegnung mit Gott.
Zur Zeit, als Lukas sein Evangelium schrieb, war eine direkte Gottesbegegnung nicht vorstellbar, ohne dass man diese mit dem Leben hätte bezahlen müssen. Doch haben Menschen immer wieder diese Erfahrung mit Gott gemacht - und überlebt. Das war nur deshalb möglich, weil man sich vorgestellt hat, dass Gott den Menschen nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübertrat, sondern dass die Botschaft Gottes von Engeln übermittelt wurde.

Hilfe gegen Gewalt

Hilflos sehen wir in Nachrichten, wie immer wieder kriegerische Gewalt das Leben von Menschen zerstört. Gegen militärische Macht ist kein Kraut gewachsen, diplomatische Bemühungen fruchten wenn überhaupt erst dann, wenn viel zu viel zerstört worden ist. Die späte Einsicht: Es ist nicht die Gewalt, die als letztes Mittel zur Lösung von Konflikten herangezogen wird, sondern das Gespräch. Vorher werden die militärischen Optionen ausgereizt.
Wie kann man der allgegenwärtigen Gewalt in unserer Welt begegnen?

Das dunkle Geheimnis Gottes

Wie kann man heute von Gott sprechen? Gibt es noch Bilder, mit denen wir das ausdrücken können, was wir unter Gott verstehen? Es ist schwer eine passende Ausdrucksform zu finden. Vielleicht hilft es, wenn man auf die traditionelle Bildersprache zurückgreift.
In der »christlichen Farbenlehre« steht Gold für das Göttliche. Überall dort, wo Gold auftaucht, ist Gott gegenwärtig. Heilige, die auf einen goldenen Untergrund gemalt werden, stehen in der Gegenwart Gottes. In alten Kirchen wird Gott mit zumindest vergoldeten Schnitzereien dargestellt und so darauf hingewiesen, dass Gott zugegen ist.

Lassen oder Tragen

Der Heilige Christophorus ist der Patron der Reisenden und damit auch Patron der Autobahnkirche. Auf ihn setzen Menschen ihre Hoffnung, wenn sie um eine gute Reise oder um den Segen Gottes auf ihrem Weg beten. In der Legende des Heiligen Christophorus ist dieser Glaube grundgelegt. Er trägt ein Kind, das er nicht kennt durch die Fluten des Flusses. Unterwegs wird es ihm immer schwerer, es kommt ihm s vor, als trage er die ganze Last der Welt. In der Mitte des Flusses steht ihm das Wasserbuchstäblich bis zum Hals. Ich stelle mir vor, wie er da mit sich kämpft. Soll er das Kind loslassen und das eigene Leben retten? Soll er weiter kämpfen und versuchen jeden Schritt so gut es geht zu setzen? Christophorus entscheidet sich für das zweite und er erreicht mit Mühe das rettende Ufer. Jetzt erst erfährt er, dass er Christus, den Herrn der Welt getragen hat.

Leben ist Begegnung

Menschen brauchen einander. Wir sind nicht zu Eremiten geschaffen. Am deutlichsten wird dies dadurch, dass wir darauf angewiesen sind, dass man mit uns spricht. Wir reden mit anderen und hören zu. Selbst wenn wir nicht so gesprächig sind, ohne Sprache können wir kaum mehr ausdrücken, was uns bewegt und wie wir einander brauchen.
Der menschlichen Rede voraus geht aber die Begegnung. Ich erkenne ein Gegenüber und trete mit ih in Kontakt.

Kraft bekommen

Mose soll den Kampf seines Volkes unterstützen. Gott sagt ihm zu, dass er den Kriegern seines Volkes helfen kann, wenn er mit ausgebreiteten Armen dasteht: »Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben ihn unter Mose, und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging.« (Exodus 17,12) Erst als ihm andere helfen und die Arme hochhalten, tragen die Israeliten schließlich den Sieg davon.

Die rettende Arche

Die Arche ist ein Motiv, das besonders Kinder anspricht. Es rührt Erwachsene an einer Seite an, an der wir ganz schnell mit dem Gefühl angesprochen werden. Die Botschaft der biblischen Geschichte ist eindeutig. Gott rettet den gerechten Noah mit seiner Familie und jeweils ein Paar von allen Tieren vor der Flut. Und Gott verspricht auch, dass es nie mehr eine Katastrophe solch vernichtenden Ausmaßes mehr geben wird. Sinnbild für dieses Versprechen ist der Regenbogen. So weit so gut. Das Bild der Rettung prägt sich ein, ebenso die Chance auf einen Neuanfang.

Zurück auf Anfang

Es tut immer wieder gut, wenn man sich auf die eigenen Wurzeln besinnt. »Wo komme ich her?« ist die erste Frage, von vielen. Am Ende sucht man die Antwort auf »Wer bin ich?«. Eine Antwort, die für immer gültig ist, findet man nicht, sie wird je nachdem, in welcher Situation man ist, unterschiedlich ausfallen. Nach der biblischen Urgeschichte steht am Anfang des Mensch-Seins das erste Menschenpaar Adam und Eva. Aus diesem einen Paar entwickelte sich - mit Rückschlägen - die heutige Menschheit. In diesen beiden war alles, was sich heute noch zeigt, grundgelegt. Eine Erklärung dafür, warum es so ist, wie es ist.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Viele Entscheidungen treffen wir aus der Angst heraus, dass wir etwas falsch machen. Bei dem Dichter Stefan Zweig findet sich sogar der Satz: »Wir entscheiden aus der Angst vor Schmerz.« Angst ist eine wichtige Triebfeder für unser Handeln, die oft unterschätzt wird. Manchmal gestehen wir sie uns auch nicht zu.
Der Prophet Elia hat auch Angst. So wird er von Emil Wachter am Elia-Turm dargestellt. Man erkennt sehr gut, was Angst aus dem Menschen macht: In sich gekrümmt, eingeschlossen in einem Raum, der keinen Platz zum Leben und Atmen lässt. Ein Mensch, der Angst hat, ist handlungsunfähig. Unsere Instinkte geben uns bei dem Gefühl der Angst auch einiges vor, was wir tun können.

Wenn Gott zu Besuch kommt

Wie kann ich zeigen, dass Gott bei mir ist? Es ist schwer auszudrücken, es sei denn, man hat Bilder oder Geschichten an der Hand, die das erzählen. So auch diese Abbildung am Abrahamsfries an der Autobahnkirche. Im Buch Genesis wird beschrieben, dass Gott in Gestalt dreier Männer zu Abraham und Sarah kommt. Traditionell werden sie als geflügelte Engelwesen dargestellt. So auch hier.

Gefährliches Feuer

FEUER! FEUER! Jede/r weiß, was zu tun ist, wenn dieser Ruf ertönt. Alle Hilfsmittel herbei, dass das Feuer gelöscht werden kann. Feuer ist gefährlich. Wir wissen um die zerstörerische Kraft des Feuers und versuchen, die Gefahr so gut wie möglich einzudämmen. Wir treffen Sicherheitsvorkehrungen, für den schlimmsten Fall gibt es Fluchttüren und -wege, überall liegen Löschdecken und hängen Feuerlöscher. Wir sind gewappnet! Ja, wir meinen, dass wir das Feuer im Griff haben.
Feuer ist auch ein Bild für den Heiligen Geist.

Löwengesicht

Schon sehr früh, als die Autoren der vier biblischen Evangelien namentlich festgelegt worden sind, war auch das Symbol für den Evangelisten Markus gefunden. Anscheinend steht er für die Ursprünglichkeit und die unbändige  Kraft, die dieses Evangelium ausstrahlt. An der Autobahnkirche hat Emil Wachter den »Löwen Markus« an den Sockel eines der vier Träger des Daches der Autobahnkirche angebracht. Die anderen drei werden selbstverständlich durch die Symbolgestalten der anderen drei Evangelisten gestützt.

Warten

Heute muss es schnell gehen. Dann hält es auf, wenn man warten muss. Ja, Warten müssen ist unangenehm. Sei es in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt, sei es im Wartezimmer beim Arzt, auf dem Bahnsteig auf den verspäteten Zug oder auch schon an der roten Ampel. Wenn wir warten müssen, verlieren wir Zeit. Warten passt nicht mehr in unsere Zeit. Wir sind auch ungeduldig, wenn wir auf die Erfüllung eines Wunsches warten müssen oder wir nicht gleich das tun können, was wir wollen.

Gotteserfahrung

Der Prophet Elia ist eine zwiespältige Figur aus dem Ersten Testament. Auch wenn ihm kein eigenes Buch zugeschrieben wird, gilt er doch als der größte Prophet im Alten Israel und wird als solcher bis heute verehrt. Er stand immer im Zwiespalt zwischen der weltliche und göttlichen Macht, er kannte die Verlockungen beider Seiten und musste sein Handeln und seine Überzeugungen immer wieder auf den Prüfstand stellen. Er war sich seiner Sache nie ganz sicher.

Zugeschlagene Türen

Noah schließt die Türen der Arche und macht sich auf die lange Fahrt, um seine Familie und jeweils ein Tier jeder Gattung zu retten. Ihn soll die Flut nicht vernichten und das Leben auf der Welt soll weitergehen. So hören wir die Botschaft aus dem Buch Genesis. Diese Geschichte wird meist als Rettungsgeschichte und sie ist es ja auch. Doch da ist auch eine andere Dimension. Rettung für ein paar wenige und Tod und Vernichtung für die meisten anderen. Und das, weil sie nicht nach den Geboten Gottes gelebt haben? Da regt sich Widerspruch, dieses Vorgehen widerspricht unserem Gerechtigkeitsempfinden.

Engelsflügel

Wie können wir von einer anderen Wirklichkeit reden, zu der wir vielleicht einen Erfahrungszugang haben, für die uns aber die Worte fehlen? Die Menschen standen immer wieder vor dieser schier unlösbaren Aufgabe. Konkret gesprochen heißt das: »Wie können wir von Gott in menschlicher Sprache reden, wo uns jegliches Wissen fehlt?«

Brennende Erfahrung

Eine Naturerscheinung, die er sich nicht erklären konnte machte Mose neugierig. Er sah einen Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte. Diese Entdeckung  machte ihn zu einem anderen Menschen. Für ihn fand eine Erfahrung statt, die er als Erfahrung Gottes berichtete. Gott offenbarte sich ihm und gab ihm den Auftrag, das Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien und in das Gelobte Land zu führen. In diesem brennenden Dornbusch sehen wir die Geburtsstunde einer Religion. Mose erfährt nicht nur die reale Gegenwart Gottes, sondern er bekommt auch den Namen Gottes mitgeteilt: »JHWH - Ich bin da«. Wir sehen diese vier hebräischen Buchstaben an der Oberseite der Bildausschnittes vom Mose-Turm.

Judas, ein Verräter?

Grimmig blickt er drein, der Judas, wie ihn Emil Wachter in der Krypta der Autobahnkirche dargestellt hat. Grimmig und entschlossen, alles andere als sympathisch. Judas der Verräter, ist ja auch nicht sympathisch. Er hat laut den Evangelien Jesus mit deinem Kuss verraten und dafür dreißig Silberlinge kassiert (Mt 26,15). Für Verräter gibt es keine Gnade, es ist mit das Schlimmste, was man anderen Menschen oder Gemeinschaften antun kann. So wird auch Judas in einem Atemzug mit dem Verrat genannt und er gilt als der schlechteste Mensch, den man sich denken kann.

Ich will es anders

Protest, so heißt es, ist das Vorrecht der Jugend. Veränderungen werden meist durch Menschen angeregt. Das ist eine Erfahrung, die sich durch die Menschheitsgeschichte durchzieht. Aber wird dieser jugendliche Elan ernstgenommen? Und nehmen sich junge Menschen dabei immer auch selbst ernst? Trauen sie dieser Kraft, die in ihnen steckt?

Immer wieder Aufbrechen

Die Koffer sind gepackt, alle notwendigen Vorbereitungen sind getroffen, die Zeitung abbestellt, das Blumengießen organisiert. Jetzt kann es losgehen. Nach den ersten Kilometern dann die Frage, ob das Bügeleisen abgeschaltet ist. So oder ähnlich sieht mancher Aufbruch in den Urlaub aus. Wir fahren weg, um uns zu erholen. Wir tun dies in der Gewissheit, dass wir ja wieder zurück kommen werden. Deshalb ja auch die Sorge, dass alles so bleibt und in unserer Abwesenheit nichts passiert, das einen Wiedereinstieg nach dem Urlaub erschweren würde. Wenn wir in Urlaub fahren, dann gehen wir nur für eine kurze, überschaubare Zeit weg. 

Niedergetreten

Ein bedrückendes Bild und so aktuell wie eh und je. Brutal wird der Kopf eines Menschen mit einem Soldatenstiefel niedergedrückt. Keine Möglichkeit, sich zu wehren, keine Chance auf ein Entkommen. Dieses Bild steht für die Unterdrückungserfahrungen, die zu jeder Zeit in der Menschheitsgeschichte gemacht wurden. Und es fallen uns wahrscheinlich genügend Orte der Erde ein, in denen genau jetzt und heute Menschen niedergehalten und unterdrückt werden.

Aufsteigendes Gebet

Kirchen laden uns immer wieder ein, in der Stille zu verweilen und zu beten. Aber was ist »Beten« und wie geht das? Es sind verschiedene Formen überliefert und im Laufe unseres Lebens lernen wir auch unterschiedliche Weisen des Betens. Wir kennen das Sprechen von gelernten Gebeten, die dann herangezogen werden, wenn wir sonst keine Worte mehr finden. Wir sprechen mit Gott mit unseren eigenen Worten, und treten mit Gott in einen Dialog ein. Wir verharren in Stille vor dem Geheimnis Gottes und schweigen, äußerlich und innerlich. Es gibt noch viel mehr Formen des Betens. Allen gemeinsam aber ist eines: Wir können es nur schwer beschreiben, schon gar nicht in seiner Wirkung auf uns, unser Leben und unsere Welt. Wir hoffen, dass es etwas verändert.

Singvogel

Quelle: Norbert Kasper

Einer von vielen Vögeln, die wir am Glockenturm der Autobahnkirche finden. Und dieser Vogel singt nicht umsonst am Glockenturm. Sein Gesang verstärkt den Klang der Glocken und trägt die Botschaft hinaus in die Welt.
Das Glockengeläut ist ja wie der Gesang der Vögel am Morgen. Man kann sich ihm kaum entziehen. Haben Sie schon einmal gehört, wie der Gesang der Vögel erwacht, wenn es morgens hell wird, lange bevor die Sonne aufgeht?

Wenn Elefanten tanzen

Elefanten sind gemütliche und auf den ersten Blick schwerfällige Tiere. Man sagt ihnen nach, dass sie ein sehr gutes Gedächtnis haben und dazu noch ein hervorragendes Sozialverhalten. Aber dass sie tanzen, außer wenn es ihnen als artistisches Kunststück für die Zirkusaufführung beigebracht wurde?

Gott und Welt

Heute fragt man wohl nicht mehr wo Gott in der Welt vorkommt. Die Frage ist grundsätzlicher: Kommt Gott überhaupt in der Welt vor? Selbst gläubigen Menschen kommt ein klares Ja nicht leicht über die Lippen. Zuviel Elend und Leid ist in der Welt. Und nicht nur das. Es gibt viel Unheil, das von Menschen verursacht wird: Kriege und Gewalttaten. Terror und Ausbeutung beschäftigen uns die meiste Zeit. Die Medien sind voll davon. Kann man da noch von der Gegenwart Gottes in irgendeiner Weise sprechen?

Wer ist verflucht?

»Du hast kein Recht mehr, mit uns zu leben. Ich verfluche dich und alle Deine Nachkommen.« So oder ähnlich kann man den Fluch übersetzen, den Noah über seinen Sohn Ham und seine Kinder, darunter Kanaan, ausspricht. Ham hatte die Hilflosigkeit seines betrunkenen Vaters ausgenützt und sich an ihm vergangen. Seine Brüder haben ihrem Vater von der Untat erzählt, woraufhin Noah Ham und seine Familie verflucht.

Abram und Sarai

Ein Paar, einander in Liebe zugewandt, findet sich am südlichen Teil des Abrahamstores. Es stellt eines der berühmtesten Paare der Bibel vor: Abram und Sarah, wie sie sich in jungen Jahren lieben. Es ist ein bekanntes Liebespaar und doch eines, das in seiner Bedeutung für die biblische Heilsgeschichte immer wieder übersehen wurde.
Als Stammvater für die großen monotheistischen Religionen wird mit großer Selbstverständlichkeit Abraham genannt. Selten wird auch Sarah, seine Frau, als Stammmutter bezeichnet. 

Johannes, der Prophet

Der Na
me Johannes taucht zweimal im Zweiten Testament auf. Zum einen als Evangelist Johannes, dem das Johannes-Evangelium zugeschrieben wird und der auch die Apokalypse die die drei Johannesbriefe verfasst haben soll. Er hat eine eigene theologische Ausrichtung und wird im Evangelium als der Jünger bezeichnet, den Jesus liebte.

Lachen befreit

Es ist ein eher unscheinbares Bild, das uns am Johannes-Turm begegnet. Ja, und eines der vielen Gesichter, die Emil Wachter in Beton gegossen hat. Verschmitzt schaut es aus einem Spalt im Beton heraus, man kann es nicht ganz erkennen, man sieht nur das, worauf es ankommt. Ein lachender Mund und damit verbunden zwei strahlende Augen. So haben sich früher oft auch Künstler anonym mit einem Selbstbildnis in ihr Werk eingebracht.

Farbe des Lebens

Wohl kaum eine Farbe löst so viele Emotionen aus wie die Farbe Rot. Rot ist gefährlich, mit rot weisen wir auf Gefahren hin. Dort, wo Leben bedroht sein kann, warnen wir mit roten Hinweisen. Wir sind ganz wach, wenn etwas in rot aufscheint. Rot zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
Rot ist auch die Farbe der Liebe, das Feuer der Liebe brennt. Nicht zuletzt ist es das rote Herz, das innige Gefühle ausdrückt, die wir für andere empfinden. Und wenn es rote Rosenblätter regnet, dann haben zwei Menschen auf der Basis der Liebe ihren Bund fürs Leben geschlossen.

Sich am besten verdrücken

Bis zu diesem Punkt verlief das Treffen der Aktionsgruppe ja ganz gut. Wir waren uns sehr schnell einig, was getan werden musste. Doch jetzt wird die entscheidende Frage gestellt: »Wer macht das?« Auf einmal sind alle still, keiner wagt sich vor. Man hofft darauf, dass sich jemand meldet. Jeder weiß, was es bedeutet, eine Aufgabe zu übernehmen, jeder hat Angst, vor der zusätzlichen Belastung, vielleicht allein dazustehen und um Unterstützung zu bitten. Am liebsten will sich jeder verdrücken. Das Anliegen ist ja wichtig, aber ich kann das jetzt nicht auch noch bewerkstelligen.

Weinstock und Kreuz

In der Bibel steht der Wein und der Weinstock mit seinen Blättern und den Trauben für die Freude am Leben, für Lebendigkeit, Glück und Wohlstand. Wer Wein trinken kann, dem geht es gut. In der christlichen Tradition wird nicht zuletzt durch das Wort Jesu aus dem 15. Kapitel des Johannesevangeliums die Verbindung zu Jesus Christus gezogen: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, nur der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.« (Joh 15,5).

Stern von Betlehem

Über den Stern von Betlehem ist schon viel geschrieben worden, und es gibt mehr als eine Theorie, was dieses Naturwunder oder göttliche Zeichen gewesen ist. War es eine besondere Planetenkonstellation oder eine explodierende Supernova oder ein Komet, der die Erde heimgesucht hat? Es ist nicht eindeutig zu klären, ob der Stern von Betlehem eine natürliche Ursache hat. Und es bleibt ja noch die Vorstellung, dass Gott ein besonderes Zeichen gewirkt hat, um auf die Geburt von Jesus hinzuweisen. 
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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