Bilderweltarchiv 2023

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Und Gott wird Mensch

Im Weihnachtsfenster an der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir eine unübliche Krippendarstellung: Ein Kind liegt auf Heu und Stroh, aber wir sehen keine Krippe, Maria und Josef stehen oder knien nicht daneben, keine Hirten oder Weise kommen zur Anbetung, lediglich ein Esel schaut herein, selbst der obligatorische Ochse fehlt. Reicht das für die Krippe aus? Ja, natürlich! Emil Wachter beschränkt sich auf das Notwendige: Das in Windeln gewickelte Kind, mehr braucht es wirklich nicht. Da ist schon das Stroh eine Zugabe, auf die man verzichten könnte. In dieser Beschränkung sehen wir das, worauf es bei Weihnachten ankommt: Ein Kind kommt zur Welt und in diesem Kind wird Gott Mensch. Das sagt sich so einfach, aber was bedeutet es?

Ich will schweigen

Wir leben in einer ziemlich lauten Welt. Die meiste Zeit sind wir von Geräuschen umgeben. Waren es früher eher die Laute, die die Natur hervorgebracht hat, sind es jetzt zunehmend künstliche Geräusche von Geräten, Motoren, Radios und alle möglichen anderen Geräusche. Wir können fast schon von einer Geräuschverschmutzung sprechen. Wir selbst tragen zu dieser Inflation von Dezibel und Tönen bei, indem wir sehr viel reden. Da nimmt es nicht wunder, dass die Sehnsucht nach Stille immer größer wird und Räume gesucht werden, in denen ich Stille finden und vor allem auch mal schweigen kann. Die Sehnsucht nach Stille steht im Zusammenhang mit einem Bedürfnis, nicht reden zu müssen. 

Gott redet

In Heiligen Schriften ist oft die Rede davon, dass Gott oder verschiedene Götter zu den Menschen sprechen. Manchmal tun sie das direkt, dann wieder über himmlische Boten oder durch den Mund der Propheten. Besonders im Alten und Neuen Testament finden sich viele Geschichten, in denen göttliche Botschaften von Menschen wahrgenommen werden. So erfährt Mose von Gott den Namen in der Erscheinung des brennenden Dornbuschs, Josef werden im Traum von einem Engel göttliche Botschaften übermittelt. Die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes erfahren auf dem Berg Tabor durch eine göttliche Stimme, dass Jesus von Gott auserwählt worden ist. Das sind in der Regel knappe Erzählungen, in denen lediglich das Ereignis berichtet wurde, aber nicht, wie sich die Menschen, die diese Botschaften empfangen haben, darauf vorbereiteten. Es mag ja sein, dass wir die Rede Gottes plötzlich vernehmen und verstehen können. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass wir erst nach einem langen Übungsweg in der Lage sind, die göttliche  Stimme wahrzunehmen und zu deuten.

Lust am Weltuntergang

Wir Menschen sind Wesen, die gerne nach vorne schauen und deren Leben und Streben von Hoffnung geprägt ist. Da verwundert es dann doch, dass wir uns sehr gerne mit Fantasien beschäftigen, die sich um das Ende der Welt und allen Lebens drehen. Das mag daher kommen, dass wir heute in der Lage sind, unsere Welt selbst zu zerstören, aber auch in frühen Zeiten hat das Ende der Welt die Menschen immer wieder fasziniert. Sie haben sich Geschichten darüber erzählt, wie die Welt enden wird. Da ist dann von großer Verzweiflung und vielfältigem Schrecken die Rede, wir schaudern und können uns doch nicht abwenden. In der Gegenwart sind es dann Filme die zu Kassenschlagern werden, weil sie das Ende der Welt durch einen Meteoriteneinschlag, durch den Besuch von Außerirdischen oder durch andere Katastrophen ausmalen. Und wir schauen zu! 

Essen, um sich zu erinnern

Ritualisierte Mahlzeiten gehören bei uns zum Alltag. Bei Familienfesten und anderen Anlässen berufen wir uns auf alte Traditionen, die in der Familie oder der jeweiligen Kultur üblich sind. Mit diesen Ritualen schaffen wir uns so etwas wir Heimat und drücken die Verbundenheit untereinander aus, denn die, die da miteinander essen, wissen, worum es geht. Nicht selten werden zu solchen Anlässen auch Erinnerungen aufgefrischt und Gegebenheiten erzählt, die diese Bindung stärken. Beim gemeinsamen Essen erinnert man sich an das, was uns ausmacht. Oft werden dann ganz bestimmte Gerichte gereicht, das besondere Geschirr kommt zum Einsatz und man folgt besonderen Ritualen. Da ist der Schritt zur religiösen Qualität nicht weit.

Gott gesichten

Gott kann man nicht erkennen, denn Gott hat ja kein Gesicht und wir sollen uns kein Bildnis von Gott machen. So haben wir es gelernt. Aber wir geben Gott ein Gesicht, weil wir sonst nicht denken können, wer oder was Gott ist. Es ist einfacher, von Gott in menschlichen Kategorien zu denken und Gott mit einem Gesicht zu versehen, auch wenn das einengend für unsere Vorstellungen ist und Gott auf einen kleinen Teil dessen begrenzt, was möglich ist. Im Buch Genesis wird geschildert, wie Abraham Gott erkennt, als drei Männer zu ihm kommen: »1 Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der Herr. Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. 2 Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder 3 und sagte: »Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu Diensten!« (Genesis 18,1-3, Übersetzung Gute Nachricht) 

Heilige Geistkraft

»Im Namen des Vaters, und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft. Amen« So lautet, ein klein wenig verändert das christliche Glaubensbekenntnis. Es ist ein Bekenntnis zu Gott in drei verschiedenen Erscheinungsweisen. Ich verwende bewusst nicht den Begriff der Person, denn der ist heute missverständlich und auch sehr eingrenzend. Das gleiche gilt auch für den Begriff des Heiligen Geistes. Es sind verschiedene Möglichkeiten im Umlauf von ihm oder ihr zu sprechen. Im abendländischen Denken sprechen wir vom griechischen »pneuma« oder lateinischen »spiritus«, wenn wir Heiligen Geist meinen, vom Geist, der männlich ist. Im jüdischen Bereich ist von »ruach« die Rede, und die ist weiblich. Wenn Jesus den Heiligen Geist zugesagt hat, dann hat er wohl von der weiblichen Ruach, der weiblichen Stimme Gottes, gesprochen. 

Der Mörder eines Mörders

An der Nordseite des Noah-Turm sehen wir Tubal-Kain. Emil Wachter schreibt dazu: »Tubal-Kain, der Kain tötete.« Im Buch Genesis wird nichts dergleichen berichtet, auch nicht in anderen biblischen Überlieferungen. Wir wissen, dass Kain durch das Kains-Mal davor geschützt sein sollte, umgebracht zu werden. Der Mörder hat so einen gewissen Schutz genossen, vor allem vor der Blutrache, bei der sich die Zahlen der Opfer immer weiter hochschaukelte. Doch auch er findet einen gewaltsamen Tod durch einen seiner Nachkommen. In einer jüdischen Legende werden wir fündig: »Die jüdische Aggadah lehrt, dass Lamech im Verlauf seines Lebens blind wurde und ihn sein Sohn Tubal-Kain bei Bedarf herumführte. Eines Tages gingen die Beiden auf die Jagd und Tubal-Kain sah von Weitem ein Tier, was erlegt werden sollte. Allerdings handelte es sich um kein Tier, sondern es war Kain. Fälschlicherweise sagte Tubal-Kain seinem Vater, er könne den Pfeil abschießen und das Tier erlegen. Lamech schoss und tötete Kain.«

Was Propheten zu sagen haben

Ein nachdenklicher Mensch, den wir an der Südseite des Elia-Turmes sehen. Es ist einer, der vom Propheten angesprochen wurde und jetzt auf der Suche nach der richtigen Antwort ist. Vorher hat er aber auch zu klären, ob dieser Prophet glaubwürdig ist und er seinen Worten trauen kann. Wir haben heute ein von der Bibel geprägtes Bild von Propheten. Wir sehen in ihnen diejenigen, die das Wort Gottes verkünden, die den Menschen und vor allem den Herrschenden ins Gewissen reden und für die gerechte Sache eintreten. Doch es gibt auch andere Propheten, denen wir nicht so leicht Glauben schenken. Am jüdischen Königshof gab es die sogenannten Hofpropheten, die vom König bezahlt wurden, um den Willen Gottes zu erraten und die Zukunft vorherzusagen. Ob deren Aussagen wirklich immer glaubwürdig waren oder nicht den eigenen Interessen gedient haben? »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!« sagt das Sprichwort. 

Zukunft möglich machen

Es gibt Situationen, in denen weiß man nicht mehr, wie es weitergehen kann. Man zweifelt daran, ob es überhaupt noch eine Zukunft gibt. Das Buch Exodus im ersten Testament beginnt mit solch einer mehr als aussichtslosen Situation. Das Volk der Israeliten wurde von den Ägyptern versklavt, ihre Lebensmöglichkeiten mehr und mehr eingeschränkt. Die Knaben sollten noch als Neugeborene getötet werden, damit das Volk selbst nicht mehr überlebensfähig war. Das war der Punkt, an dem die Kreativität einsetzte. Wenn es um die Zukunft geht, sind Menschen zu Leistungen fähig, die ihnen kaum jemand zugetraut hat.  Eine der Hebräerfrauen bringt einen Sohn zur Welt und versteckt ihn. Als das nicht mehr möglich war, legte sie ihn in ein Binsenkörbchen in den Nil, das von der Tochter des Pharao gefunden wurde. 

Bichöfliche Würden

Was macht man mit dieser Darstellung an der Mose-Treppe in der Autobahnkirche? Es löst bei mir die Assoziation zu Mitra und Bischofsstab aus. Ich kann da auch eine Brücke zum Abstieg in die Krypta sehen. Denn wer hinabsteigt, kommt zu dem, was Halt gibt und was Stand verleiht. Das sollte nach meinem Verständnis das Bischofsamt sein. Das Wort Bischof leitet sich vom altgriechischen Epikopos ab, was ursprünglich Aufseher, Hüter, Schützer und ähnliches bedeutete. Es war die Aufgabe eines Bischofs, einen bestimmten Bezirk zu verwalten, die Gemeinden zu organisieren und darauf zu achten, dass die Traditionen in rechter Weise weitergegeben wurden. 

Verhandlungsgeschick

Wie setzt man die eigenen Interessen durch? Das geht wenn einem der angerichtete Schaden gleichgültig ist, ganz einfach mit Gewalt. Da gibt, wenn überhaupt nur einen Gewinner. Die moderne Politik versucht es auf andere Art und Weise. Auch in der Geschichte wurde eher nach einer friedlichen Lösung gesucht. Dabei gab es Menschen, die ein besonderes Geschick an den Tag gelegt haben, in Gesprächen gute Lösungen für alle Seiten zu finden. Solche Gesprächsrunden sind der Platz der Diplomaten. Sie sprechen und handeln, sie machen Angebote und sprechen Drohungen aus. Dabei sind sie nicht nur auf ihre Sprache angewiesen, sondern sie wissen auch um die Bedeutung von Symbolen, der Mimik und die Gesten, die sie einsetzen. 

Sie weiß, was sie will

Mehrfach taucht am Johannes-Turm das Bildnis einer Frau auf, die zwar nicht häufig im Evangelium genannt wird, die aber doch geschickt die Fäden der Macht zu spinnen weiß. Emil Wachter zeigt Herodias, die Frau des Herodes als eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Durch ihre Intrige gelingt es, Johannes gefangenen zu nehmen und zu töten. Sie lässt ihre Tochter Salome vor Herodes tanzen. Sie soll sich als Belohnung für diesen Tanz den Kopf des Täufers erbitten. Sie tut es und Johannes wird getötet. Herodias steht im Schatten ihres Mannes, der in der Bibel als äußerst grausam geschildert wird. Er ist der Inbegriff des tyrannischen Herrschers. Aber Herodias steht ihm in Grausamkeit nicht nach. Sie nutzt ihren Einfluss auf ihren Mann, um Politik zu machen. 

Gott teilen

Wenn Christen untereinander das Brot brechen, dann bringen sie zum Ausdruck, dass sie ganz eng mit Gott verbunden sind. Das gemeinsame Mahl steht für die Gemeinschaft mit Gott. Im Leib Christi teilen sie miteinander das Brot, das für sie zum Brot des Lebens wird. Aber nicht nur das Teilen ist wichtig, sondern auch das Essen. Sie nehmen Gott in sich auf, nachdem sie Gott geteilt haben. Jede und jeder tut das, die Gemeinschaft wächst so zusammen und jeder für sich hat Gott in sich. Es klingt auf den ersten Blick etwas eigenartig, aber der Grundgedanke, dass alle Teil an Gott haben, hat einen ganz besonderen Charme. 

Wer von Gott geliebt ist

In der Welt der Mythen und Märchen geht es niemals gerecht zu. Wir kennen die Geschichte von Kain und Abel, Kinder des ersten Menschenpaares, die von einer großen Ungerechtigkeit erzählt. Beide opferten von ihren Erträgen, Abel als Hirte ein Tier, Kain als Bauer opferte von seinen Feldfrüchten. Beide erhofften sich mit ihrem Opfer, die Gunst Gottes zu erlangen. Ohne dass ein Grund genannt wird, freut sich Gott über das Opfer von Abel, das von Kain missachtet er. Diese Nichtbeachtung ist der Grund dafür, dass Kain seinen Bruder Abel erschlug. So ist der erste Mord geschehen und die Menschheit hatte selbst ihre Unschuld verloren. Doch eine Frage stellt sich: Wie erlangt man die Gunst Gottes? 

Rebellen waren einmal jung

Wenn heute Biographien geschrieben werden, dann wird der Kindheit und Jugend der betreffenden Personen großes Augenmerk geschenkt. Was hat sie geprägt, dass aus ihnen das werden konnte, was sie waren? Welche Eigenschaften wurden vererbt, was haben sie durch Erziehung gelernt? Was war Talent? Ob das jetzt Menschen waren, die künstlerisch tätig waren oder Geschichte geschrieben haben, ist dabei nebensächlich. Kindheit und Jugend sind prägend. Sie stellen die Weichen für die Zukunft.  An der Mosetreppe sehen wir eine Darstellung eines jungen Mannes. Es könnte der junge Mose sein, der sich noch ausprobieren muss. Er hat seine Bestimmung noch nicht gefunden. In diesem Flachrelief sehen wir den jungen Mann, der ernst und entschlossen ist, aber noch nicht so recht weiß, wohin es gehen wird. 

Der erste Europäer

Mythen beschreiben in der Regel keine Geschichte, so wie wir sie kennen. Sie geben Antworten darauf, warum etwas so ist, wie es ist. Das sind dann eher philosophische Erklärungsversuche, die aus der Beschäftigung mit der Welt um uns herum entspringen. In der Noah-Erzählung tauchen verschiedene Mythen auf, unter anderem eine Antwort darauf, warum es einen Regenbogen gibt. Mit den Söhnen Noahs werden in dieser Erzählung die Völker der Erde mit ihren jeweiligen Stammvätern benannt. Ihre Herkunft bezieht sich dann auf den, der am Anfang stand, in diesem Fall Noah. Warum haben sich die Menschen ausgebreitet? Weil die Söhne Noahs, Sem, Cham und Jafet sich die Länder der Welt aufgeteilt haben. Jafet bekam das Gebiet nördlich des Landes Israels zugewiesen und ist damit der Stammvater all derer, die im Norden siedeln, unter anderem auch die Europäer. 

Antworten finden

Es ist immer schwer, die Botschaft der Propheten in der jeweiligen Zeit zu verstehen. Wenn man den Verlauf der Geschichte kennt, fällt das leichter. In der Zeit, in der diese Worte gesprochen werden, treffen sie meist auf Unverständnis. Sie stellen die normalen Verhältnisse in Frage und stoßen die Menschen vor den Kopf. Herrschende werden angegriffen und ihr Machtanspruch  angezweifelt. Aus der historischen Betrachtung stellt sich dann oft heraus, dass die prophetische Botschaft richtig war und die »normalen Verhältnisse« im Unrecht gewesen sind. Doch das hilft den Propheten zu Lebzeiten wenig, denn sie wurden abgelehnt und hatten keine Chance auf ein normales Leben oder an der Teilhabe am Leben der Mehrheit.

Im hohen Rat

Ernst blickt er drein, der Ratsherr an der Mose-Treppe in der Autobahnkirche. Es sieht aus wie ein Porträt, das in einer Ahnengalerie oder an der Wand der Amtsträger hängen könnte. Es ist eines der Bilder, die von sich Würde und Erhabenheit ausstrahlen. Dazu trägt nicht nur der ernste und entschlossene Gesichtsausdruck bei, sondern mehr noch die Kleidung samt dem Barett auf dem Kopf. Solche Würdenträger gab es zu allen Zeiten. Sie verstanden es immer, sich ihren Zeitgenossen in Erinnerung zu bringen und den Nachkommen im Gedächtnis zu bleiben. Es ist müßig, sich Gedanken darüber zu machen, wer hier dargestellt ist, es geht vielmehr um einen Typ von Würdenträger, den wir hier sehen. 

Der gar nicht so stolze Pfau

So kennt man ihn gar nicht, den Pfau. Wir denken, wenn wir das Wort »Pfau« hören, an einen Vogel, der es gar nicht erwarten kann, sich in all seiner Pracht zu zeigen. Hier unterliegen wir aber unseren eigenen Vorstellungen, die wir auf die Tierwelt übertragen. Wir sprechen Tiere menschliche Eigenschaften zu. Ihr Verhalten erinnert uns daran, was wir als Menschen erleben und bei anderen beobachten. Doch das sind unsere Empfindungen und Wertungen und nicht die der Tiere. Der stolze Pfau ist es nur in unseren Augen.

Handlungsfähig

Der Wunsch eines jedes Menschen ist es, so lange wie möglich handlungsfähig zu bleiben und so wenig wie nötig auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein. Wenn man erst einmal seine Hände nicht mehr gebrauchen kann, zeitweilig oder auf Dauer, weiß man, wie schwierig das auszuhalten ist. Handlungsfähigkeit gehört zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Kultur. Ihr opfern wir so manches und nehmen viel in Kauf, damit es so bleibt. Ob das jetzt in der Vorsorge ist oder in therapeutischen Prozessen, immer wieder geht es darum, möglichst schnell und umfassend wieder ins Handeln zu kommen. Wir machen dies nicht nur sinnbildlich an der Hand fest, denn mit den Händen beweisen wir unsere Handlungsfähigkeit. 

Entschieden und klar

Wer ist dieser junge Mann, den wir an der Mosetreppe an der linken Seite sehen, wenn wir in die Krypta hinabsteigen? Schwer zu sagen, wen dieses Flachrelief darstellt. Es könnte einer aus der Führungsriege der geflohenen Israeliten sein. Da stelle ich mir vor, dass es Josua sein könnte, der als Feldherr und Vertreter von Mose das Volk anführt. Ob er das jetzt ist, oder nicht, das ist nicht wichtig. Auf die Haltung, die dieser Mann ausstrahlt, kommt es an. Die ist eindeutig und würde zu Josua passen. Er schaut entschieden nach vorne, er blickt in die Krypta und zeigt den Weg, den die Besucher gehen sollen. So hat er auch dem Volk Israel den Weg gewiesen und ging ihnen bei der nicht immer friedlichen Landnahme in Kanaan voraus. Es ist diese Klarheit, die beeindruckt.

Glücklich davongekommen

Diese Frau am Noah-Turm strahlt. Sie hat allen Grund dazu. Nur ein paar wenige Auserwählte haben die große Flut, die über die Erde gekommen ist, überlebt. Sie steht jetzt in der Reihe der Tiere und all derer, die sich über ihren zweiten Geburtstag freuen können. Dabei hat sie nur Glück gehabt. Wenn man der biblischen Erzählung folgt, dann wurde sie nur gerettet, weil sie eine Familienangehörige des Noah gewesen ist. Noah war der Gerechte, der von Gott gerettet werden sollte und damit auch alle, die zu seinem Hausstand gehörten. Doch reicht es auch, wenn man nur mit Glück überlebt hat? Fängt das schwierige Leben vielleicht jetzt erst richtig an? 

Angst und Sehnsucht

Menschen haben Angst vor dem, was ihnen im Leben widerfahren kann. Mit der Angst werden uralte Instinkte aktiviert, die früher das Überleben gesichert haben, heute aber oft das Gegenteil bewirken. Man weiß, dass Handeln, das von der Angst geleitet wird, selten zu nachhaltigen Ergebnissen führt und vorhandene Probleme eher verschärft, als dass sie gelöst werden. Das Besondere bei Ängsten ist, dass sie nicht einfach verschwinden. Sie sind da und lassen sich selten effektiv bekämpfen. Die Frage ist dann nicht die, wie wir die Ängste beseitigen, denn das können wir nicht. Eher geht es darum, diese Ängste zum Thema zu machen und zu lernen, gut mit ihnen umzugehen.

Verzweiflung, Wut und Angst

Wie reagieren wir auf schlechte Nachrichten, wenn unser Leben bedroht ist? Wir kennen verschiedene Phasen. Da ist beispielsweise das Nicht-Wahrhaben-Wollen, dann die Verzweiflung. Wut gehört dazu und das Erschrecken über das Unvermeidbare. Man kommt auch einmal zu dem Punkt, an dem man - notgedrungen oft - sein Schicksal akzeptiert und sich mit dem Unvermeidbaren abfindet. Doch das ist ein langer Weg. Auf jeden Fall braucht es immer eine lange Zeit der Auseinandersetzung, innerlich und im Gespräch mit anderen Menschen. Eines ist sicher: Eine perfekte Antwort gibt es nicht, jeder Mensch muss sie für sich finden und den je eigenen Weg durchlaufen, bei dem der eine oder andere Schritt ausfallen kann, bei dem man manchmal für einen Schritt sehr lange braucht. Am Johannes-Turm hat Emil Wachter eine Frau dargestellt, die dieses Gefühlschaos leibhaftig ausdrückt. 

Mensch der Tat

Was unterscheidet den Mensch vom Tier? Früher war man schnell mit der Antwort und sagte: Der Mensch kann zielgerichtet handeln, er kann Pläne schmieden und sie entsprechend umsetzen. Diese Ansicht gilt landläufig immer noch, aber mittlerweile wissen wir auch, dass Tiere zu strategischem Handeln durchaus fähig sind und dass somit die Grenzen zwischen Mensch und Tier eher verschwimmen. Die Fähigkeit, unsere Hände zu gebrauchen, ist ganz wichtig. Nicht umsonst sprechen wir ja von Handlungen. Das zeichnet uns Menschen aus, dass wir Taten verrichten können und über diese nachdenken und sie auch bewerten können. Wenn wir das tun, dann verwirklichen wir das, was in unserem Programm grundgelegt ist. 

Zugvogel

Vögel tauchen in der Bilderwelt der Autobahnkirche immer wieder auf. Die meisten sitzen, ein paar wenige sind im Flug. So auch an der Mosetreppe zur Krypta an der nördlichen Wand. Es ist ein Vogel der unterwegs ist, er fliegt. Da liegt die Vermutung nahe, dass es ein Zugvogel ist, der weite Strecken zulegt, um die Jahreszeiten an unterschiedlichen Orten zu verbringen. Aus Sicht derer, die diese Vögel kommen und gehen sehen, ist ihre Heimat hier, in die sie zurückkehren, wenn es wieder wärmer wird. Aber das ist wie so oft eine Frage der jeweiligen Perspektive. Zugvögel haben keine feste Heimat, im besten Fall sind es zwei Orte, aber es ist schwer zu sagen, wo sie jetzt wirklich hingehören. Selbstverständlich sind sie an beiden Orten Zuhause, Aus Sicht der Sesshaften sie haben etwas Heimatloses an sich, das sie zu Zugvögeln macht, das sie zwingt, immer wieder hin und her zu pendeln. Sie gelten als unstet.

Geschönte Kante

Die Wände der Autobahnkirche und besonders die der Krypta sind aus hartem, unnachgiebigem Beton. Da kommt es zwangsläufig auch zu Kanten und Ecken, an denen man sich heftig stoßen kann. So ein Stoß ist schmerzhaft. Kanten lassen sich nicht vermeiden, wenn man sich nicht für einen Bau entscheidet, an dem alles gerundet ist. Die Kanten im Beton sind besonders scharf, zum Teil sogar so spitz, dass schon ein leichter Stoß ausreicht, um sich zu verletzen. Emil Wachter ist sich dieses Problems bewusst gewesen und hat versucht, Ecken und Kanten zu verschärfen. Das ist ihm mehr als gelungen. Scharfe Kanten lassen sich nicht vermeiden. Das einzige, was er tun konnte ist, dass er sie immer wieder aufgebrochen hat. Da setzt sich ein Muster auf der anderen Seite des Ecks fort, so dass eine Kante nicht mehr einheitlich ist. Sie wird ungenau, sogar unfassbarer, man weiß nicht mehr so recht, wo sie verläuft. Die gebrochene Kante besteht aus Beton und es wird für noch mehr Schärfe gesorgt. Was schön aussieht, das kann weh tun. 

Welt richten

In alten Kathedralen ist am Portal, das nach Süden zeigt, oft das Weltgericht dargestellt. Meist so dass Jesus als Richter, über die Welt zu Gericht sitzt und über die Menschen urteilt. Die einen bekommen den Himmel zugesagt, die anderen werden in die Hölle verbannt. Dieses zweigeteilte Weltbild haben wir Gott sei Dank überwunden. Wir sehen unser Leben hier auf der Erde nicht als Vorstufe für den Himmel, als eine Bewährungszeit, die darüber entscheidet, wie wir die Ewigkeit, was immer das auch ist, verbringen werden. Aber das Bild eines Richters der Welt und unseres Lebens hat eine tiefe Bedeutung für uns. 

Menschengemachte Katastrophe

Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wird es mehr und mehr bewusst, dass wir Menschen in der Lage sind, unseren Planeten zu zerstören. Zum einen mit Waffen in einer kriegerischen Auseinandersetzung, aber auch schleichend durch unseren Umgang mit Technik und den natürlichen Ressourcen. Wurde in früheren Zeiten immer nur ein kleiner Teil der Erde zerstört, der sich meistens langsam erholen konnte, ist die Moderne davon geprägt, dass global zerstört wird und so unwiederbringliche Güter, Pflanzen und Tiere der Erde verschwinden. 

Ich bin es nicht wert

Als Johannes der Täufer am Jordan predigte und taufte, wurde er immer wieder gefragt wird, ob er der Messias sei. Mit solch einer Szene beginnt das Johannes-Evangelium: »24 Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer. 25 Sie fragten Johannes: ›Wenn du weder der versprochene Retter bist noch Elija und auch nicht der Prophet, warum taufst du dann die Leute?‹ 26 Johannes antwortete: ›Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht schon der, den ihr nicht kennt: 27 er, der nach mir kommt. Ich bin nicht es nicht wert, ihm die Schuhe aufzubinden.‹« (Johannes 1,24-27, Übersetzung nach Gute Nachricht) Die Darstellung von Emil Wachter am Johannes-Turm zeigt diese kurze Szene. 

Mit Drachen kämpfen

In der Literatur und im Film gehören Kämpfe mit Drachen zum größten, was beschrieben werden kann. In der Fantasy-Literatur kämpfen der Held oder die Heldin immer wieder gegen Drachen und bewähren sich dabei. Der Sieg über den Drachen wird zur Bestätigung eines Macht- und Herrschaftsanspruchs, der dann eingelöst wird. Oft ist der Sieg über den Drachen auch verbunden mit einer besonderen Gabe, beispielsweise Unverletzlichkeit, einem großer Schatz, einem besonderes Schwert oder der Gewinn einer Partnerin oder eines Partners. Wer mit Drachen kämpft ist mutig und stellt sich dem Unausweichlichen. Wer mit Drachen kämpft ist vorausschauend und im Kampf erfahren, denn ein Anfänger hat kaum eine Chance gegen einen solch mächtigen Gegner.

Hochgeflogen und abghoben

Dass die vier großen Träger, die das Gesamt der Autobahnkirche halten, an ihrem Fundament die vier Symbole der Evangelisten tragen, hat mehrere Gründe. Es ist zum einen das Evangelium, das die Kirche trägt und nicht die Menschen. Es ist das Evangelium, das nach außen in die Welt blickt. Es sind die vier Himmelsrichtungen, die die ganze Welt als Geltungsbereich festlegen und es sind die vier Tiere, die in der Apokalypse genannt werden: »6 Im Vordergrund war etwas wie ein gläsernes Meer, so klar wie Kristall. In der Mitte, in einem inneren Kreis um den Thron, waren vier mächtige Gestalten, die nach allen Seiten voller Augen waren. 7 Die erste sah aus wie ein Löwe, die zweite wie ein Stier, die dritte hatte ein Gesicht wie ein Mensch, und die vierte glich einem fliegenden Adler. 8 Jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, die innen und außen mit Augen bedeckt waren. Tag und Nacht rufen sie unaufhörlich: ›Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der die ganze Welt regiert, der war und der ist und der kommt!‹« (Offenbarung, 4,6-8-, Übersetzung Gute Nachricht)

Versteh doch endlich!

Es ist gar nicht so einfach, anderen etwas beizubringen und sie zu überzeugen. Wenn man selbst davon überzeugt ist und die Materie verstanden hat, dann kann es funktionieren. Doch es ist schwer, einem Menschen etwas begreiflich zu machen, was man selbst kaum richtig verstanden hat. Die Propheten im Ersten Testament wissen ein Lied davon zu singen. Johannes dem Täufer, dessen Geschichte im zweiten Testament ansatzweise beschrieben ist, ging es nicht anders. Trotz seiner Entschiedenheit und Ernsthaftigkeit, mit dem er seine Botschaft unter das Volk brachte, trotz seines rhetorischen Geschicks und seiner Körpersprache ist es ihm nicht gelungen, eine große Bewegung der Umkehr auszulösen. 

Tiere retten

Mit Bildern von Tieren lässt sich viel bewegen. Wenn es dann noch um Tiere geht, die aus großer Not gerettet werden, dann kennt die Unterstützung kaum Grenzen, wir fühlen mit den leidenden Kreaturen manchmal mehr mit als wenn Menschen leiden. Das liegt auch daran, weil in den Medien das Leid von Tieren gezeigt wird, es sich aber verbietet, Menschen in großem Leid zu zeigen oder gar in Todesgefahr. Die Nordseite des Noah-Turmes bei der Autobahnkirche ist den Tieren gewidmet, die die Katastrophe der Sintflut durch das Eingreifen Noahs überlebt haben. Neben den Menschen natürlich auch die Tiere. 

Wort, das wirkt

Diese eigenartige Darstellung finden wir an der Nordseite des Johannes-Turms. Emil Wachter hat sie neben ein Bildnis von Johannes, dem Täufer angebracht, der still und ruhig auf die Welt blickt. Man könnte darin eine Wolke und im Wind bewegte Luftmassen sehen. Sie stehen für das, was Johannes losgetreten hat. Seine Predigt, so zugespitzt sie auch war, hat etwas bewirkt. Sie hat ihn das Leben gekostet. Er hat die Menschen für das Wort Gottes geöffnet. Johannes hat die Welt verändert und seine Botschaft wirkt auch heute noch. Noch mehr als das, was er gepredigt hat, wirkt die Botschaft von Jesus, die wir als Wort Gottes bezeichnen. Auch dieses Wort ist wirkmächtig. 

Wem es die Sprache verschlägt

Am Johannesturm sehen wir eine Abbildung von Zacharias, dem Vater von Johannes, dem Täufer. Zacharias war Priester am Tempel in Jerusalem. Einmal verließ er den Tempel und  konnte nicht mehr reden. Was hat ihm die Sprache verschlagen? Er hatte eine besondere Offenbarung, ihm begegnete ein Bote Gottes. Er fand keine Worte mehr. Im Lukas-Evangelium wird das folgendermaßen erklärt: Der Engel verkündete dem hochbetagten Zacharias die Geburt eines Sohnes. Zacharias kann das nicht glauben.

Lass die Kerzen flammen

Wenn es dunkel wird und gemütlich sein soll, zünden wir gerne Kerzen an. Ein gewöhnliches elektrisches Licht tut es dann nicht mehr. Eine Kerzenflamme strahlt Wärme aus. Das sanfte Licht erhellt den Raum nur dürftig. Gleich haben wir die besondere Stimmung, die wir wollen. Wenn wir Kerzen anzünden, treten wir in unsere Wohlfühlzone ein. Wir setzen Kerzen bewusst ein, weil wir nicht mehr wie die Menschen im vorindustriellen Zeitalter auf Kerzenlicht angewiesen sind. Es ist für fast schon eine Flucht in die gute alte Zeit, wir kommen mit einer Sehnsucht in Berührung, die mit Heimat, zuhause, Geborgenheit und Schutz zu tun hat.

Mahl der Freien

Das Pessach-Mahl ist ein gemeinsames Essen, das eng mit der Identität der jüdischen Glaubensgemeinschaft verunden ist und eine Brücke zum christlichen Abendmahl herstellt. Es ist im Ablauf und bei den Zutaten fest geregelt. Aber es geht weder um das Mahl als solches, noch um das Rezept der Zubereitung, sondern um die Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten. Damit wird die Tat Gottes ins Gedächtnis gerufen, in der Gott sein Volk nicht in der Sklaverei lassen will. Er möchte es in das Land führen, dass er den Stammeltern versprochen hat. Bis heute hat es mit dem Aufbruch aus Ägypten zu tun.

Mit den Augen verführt

Wir sind hauptsächlich Augenmenschen. Die meisten Informationen über unsere Umwelt bekommen wir durch unseren Gesichtssinn vermittelt. Im Schauen lernen wir die Welt kennen und erkennen, was ist. Die Werbung macht sich das zunutze. Strategen wissen, wie sie uns ihre Botschaften vermitteln müssen, damit wir darauf anspringen. Jede und jeder weiß, wie empfänglich wir für ihre Botschaften sind. Wenn dann noch Bilder von Menschen eingesetzt werden, die uns verführen sollen, dann achtet man besonders auf die Augen. Wir sehen nicht nur viel mit unseren Augen, wir sehen auch auf die Augen der anderen. 

Kontrovers

An der Südseite des Elia-Turmes bei der Autobahnkirche sieht man einen Menschen, dem die Verwirrung nicht nur ins Gesicht geschrieben ist, sondern der auch körperlich nicht weiß, wo es langgeht. Seine Arme sind zwar nicht verschränkt, aber die Hände weisen in unterschiedliche Richtungen. Sie drücken die Verwirrung aus, der dieser Mensch ausgesetzt ist. Er weiß nicht mehr, was er glauben soll, er weiß nicht, wie es in Zukunft weitergeht. Kein Wunder bei der Botschaft, die von einem Propheten wie Elia verkündet wird. Elia war zu seiner Zeit umstritten, nicht nur unter den Herrschenden, sondern im ganzen Volk. Er legte den Finger in offene Wunden, er kritisierte den Götterkult, den die Königin Isebel eingeführt hat und dem ein anderes Glaubensbekenntnis zugrunde lag, als das der israelitischen Jahwe-Verehrung. 

Unbequem und verletzend

Johannes der Täufer, der auch als Vorläufer für Jesus bezeichnet wird, ist eine schillernde Persönlichkeit. Nicht nur, dass er auf Jesus hinweist und damit auch die religiösen und staatlichen Hoheiten seiner Zeit provoziert, er hat auch eine für alle Menschen unbequeme Botschaft. Emil Wachter stellt am Johannes-Turm mit einer Distel oder Dornenhecke diese Eigenschaft des Johannes dar. Johannes ist das von Anfang an, sogar schon in seiner Jugendzeit, für die diese Darstellung neben zwei anderen steht. Johannes ist ein Prophet und als solcher schon unbequem genug. Die Worte, die er sagt, verletzen, weil sie Selbstverständlichkeiten des Lebens in Frage stellen. Er fordert die Menschen aus seiner Umgebung heraus und holt sie aus ihrer Bequemlichkeit. 

Sonnengott

Welche Bilder verwenden wir für Gott? Wir sind ja darauf angewiesen, dass wir uns über das, über das wir nicht reden sollen und können, doch Gedanken machen und diese dann auch mitteilen müssen. Wir sind auf Bilder angewiesen, mit denen wir Unsagbares umschreiben können. Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, dass wir das Bild mit der Wirklichkeit verwechseln Wir müssen uns immer bewusst sein, dass die Wirklichkeit viel größer ist als das, was wir mit Worten und Bildern beschreiben können. Eines dieser Bilder für Gott ist das der Sonne. Jede Religion stellt eine Verbindung zwischen dem Göttlichen und der Sonne her.

Jesus oder Christus

Jesus gilt als Begründer der christlichen Religion. Doch wer ist er wirklich und vielleicht noch wichtiger: Wie sprechen wir von ihm? Es gibt eine wesentliche Unterscheidung, die sich im letzten Jahrhundert endgültig durchgesetzt hat. Wir sprechen von zwei Personen: Da ist zum einen der historische Jesus. Auf diesen gehen die Erzählungen aus dem Neuen Testament zurück, wie sie in den Evangelien berichtet werden. Doch schon diese erzählen wenig über die historische Person, denn sie wollen ja keine Geschichtsschreibung in unserem Sinn sein. Der historische Jesus ist eine Person, die im Dunkel der Geschichte verschwindet. 

Besinnungszeit

Der Prophet Jona ist eine schillernde Figur. Er hat viel von uns modernen Menschen an sich. Seinen Auftrag möchte er nicht wahrnehmen, weil er Angst vor der öffentlichen Reaktion hat. Er hadert mit seinem Schicksal, weil es ihn aus seiner Komfortzone herausholt, er ist bequem und mutig zugleich. Herausgehoben ist die Zeit, die er im Bauch eines Fisches verbringt. Es ist für ihn eine Zeit des Rückzugs, in der er im wahrsten Sinne des Wortes in sich gehen kann und zumindest für eine kurze Zeit, zur Besinnung kommt: »1 Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. 2 Dort betete er zum Herrn, seinem Gott.« (Jona 2,1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Nach dieser Zeit nimmt Jona seinen Auftrag an und wirkt als Prophet. Er hat diese Zeit im Bauch des Fisches gebraucht, um sich seiner Mission bewusst zu werden.

Die Ehre der Altäre

Altäre sind in unseren Kirchen eine Selbstverständlichkeit. Sie stehen meist an zentraler Position in der Mitte und die Bänke oder Stühle sind darauf ausgerichtet. In Gottesdiensten findet am Altar die zentrale Handlung statt. In der Autobahnkirche stehen zwei Altäre, ein großer in der Oberkirche, ein kleinerer in der Krypta, der der Mittelpunkt der Kirche ist. In der Fensterfront im Norden sehen wir auch einen Altar, der aus roten Ziegelsteinen gemauert erscheint. Ein Engel stellt darauf eine Schale mit Weihrauch ab. Wenn die Altäre noch so selbstverständlich sind, haben sie heute doch eine andere Bedeutung als sie es in früheren Zeiten hatten. Für den christlichen Gottesdienst gehörten sie nicht immer zum zentralen Element. Die frühen Christen kannten kein Opfer, keine Altäre und keine Priester, die das Opfer vollziehen sollten. 

Tanz auf dem Vulkan

Den Zustand einer Gesellschaft erkennt man oft daran, wie sie ihre Feste feiert. Dafür gibt es konkrete Anhaltspunkte: Wenn alle Bindungen reißen, alle Konventionen über Bord geworfen werden, wenn die Würde des Einzelnen nicht mehr zählt, wenn es nur noch um das reine Vergnügen einiger weniger geht, wenn alle Schranken fallen, dann spricht man von einer Orgie. Alle Regeln des gesunden Menschenverstandes werden über Bord geworfen, es findet Verschwendung und Ausbeutung statt, die Auswirkungen auf das menschliche und materielle Umfeld werden nicht mehr bedacht, weil einzig und allein das Vergnügen im Vordergrund steht. Die Darstellung einer Orgie an der Nordseite des Mosesturmes im Gelände der Autobahnkirche weist darauf hin. 

Wenn man es nur wüsste

Es ist ein eigenartiges Symbol, das man an der Südostecke am Mose-Turm sehen kann. Ein doppelter Kreis umschließt ein Kreuz. In jedem Feld sehen wir einen Halbkreis mit einem Punkt. Die Bedeutung erschließt sich nicht, auch wenn man den Zusammenhang betrachtet. Man sieht dann Mose, der sich auf den Boden wirft. Emil Wachter schreibt dazu: »Mose muss sich unterwerfen.« Das kann man aus der Haltung des Mose schließen. Aber unter was und wieso? Mose ist ein Mensch, der Selbstzweifel hat. Er hat mühsam gelernt selbstbewusst aufzutreten, einem ganzen Volk gegenüber zu treten, es zurecht zu weisen, ihm aber auch als wegkundiger Führer vorauszugehen. Er überbringt ihnen das Gesetz Gottes, er selbst wagt es, Gott »ins Gesicht zu schauen«. Er hat keinen Grund, sich kleinzumachen. 

Der Tanz ums goldene Kalb

Kaum eine Geschichte aus dem ersten Testament hat sich so stark als negatives Beispiel in unsere Bildersprache eingeprägt wie der Tanz um das Goldene Kalb. Dabei ist die Absicht, die die Israeliten in der Wüste verfolgt haben, mehr als verständlich: »1 Das Volk Israel hatte am Fuß des Berges auf die Rückkehr von Mose gewartet. Als er lange nicht kam, versammelten sich die Männer bei Aaron und forderten: ›Mach uns einen Gott, der uns schützt und führt! Denn was aus diesem Mose geworden ist, der uns aus Ägypten hierher geführt hat – niemand weiß es.‹ 2 Aaron sagte zu ihnen: ›Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern die goldenen Ringe ab, die sie an den Ohren tragen, und bringt sie her!‹ 3 Alle nahmen ihre goldenen Ohrringe ab und brachten sie zu Aaron. 4 Er schmolz sie ein, goss das Gold in eine Form und machte daraus das Standbild eines Jungstiers. Da riefen sie: ›Hier ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten hierher geführt hat!‹«

Taufe für den Retter

Mit der Taufe im Jordan beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Von Anfang war er umstritten und viele stellten sich die Frage, der wir, zweitausend Jahre später, auch nicht ausweichen können: »Ist Jesus wirklich der, der kommen soll? Ist Jesus der Sohn Gottes?« Auf diese Frage muss jede und jeder seine eigene Antwort finden. Ein Hinweis kann die Darstellung am Johannes-Turm bei der Autobahnkirche geben: Wir sehen Jesus im Wasser stehen, das ihn wie eine Decke einhüllt. Von oben treffen ihn Strahlen. Dazu kommt das Zeugnis des Täufers, zu dem Jesus an den Jordan gekommen war.

Mit Vollmacht

»Macht macht korrupt!« »Macht verdirbt die Menschen!« So oder ähnlich hört man es immer wieder und ein Blick in die Geschichte gibt uns recht. Das Streben nach Macht und imperiale Ausdehnung der eigenen Macht war einer der größten Antriebe der Menschen und hat sicherlich schon viel Unheil und Leid über die Menschheit gebracht. Vielleicht ist es dieses Streben nach Macht, die für das Unglück verantwortlich zu machen ist. Doch wir streben nach Macht, weil wir über uns und unser Leben bestimmen wollen. Das können wir nur, wenn wir auch ein gewisses Maß an Macht besitzen. Im Matthäus-Evangelium wird in der Versuchungsszene Jesu die Macht über die ganze Welt, den ganzen Kosmos angeboten, er aber lehnt ab, weil ihm diese nicht zusteht, sondern allein Gott. Uns stellt sich da die Frage, wie wir mit Macht umgehen.

Vom Chaos zur Ordnung

Wie erleben wir unseren Alltag? Ist er eher geordnet oder doch durch und durch chaotisch? Wir wünschen uns Ordnung, wir versuchen das zu verwirklichen, was wir unter Ordnung verstehen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Diese Unverfügbarkeit der beiden Prinzipien Ordnung und Chaos und die Zufälligkeit, der wir ausgeliefert sind, drängt uns dazu, über Religion und Spiritualität eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Religion schenkt mit ihren Traditionen und Ritualen eine gewisse Ordnung. »So wie jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit!« Lautet der Leitspruch. Spiritualität schenkt die Gelassenheit, auch mit Durcheinander und Ungeklärtem leben zu können. Hier heißt es eher: » Es ist gut so, wie es jetzt gerade ist.« Oder: »Es ist so, wie es ist!«
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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