Der Prophet trägt seinen Namen voller stolz, weil er den Namen Gottes beinhaltet. »Mein Gott (ist) Jahwe«, so wird der Name Elia übersetzt. IA steht als Kurzform für »Jahwe«, den Namen, den Gott dem Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hat: »Ich bin da«. Eine Name, der gleichzeitig eine Verheißung ausspricht. Im Falle des Propheten wird aus dieser Verheißung eine Verpflichtung und ein Bekenntnis. In einer Zeit, in der in Israel große Unsicherheit herrschte, welche Götter nun verehrt werden sollen, tritt Elia auf. Er steht kompromisslos für den einen Gott ein und sagt mit seinem Namen gleich wofür er kämpft.
Bilderweltarchiv 2019
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Geburtsleuchten
Sterne gehören zu den Weihnachtssymbolen wie der Weihnachtsbaum und die Krippendarstellungen. Wir umgeben uns mit Sternen in allen Formen und zünden auch gerne Kerzen an, um diese kleinen Lichter in der Dunkelheit wirklich und symbolisch leuchten zu lassen. Das kommt nicht von ungefähr. Selbst in anderen religiösen Traditionen ist das Fest der Wintersonnenwende meist ein Lichterfest. Das ist nicht verwunderlich, denn wenn die Nächte lang sind, hilft am ehesten ein Licht dagegen. Im alten Rom wurde das Fest des Jupiters gefeiert, des Sol Invictus, des unbesiegten Sonnengottes gefeiert. Als das Christentum zur Staatsreligion wurde, wurde dieses Sonnenfest auf Jesus Christus umgedeutet, ist er doch das Licht Gottes, das in die Welt gekommen ist.
Mein Gott
Die beiden Buchstaben, die man in der Spitze des Elia-Turmes sieht, sind die beiden ersten des Namens des Propheten Elia. Sein Name heißt wörtlich übersetzt: »Mein Gott (EL) ist Jahwe (IA)«. Dabei sind die beiden ersten die Abkürzung von »Elohim«, eine Form, die im Ersten Testament meist im Bezug auf den einen Gott Israels verwendet wird, und heißt dann »(der eine) Gott«. Selten taucht auch der Plural auf, dann sind die anderen Götter aus dem Umfeld der Israeliten gemeint. Mit dieser Erklärung bewegen wir uns im Feld der religionsgeschichtlichen Forschung.
Die allgemeine Bezeichnung Gottes wird von uns oft im Alltag, meist unbewusst, verwendet, dass wir einmal näher hinschauen sollten, wann wir den Namen oder die Bezeichnung Gottes verwenden.
Die allgemeine Bezeichnung Gottes wird von uns oft im Alltag, meist unbewusst, verwendet, dass wir einmal näher hinschauen sollten, wann wir den Namen oder die Bezeichnung Gottes verwenden.
In den Himmel entrückt
In der Religionsgeschichte taucht das Motiv der Entrückung in den Himmel immer wieder auf. Es ist eine besondere Auszeichnung für diejenigen, die sich um die Sache verdient gemacht haben. Manchmal erscheinen diese Personen als Sternbilder wieder, oft sitzen sie unsterblich im Kreis der Götter im Himmel. Im jüdisch-christlichen Kulturkreis werden sie in den Himmel aufgenommen und zwar bei lebendigem Leib, so dass ihre Existenz auf einer anderen Ebene fortdauert.
Opfer bringen
Ein wesentliches Element von Religionen in einem bestimmten Entwicklungsstadium ist das Opfer. Speziell dafür ausgebildete oder ausgewählte Personen bringen Feldfrüchte oder Tiere als Opfer dar, um sich der göttlichen Gunst zu vergewissern. Indem ich Gott etwas gebe, das mir wertvoll ist, erhalte ich von Gott das, was ich brauche. Es ist ein Handel, den ich dabei ausmache: »Ich gebe und du gibst!« Dieser Handel hat eine Schattenseite. In der Bibel wird immer wieder davon berichtet: Was geschieht eigentlich, wenn Gott das dargebrachte Opfer nicht akzeptiert und die erhofften Wohltaten ausbleiben? Muss ich dann noch mehr opfern, bis ich erhört werde?
Der Böse
Für uns moderne Menschen ist es schwerer nachvollziehbar, dass wir alles und jedes mit Personen gleichsetzen. Zwar ist unser Beziehungsleben und unser Alltag mit Personen geprägt, aber das sind eher diejenigen aus Fleisch und Blut. Andere Mächte, so es sie denn gibt, belegen wir zwar mit Namen, aber wir tun uns schwer, sie uns als Personen vorzustellen. Wir haben Begriffe beispielsweise für das Böse und wir können abstrakt darüber reden, aber mit dem Bösen als Person tun wir uns schwer. Wir können uns den Teufel vorstellen, aber das ist mehr eine Gestalt aus der Märchenwelt oder aus Horrorfilmen, als aus unserer alltäglichen Wirklichkeit. Hier denken wir nüchterner, als die Menschen früherer Zeiten. Für sie war der Teufel als das personifizierte Böse eine Wirklichkeit, ohne die das Leben nicht denkbar war. Der Teufel trat als großer Gegenspieler Gottes auf und versuchte, die Menschen zu verführen und vom rechten Weg abzubringen. Wer sich ihm anheimgab, der war verloren.
Das Raubtier
Fast alle Erfindungen und Entwicklungen, die in der Menschheitsgeschichte gemacht wurden, haben zwei Seiten, Segen und Fluch zugleich. Am augenfälligsten wird das am Auto. Kaum eine Erfindung hat das Leben so stark verändert wie das Automobil. Wie es der Name schon sagt, ist man beweglich ohne auf große Institutionen oder Gesellschaften angewiesen zu sein. Jeder kann fahren, wann und wo es ihm beliebt, wenn denn die Straßen dazu da sind und man nicht durch die anderen in dieser Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Und da wendet sich das Blatt. Je mehr sich auf dieses Recht berufen, dass sie fahren können wie es beliebt, umso größer werden auch die Gefahren, die vom Auto ausgehen.
Schreiende Ungerechtigkeit
Wir haben heute den Anspruch, dass wir in einer weitgehend gerechten Gesellschaft leben. Aber wir werden tagtäglich mit Ungerechtigkeiten konfrontiert. Manche sind so groß, dass sie zum Himmel schreien. Wahrscheinlich können wir Ungerechtigkeiten nicht vermeiden, immer dort, wo ein Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen gesucht werden muss, wird es auch Entscheidungen, geben, die von einzelnen als ungerecht empfunden werden. Meistens dann, wenn sie zum Nachteil gereichen oder ich zumindest keinen Vorteil für mich aus dieser Entscheidung ziehe. Also heißt es doch, dass wir lernen müssen, mit Ungerechtigkeiten zu leben. Mit allen?
Fass mich nicht an!
Zwei gegensätzliche Aussagen lassen uns aufhorchen: »Berühre mich!« Und »Fass mich nicht an!« Heute sind beide Sätze selbstverständlich geworden. Ich darf mich wehren, wenn mir etwas oder jemand zu nahe kommt. Aber Nähe zu spüren ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass wir Beziehungen leben können. Beide Aussagen verwenden wir und hoffen, dass sie jeweils richtig verstanden werden.
Wenn ich eine Absage erteile, dann ist das mein gutes Recht. Wir ermutigen Kinder dazu, es zu tun und »Nein!« zu sagen. Und das ist wichtig und richtig. Aber es bleibt da etwas Zwiespältiges zurück. Denn es könnte ja auch mitklingen: »Komm mir nicht zu nahe!« oder: »Lass mich in Ruhe!«
Wenn ich eine Absage erteile, dann ist das mein gutes Recht. Wir ermutigen Kinder dazu, es zu tun und »Nein!« zu sagen. Und das ist wichtig und richtig. Aber es bleibt da etwas Zwiespältiges zurück. Denn es könnte ja auch mitklingen: »Komm mir nicht zu nahe!« oder: »Lass mich in Ruhe!«
Gottes Thron steht im Himmel
In der jüdisch-christlichen Überlieferung wird Gott oft als König bezeichnet, Jesus selbst spricht ja von der Königsherrschaft Gottes, die mit seinem Kommen angebrochen ist. Und ein König hat einen Thron. Das wusste schon der Beter im Psalm 11. Dort heißt es: »Der Herr weilt in seinem heiligen Tempel, der Thron des Herrn ist im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen.« (Ps 11,4) Es ist ein tröstliches Bild, das da beschworen wird. Gott herrscht und blickt liebevoll auf die Gerechten, die Menschen, die nach seinen Geboten leben, und auf die ganze Schöpfung. Dieses Schauen ist kein bloßes Zuschauen, sondern das wohlwollende Beobachten eines Herrschers, der dann auch eingreift, wenn es notwendig wird. Der Ort, an dem der Thron steht, ist zwar im Himmel, aber das ist nicht so weit weg, sondern hier auf der Erde im Tempel.
Eine ziemlich kaputte Familie
Dass aus solchen Familien noch etwas rechtes herauskommen kann, ist schon verwunderlich! Lot ist mit seinen beiden unverheirateten Töchtern nach der Zerstörung von Sodom ins Gebirge geflohen. Seine Frau kam bei der Flucht vor dem Feuer um. Sie erstarrte zur Salzsäule, wie es im neunzehnten Kapitel im Buch Genesis geschildert wird. Die drei sind zwar froh, dass sie dem Unheil entronnen sind, aber aus unser Sicht würden wir sagen, dass sie stark traumatisiert sind. Angesichts der Geschehnisse und dem, was sie gesehen haben, ist das ja nicht verwunderlich. In Genesis 19,30-38 wird geschildert, wie sie mit dieser Situation umgehen. Da die jungen Frauen ihre Verlobten verloren haben, möchten sie ihren Status verbessern. Nur wer Kinder zur Welt bringt, hat einen Stand. Deshalb machen sie ihren Vater Lot betrunken und schlafen mit ihm. Beide werden schwanger und bringen die Stammväter der verfeindeten Nachbarvölker des Volkes Israel, der Ammoniter und Moabiter zur Welt.
Nur Zahlen zählen wirklich
Die Geschäftswelt ist hart. Alle Lebensbereiche sind davon betroffen, ob das nun beabsichtigt ist oder nicht. Eine knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung wird als Entscheidungsgrundlage genommen, ob ein Projekt durchgeführt wird oder nicht. Die Rentabilität steht im Vordergrund, alles andere wird dem untergeordnet. Das ist nicht nur in der freien Wirtschaft so, in der Güter und Dienstleistungen gehandelt werden, sondern auch im sozialen Bereich, wenn es um Pflege und Erziehung geht. Was kein Geld bringt und nur Kosten verursacht, das hat in unserer modernen Welt keinen Platz. Zumindest faktisch ist das so.
Es ist eine wichtige Aufgabe der Kirchen, solche Missstände bewusst zu machen und nach praktikablen Lösungen zu suchen.
Es ist eine wichtige Aufgabe der Kirchen, solche Missstände bewusst zu machen und nach praktikablen Lösungen zu suchen.
Wenn Religion verletzt
Religion ist für den Menschen da! Sie soll helfen, den Alltag zu bestehen. Mit Geschichten soll eine Verbindung zu inneren Quellen und zu Gott aufgebaut werden. Rituale und deutende Worte ermöglichen in dem, was geschieht, einen Sinn zu finden und zu leben. Religionen helfen den Menschen, dass Leben gelingen und so etwas wie Heil in diesem Leben erfahren werden kann. Religion gibt eine Verheißung, dass man nicht umsonst lebt, sondern dass man in einen großen Sinn eingebunden ist. Folgt man solch einer Definition, dann wundert man sich doch, warum sich viele Menschen zumindest von den großen, etablierten Religionen abwenden.
Das hat oft einen Grund, weil genau das Gegenteil von dem erfahren wird, wozu Religion eigentlich da ist. Anstatt Sinn zu stiften, wurden moralische Gebote aufgestellt, deren Nichtbeachtung oft drastisch bestraft wurde. Statt Gemeinschaft zu fördern, wurde ausgegrenzt.
Das hat oft einen Grund, weil genau das Gegenteil von dem erfahren wird, wozu Religion eigentlich da ist. Anstatt Sinn zu stiften, wurden moralische Gebote aufgestellt, deren Nichtbeachtung oft drastisch bestraft wurde. Statt Gemeinschaft zu fördern, wurde ausgegrenzt.
Ist Rechtsprechung gerecht
Wenn Urteile »Im Namen des Volkes« gesprochen werden, stellt sich automatisch die Frage, ob dieses Urteil jetzt gerecht ist. Aber genauso taucht die Frage auf: »Wann ist dieses Urteil gerecht?« Und »Was ist denn gerecht?« Ob es auf diese Fragen überhaupt eine Antwort gibt, müssen die Gelehrten entscheiden, schwierig ist es allemal. Bei der Rechtsprechung beruft man sich auf Gesetze, mit denen unser Zusammenleben geregelt wird. Diese wiederum sind Vereinbarungen, die Menschen getroffen haben, damit das Miteinander funktioniert. Wer gegen diese Gesetze verstößt, wer sie bricht, beschädigt das Zusammenleben und schwächt die Gemeinschaft. Um die Gesetze einzuhalten, werden Strafen formuliert, die bei einem Verstoß ausgesprochen werden.
Phoenix aus der Asche

Besser kann man auch die Freiheit nicht darstellen. Emil Wachter nennt dieses Motiv »Die Flamme der Freiheit«.
Frauenpower
Am Abrahamstor der Autobahnkirche sieht man die eingesperrten Menschenrechte, die von vier Personen in ihren jeweiligen Funktionen gezeigt werden. Links oben neben dem Gitter sieht man eine Direktorin. Emil Wachter hat nicht nur Männer dargestellt, sondern auch eine Frau, die bei der Verletzung der Menschenrechte eine Rolle spielt. In seiner Kritik klagt er ein System an und nicht die Personen, die für dieses System stehen. Die jeweilige Funktion, die ausgeübt wird, verletzt die Menschenrechte. Menschen werden durch ihre Rolle oftmals zu Tätern. Und da trifft es auch Frauen.
Es wird heute zu Recht darüber diskutiert, ob und wie Frauen in Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft in Führungspositionen eintreten können. Die Forderung, dass Frauen gleichberechtigt Führungspositionen besetzen sollen, ist heute angemessen und schreit förmlich nach Umsetzung.
Es wird heute zu Recht darüber diskutiert, ob und wie Frauen in Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft in Führungspositionen eintreten können. Die Forderung, dass Frauen gleichberechtigt Führungspositionen besetzen sollen, ist heute angemessen und schreit förmlich nach Umsetzung.
Bedrohte Menschenwürde
In Sonntagsreden gibt es keine Zweifel. Menschenrechte und Menschenwürde sind ein hohes Gut, an dem man unbedingt festhalten muss. So weit so gut. Aber diesen Aussagen ist es oft zu eigen, dass sie allgemein bleiben, sie gelten für alle, näheres wird durch Ausführungsbestimmungen geregelt. Die sehen dann ganz anders aus und die guten Absichten werden in ihr Gegenteil verkehrt. Menschenrechte einzufordern ist einfach, wenn man nicht selbst verantwortlich für ihre Durchsetzung ist. Doch wenn man in einer Situation ist, in der man auf sie angewiesen ist und sich darauf beruft, dann ist es meist schon zu spät. Wenn man schon zum Opfer geworden ist, nützt es nicht, sich darauf zu berufen. Dann sind andere notwendig, die für Menschenrechte eintreten und sie für konkrete Personen einfordern.
Reich und schön
Es sind Gesichter, die unsere Zeitschriften zieren. Und es sind schöne Gesichter. Stars und Sternchen, erfolgreiche Menschen, solche, die das Scheinwerferlicht suchen, und die, die durch ihre Profession dahinein geraten sind. Wir verbinden mit diesen Menschen, die auf den roten Teppichen gehen, immer auch eine gewisse Macht, wir interessieren uns dafür, was sie sagen, denken und tun. Man könnte meinen, es gäbe nichts Wichtigeres.
Wer gibt, wer nimmt?
»Alles ist Geben und Nehmen.« Das ist ein Allgemeinplatz. Aber ist es wirklich so? Sicherlich kann man nicht sagen, dass es immer ausgeglichen zugeht. Oft hat man das Gefühl, dass man mehr gibt als dass man selbst bekommt. Dabei kommt es aber auf die Sichtweise an. Was bedeutet mir etwas? Von was profitiere ich? Wenn ich diese Kosten-Nutzen-Rechnung für mich aufstellen kann, dann ist es einfach, für mich zu klären, was ich gebe und wieviel ich bekomme. In jeder Art von Beziehung wird es so ausgehandelt. Und wenn man am Ende sagen, dass es ausgeglichen zugeht, dann hat man viel erreicht oder eine gute Art und Weise des Umgangs miteinander geschaffen.
Zum Sehen geboren
Johannes der Täufer wird als Vorläufer von Jesus bezeichnet. Und er hat vieles vom Schicksal, das Jesus ereilt hat, vorweggenommen. Angefangen bei der Empfängnis, bei der es nicht mit rechten Dingen zuging, über die Wahl, als Prophet durch das Land zu ziehen bis hin zu seinem gewaltsamen Tod. Dieser Vorläufer war sicherlich radikaler als Jesus und möglicherweise konsequenter. Ihm fehlt die barmherzige Seite, er wirkt immer etwas unnachgiebiger. Für ihn steht die Botschaft im Vordergrund. Für Jesus war es eher der Mensch, um den sich seine Verkündigung und sein Handeln drehte. Johannes verkörpert für uns das Bild des Propheten, der ganz und gar für seine Sache einsteht, der nicht über Inhalte diskutiert, der seine Ansichten und seine Lebensweise den Menschen zumutet. Und diese Zumutung hat ihre Berechtigung. Johannes und seine Botschaft wecken auf, ja, schrecken auf.
Freiheit? Aber bitte in Maßen
Der Ruf nach Freiheit ist in Notsituationen immer sehr groß. Dann spielen Freiheitssymbole, wie die Taube hier am Mose-Turm eine wichtige Rolle. Freiheit wird meist mit großen Opfern erkämpft. Wenn sie aber erreicht wurde, dann zeigt sich ein anderes Gesicht. Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, das uns Menschen zusteht, und ein wichtiger Teil der Menschenrechte und Menschenwürde. Freiheit ist eine Aufgabe, ein wertvolles und zerbrechliches Gut, das geschützt werden muss.
Das Volk Israel macht diese Erfahrung auf ihrem vierzigjährigen Wüstenzug immer wieder. Die Unterdrückung in Ägypten war unerträglich. So schien der Weg in die Freiheit, den Mose ihnen angeboten hat, der einzige Weg in eine gute Zukunft. Als sie dann aber die Freiheit erleben dürfen, spüren sie auch die Bürde, die ihnen damit auferlegt wurde. Alles hat seine Zeit
An den meisten Kirchen hängen Uhren, die uns daran erinnern, welche Stunde es geschlagen hat. Früher waren es die einzigen Hinweise auf die Zeit und sie waren notwendig, um die jeweilige Uhrzeit anzuzeigen. Heute haben Kirchturmuhren weitgehend ihre Funktion verloren, selbst Taschen- und Armbanduhren werden von Smartphones abgelöst. An der Autobahnkirche gibt es keine Uhr, die die Zeit anzeigt. Es taucht nur einmal am Noah-Turm ein Zeitsymbol, eine Sanduhr, auf. Hier an der Autobahn ist man bei aller Hektik, durch die der Alltag bestimmt ist, in einen Raum der Zeitlosigkeit eingetreten. Nicht, dass hier keine Zeit vergeht, aber sie ist nicht so wichtig wie sonst.
Folterknechte
Wer durch das Abrahamstor in die Autobahnkirche geht, kommt an einem verstörendem Bild vorbei. Unter der Überschrift »Sodom und Gomorrha« wird eine Folterszene gezeigt. Und Emil Wachter spart nicht mit Schrecken und Schmerz, wenn er zeigt, wie Menschen einem Hilflosen Leid und Qual zufügen. Sodom und Gomorrha meint in seiner Vorstellung nicht den freien Umgang mit Sexualität, sondern all das, wo Menschen einander das Leben unmöglich machen und die Lebensgrundlagen zerstören. Folter ist eine Methode, in der es nicht nur darum geht, Menschen zu einer Aussage zu zwingen, sondern auch um sie zu erniedrigen, ihren Willen zu brechen und die eigene Macht auszuleben. So wurde und wird sie seit Menschengedenken eingesetzt. Wir denken, dass wir schon weiter wären, aber die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.
Das Böse
Wer die Autobahnkirche durch das Hauptportal verlässt, schaut einer erschreckenden Gestalt in die Augen. Es ist eines der großen Themen aus der Apokalypse, das Emil Wachter hier darstellt. Im dreizehnten Kapitel wird diese Gestalt als »das Tier« beschrieben: »11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. ... 16 Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, 17 und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. 18 Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.« (Apokalypse 13,11.16-18, Übersetzung: Gute Nachricht) Dieses Tier ist die Personifikation des Bösen, es wird oft auch mit dem Satan gleichgesetzt. Warum blickt diese Gestalt denjenigen an, der die Kirche verlässt? Warum wird man beim Hinausgehen an den Teufel erinnert?
Der Diktator
Es ist eine fast schon klassische Darstellung. Im Weihnachtszyklus der Fenster an der Nordseite der Autobahnkirche finden wir den Diktator. Er ist eine Verkörperung von König Herodes. Aus der Sicht der Evangelien ein Paradebeispiel für einen Gewaltherrscher, der nur seine eigenen Interessen durchsetzen will und der das Volk dazu missbraucht. Geschichtlich gesehen wird man so dem Herodes nicht gerecht. Er war wohl nicht mehr oder weniger grausam als die anderen Könige und Kaiser seiner Zeit. Weil ihm aber der Kindsmord zugeschrieben wird, gilt er als der grausame Tyrann schlechthin.
Emil Wachter stellt ihn in einer modernen Paradeuniform dar. Er ist somit ein Vertreter des Militärs, das seine Befehle ausführen muss. Soldaten sind sein verlängerter Arm. Daran wird auch ersichtlich, dass die Bezeichnung Alleinherrscher nicht unbedingt zutrifft. Um ein Volk zu unterdrücken, braucht es andere, die mithelfen, weil sie von der Teilhabe an der Macht profitieren. Und Macht ist attraktiv und bringt Vorteile. Goldener Baum
Wie spricht man von der Gegenwart Gottes? Am besten gar nicht. Wir können mit Worten nicht sagen, was Gott ist und auch nicht, wie sich die Nähe Gottes zeigt. Selbst wenn wir es erfahren, wir können es nicht ausdrücken, weil uns dazu schlicht und ergreifend die Worte fehlen. In poetischen Bildern oder in musikalischen Tonfolgen können wir Erlebnisse schaffen, die einer Gotteserfahrung gleichkommen. Die Kunst kennt Techniken, die diesen Raum erschließen. Die Autobahnkirche ist solch ein Raum, in dem wir Gott erfahren können. Die christliche Bildersprache hilft uns etwas davon auch zu verstehen. Immer, wenn die Gegenwart Gottes gezeigt wird, dann wird es golden. So auch hier in der Autobahnkirche. Durch die Fenster wird Gold zur glänzenden und strahlenden Farbe schlechthin. Immer, wenn das goldene Licht in den Kirchenraum fällt, lädt Emil Wachter uns ein, darin eine der unbeschreiblichen Wirklichkeiten Gottes zu sehen.
Himmlisches Jerusalem
Wir alle haben unsere Sehnsuchtsorte, an denen wir uns die Erfüllung unserer Wünsche erhoffen oder an denen wir sogar wunschlos glücklich wären. In diesen Vorstellungen spiegeln sich Hoffnungen nach dem Paradies wieder, aus dem wir anscheinend vertrieben worden sind. Einer dieser Orte ist die Stadt Jerusalem. Sicherlich ist sie heute nicht das Paradies, im Gegenteil. Um kaum eine Stadt wird weltweit so viel gestritten, wie um Jerusalem. Das hat sicherlich auch mit der Geschichte und Verheißungen zu tun. Jerusalem ist die Heilige Stadt, in der die Geschichte Abrahams, des jüdischen Volkes, des Christentums und des Islam immer wieder einen Ankerpunkt hat.
Chaos
Der Noah-Turm beschäftigt sich mit der Schöpfung und dem neuen Leben. Da liegt es auch nahe, sich den Bedrohungen dieses Lebens zu widmen. Leben war noch nie selbstverständlich und zu allen Zeiten war es auch bedroht. Entweder Naturgewalten und -katastrophen haben das Leben und nicht nur das der Menschen gefährdet, sondern auch der Mensch selbst. Ob durch Kriege, durch technische Errungenschaften und durch den Fortschritt, immer wieder sind Menschen Opfer geworden. Geplante Vernichtung ist vielleicht die Ausnahme, aber es sterben zu viele Menschen durch Unfälle, sei es im beruflichen oder privaten Umfeld, sei es durch Fortbewegung oder andere Geschehnisse. Eines ist allem gemeinsam: Unfälle und Kriege, Katastrophen und Unglücke hinterlassen immer Chaos. Sei es am Ort, an dem es geschehen ist, sei es in den Herzen der Menschen oder in ihren Beziehungsgefügen. Es kommt etwas durcheinander, das nur mühsam wieder in Ordnung gebracht werden kann.
Friedenstaube
Jedesmal, wenn sich bei Großveranstaltungen weiße Tauben in die Luft erheben, dann schlägt das Herz höher. Es ist ein schönes Symbol für den Frieden. Wir kennen und schätzen es. Die Friedensbewegung hat die weiße Taube auch zu ihrem Erkennungszeichen gemacht. Es gibt aber kaum ein Symbol, das mehr missbraucht wurde, wie dieses. Jede Aggression wird sprichwörtlich hinter einer Taube versteckt. Dieser Angriff diene dem Frieden, heißt es dann. Im Buch Genesis wird erzählt, wie Noah Tauben ausschickt, um zu sehen, ob und wie die Erde wieder bewohnt werden kann. Jede Taube steht für die Hoffnung, dass es endlich wieder aufwärts geht und das Leben neu beginnen kann.
Wenn im ersten Schöpfungsbericht der Geist Gottes über den Wassern schwebt, wird aus christlicher Sichtweise daraus eine Taube. Der Heilige Geist wird mit der Taube bildhaft dargestellt. In der Kirche spielt die Taube eine wichtige Rolle, denn sie steht für die verändernde Kraft des Geistes. Wie auch immer, wenn in unserem Denken weißeTauben auftauchen, dann hat es etwas mit Veränderung und Neuanfängen, mit Hoffnung und Vision zu tun. Noah ist einer der ersten, der damit ein Zeichen setzt. Tauben fliegen auf und sagen: Das Alte ist vorbei, jetzt beginnt etwas Neues, die Botschaft des Friedens und der Hoffnung soll in alle Welt getragen werden. Wenn es nur so wäre und das Symbol nicht nur ein Zeichen bleibt! Petrus erschrickt
Der Besucher, der zur Autobahnkirche kommt, geht durch das Abrahamstor und sieht dabei zwangsläufig die Gestalt des Petrus. Es ist eine der wenigen Figuren, die vollplastisch ausgeführt sind. Jesus hat Petrus auserwählt, dass er den Jüngerkreis anführen soll, wenn er nicht mehr unter ihnen ist. Diese Ehre gibt dem Petrus viel Selbstvertrauen und er beginnt, sich selbst zu überschätzen. Er glaubt, allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Jesus warnt ihn zwar und sagt voraus, dass er ihn verraten würde, aber das will Petrus nicht glauben. Keine zwölf Stunden später ist es dann doch geschehen. Petrus erschrickt über sich selbst. Seine Überheblichkeit wird ihm bewusst. Emil Wachter hat diesen Moment des Erschreckens festgehalten. Petrus hält sich entsetzt die Hand vor den Mund, jedes Wort, das er im Übereifer gesprochen hat, reut ihn.
Die andere Frau
Aus der Not geboren bekommt die einfache Magd Hagar in der Heilsgeschichte eine große Bedeutung. Da Sarah nicht schwanger wird, versucht sie es mit einer Notlösung, um Abraham den lang ersehnten Stammhalter zu schenken. Sie führt ihm ihre Magd Hagar zu, damit er mit ihr ein Kind zeuge. Zur Zeit Sarahs war das erlaubt und üblich. Man denke nur an die vier Frauen, mit denen Jakob Nachkommen zeugte. Auch da spielten zwei Mägde ihre Rolle. Bei Hagar spitzt sich das aber zu. Die beiden Frauen stehen in Konkurrenz zueinander. Zunächst einmal hat Hagar mehr als Sarah. Sie kann den ersten Platz einnehmen, weil sie mit Ismael einen Nachkommen von Abraham austrägt und zur Welt bringt. Dieser Handel geht solange gut, wie Sarah selbst nicht schwanger wird. Und selbst zuvor wird es schwierig mit den beiden, denn Sarah befürchtet in ihr eine ernsthafte Konkurrentin.
Das geht gar nicht
Eine der Töchter Lots, eines Verwandten von Abraham, wird hier von Emil Wachter am Abrahamstor dargestellt. Sie ist nackt. Das hat seinen Grund. Bei Lot kehren, als er mit seiner Familie in der Stadt Sodom weilte, zwei Fremde ein, denen er das Gastrecht gewährte. So war er auch für ihren Schutz und ihre Unversehrtheit verantwortlich. Was er nicht wusste: Die beiden waren Engel, die nach Sodom geschickt wurden, um die Stadt zu vernichten, Lot und seine Familie aber vor dem Verderben zu bewahren. Die Bewohner von Sodom praktizierten gewaltsame homosexuelle Handlungen besonders mit Fremden. Lot konnte das nicht zulassen, er musste ja für die Sicherheit seiner Gäste sorgen. Als sein Widerstand nichts nutzte, bot er den Sodomiten seine beiden jungfräulichen Töchter an, damit sie mit ihnen taten, was sie tun wollten. Es kam Gott sei dank nicht so weit. Die beiden Engel retteten die kleine Familie und gaben die Stadt der Vernichtung preis.
Zorniger oder wütender Prophet
Er war wohl kein einfacher Mensch, aber er hatte eine gewisse Ausstrahlung, die die Menschen in ihren Bann gezogen hat. Wie viele Propheten vor und nach ihm hat Mose aus seiner Wut, die er empfand, keinen Hehl gemacht, und er konnte sie auch nicht immer zurückhalten. Selbst Jesus überkam der Zorn, als er die Händler im Tempel gesehen hat. So wird auch Moses wütend. Als er vom Berg herabsteigt, auf dem er von Gott das Gesetz erhalten hat, sinnbildlich von Gott in Tafeln eingraviert, sieht er, wie die Israeliten in der langen Zeit, die er fort war, an ihrem Glauben irr geworden sind.
Wo die besseren Leute wohnen
Schon zu biblischen Zeiten waren Unterschiede zwischen den Menschen vorhanden, die Schichtungen in der Gesellschaft waren größer und weniger durchlässig, wie es heute der Fall ist. Von den bessergestellten wissen wir heute noch, von den einfachen fast gar nichts mehr, auch kaum etwas von ihrem Leben, weil sich nichts von ihnen erhalten hat. Von Palästen, den Häusern der Herrschenden und vielleicht von Tempeln und Villen finden wir Überreste. Sie konnten ja auch beständiger gebaut werden. Wir erfahren etwas von den Bewohnerinnen und Bewohnern, wir können auf ihre Lebensumstände schließen, wir kennen vielleicht ihre Namen, aber was wissen wir wirklich über sie?
Die Flamme der Freiheit
Wenn sich etwas Neues ankündigt, dann ist das häufigste Bild, das verwendet wird, das des Lichtes oder des Feuers. Revolutionäre und Freiheitskämpfer, Aufklärer und Visionäre sehen sich oft als diejenigen, die zur Erhellung des Lebens beigetragen haben. Noch mehr werden sie von der Nachwelt zu diesen Lichtbringern stilisiert. Das Licht ist ja auch ein hilfreiches Symbol, um die Wichtigkeit des Neuen zu betonen. Die Zeit davor ist dann ein düsteres Zeitalter. Alles Schlechte wird damit verbunden, es wird alles in diese Zeit hineingedeutet, das jetzt nicht mehr so ist oder nicht mehr sein soll. Mit dem Licht, das jetzt leuchtet, ist man froh, dass diese Zeit überwunden worden ist.
Dieses neue Licht steht am Mose-Turm bei der Autobahnkirche für die Freiheit, die das Volk Israel unter Mose gewonnen hat. Gott selbst zieht in einer Feuersäule in der Nacht, wenn es dunkel wird, seinem Volk voraus, tagsüber in einer weithin sichtbaren Wolke. Mit Mose hat das Volk Israel seinen Lichtbringer, der die Verbindung zu Gott, der das Licht ist, aufrecht erhält. Mose trägt gewissermaßen das Licht Gottes zu seinem Volk.
Dieses neue Licht steht am Mose-Turm bei der Autobahnkirche für die Freiheit, die das Volk Israel unter Mose gewonnen hat. Gott selbst zieht in einer Feuersäule in der Nacht, wenn es dunkel wird, seinem Volk voraus, tagsüber in einer weithin sichtbaren Wolke. Mit Mose hat das Volk Israel seinen Lichtbringer, der die Verbindung zu Gott, der das Licht ist, aufrecht erhält. Mose trägt gewissermaßen das Licht Gottes zu seinem Volk.
Himmlische Musiker
Nein, die Instrumente der Engel sind nicht Harfe und Zither. Und es entsteht schon gar kein himmlisches Konzert, wie wir es uns vorstellen. Das legen liebliche Schilderungen zwar nahe, und Karikaturen zeichnen solche Bilder mit großer Selbstverständlichkeit. Biblisch lässt sich das nicht begründen, dort sieht die himmlische Wirklichkeit anders aus. Und es muss im Himmel lauter und durchdringender zugehen. In der Schilderung der Offenbarung des Johannes spielen die Engel nicht sanft klingende Saiteninstrumente. Sie blasen laute Posaunen, die weithin zu hören sind. In der Antike waren das die Instrumente, mit denen etwas Wichtiges angekündigt wurde. Große Ereignisse haben nicht nur ihre Schatten vorausgeworfen, sondern haben sich auch lautstark angekündigt.
Meine Seele lobt Gott!
Die Begegnung der beiden schwangeren Frauen, der älteren Elisabet und der jungen Maria ist eine eindrückliche Szene aus dem Lukas-Evangelium. Beide Frauen sind unerwartet schwanger. Maria, die noch keinen Mann hatte, erfährt vom Engel, dass sie den Messias zur Welt bringen soll. Elisabet, ihre Tante, bekommt im hohen Alter die Zusage, dass sie endlich einen Sohn zur Welt bringen wird, der auch eine besondere Aufgabe hat. Und in der Begegnung der beiden Frauen, haben auch Jesus und Johannes zum ersten Mal Kontakt miteinander - und sie reagieren aufeinander: »Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.« (Lk 1,41-42)
Theologie unter dem Kreuz
Wie deutet man den Tod Jesu am Kreuz. Das ist für die christliche Theologie die wichtigste und die schwierigste Frage. Einfache Antworten kann es nicht geben. Wahrscheinlich müssen sich Theologinnen und Theologen, aber nicht nur die, immer wieder um neue Antworten bemühen. Jede Zeit fragt anders. Menschen brauchen angemessene Antworten, die zu ihrem Leben passen. Emil Wachter stellt am Fenster mit der Kreuzigung einen Theologen dar, der auf den toten Jesus am Kreuz zeigt. Diese Darstellung erinnert an den Johannes aus dem Isenheimer Altar. Dort ist es der Täufer, der auf Jesus zeigt.
Was willst Du denn hier?
Wer die Autobahnkirche besucht, wird von vielen Gestalten angeblickt. Eine davon ist Elischa, der von der Westseite des Elia-Turmes den Betrachter anschaut. Der fragende Blick des Prophetenschülers ist herausfordernd, wie er von der obersten Galerie des Turmes herunterschaut. Es scheint als wolle er fragen: »Was willst Du denn hier?« Der Besuchende kann in einen Dialog mit Elischa treten. Die erste Reaktion ist vielleicht ein Schulterzucken, das andeutet, dass der Weg zufällig zu diesem Turm geführt hat. Das ist aber auch die beste und unvoreingenommene Reaktion. Denn jetzt kann ich mit mir ins Gespräch kommen: »Was erwartest Du Dir von den nächsten Augenblicken, wenn Du hier über das Gelände gehst?«
Wie lächerlich!
Wenn Menschen von einer religiösen Erfahrung erzählen, wird das selten unwidersprochen aufgenommen. Meist begegnet ihnen offener Widerspruch oder - noch schlimmer - sie werden nicht ernst genommen und der Lächerlichkeit preisgegeben. Öffentlich werden sie ausgelacht und es wird über sie gespottet. Das ist keine Erfahrung der Moderne, sondern Menschen aus allen Zeiten haben das erlebt. Das ist nicht verwunderlich. Religiöse Erfahrungen sind sehr individuell und werden von Menschen, die anders ticken, nicht verstanden. Es lässt sich schwer nachprüfen, was sie erlebt haben. Meist passt das, was sie dann erzählen, nicht zu dem, was für die richtige und wahre Lehre gehalten wird. Bevor ich mich selbst in Frage stellen lasse, mache ich mich über den- oder diejenige lustig, der oder die mir Fragen stellt.
Zeit zum Leben
Kaum ein Symbol wie die Sanduhr führt uns vor Augen, dass die Zeit unwiederbringlich vergeht. Sie verrinnt! Die Zeit, die durch den schmalen Flaschenhals der Gegenwart gefallen ist, können wir nicht zurückholen. So ist es nicht verwunderlich, dass wir beim Noah-Turm, an dem das Thema der Schöpfung und des Neuanfangs von Emil Wachter gestaltet wurde, die Vergänglichkeit und damit Einzigartigkeit des Lebens sichtbar wird. So lange wie es Menschen gibt beschäftigt uns die Frage nach der Zeit: Wie gehen wir mit der Zeit um, die uns zur Verfügung steht? Was tun wir in dieser Zeit und wie erfahren wir die Begrenztheit unserer Existenz? In der Moderne wird das ganz besonders bedrängend erfahren. Wir sehen Zeit als etwas, das wir besitzen. Wir haben Zeit oder haben keine Zeit. Als ob wir Zeit festhalten und verwenden können, wenn wir sie brauchen. Sie vergeht doch, ob wir Zeit haben oder nicht.
Zuhause ist es am Schönsten

Verklärt
Wenn wir in der christlichen Bildersprache die Gegenwart Gottes ausdrücken wollen, dann verwenden wir gerne Gold. Alles, was golden ist, ist zumindest von Gott umgeben oder ist Gott selbst. In gotischen und barocken Kirchen, auf Ikonen ist Gold deshalb auch sehr wichtig. Heute tun wir uns schwerer damit. Emil Wachter verwendet nur einmal in der Autobahnkirche Gold als Stilmittel und das erst über zwanzig Jahren nach Fertigstellung der Kirche: In der Darstellung des verklärten Jesus in der Krypta. Im Evangelium wird das Sein Jesu mit seinen weißen Kleidern, die so weiß sind, wie sie kein Bleicher machen kann, beschrieben. Es ist dieses Weiß, das aus sich selbst heraus strahlt, das Weiß, das Licht ist. Wie anders kann man das darstellen als wenn man strahlendes, leuchtendes Gold verwendet?
Menschenhände
Wir verwenden bei ganz vielem, was wir tun, auch in einzelnen Redewendungen immer wieder Beschreibungen unserer Hände. Wir sprechen vom »Handwerk«, von »behandeln«, von einer »Handlung« oder einem »Handlanger«. Selbst wenn wir Geschäfte tätigen, dann nennen wir das »Handeln«. Da wir auch mit einer Hand schreiben, haben wir eine »Handschrift«, die nicht nur der Übermittlung einer Information dient, sondern auch etwas über uns selbst aussagt. Im Dialekt kommt das Wort »Händeln« natürlich auch von der Auseinandersetzung, die wir mit unseren Händen führen. Die Hände gebrauchen wir den ganzen Tag, meist unbewusst und mit der größten Selbstverständlichkeit. Wenn wir sie bewusst betrachten, dann erkennen wir, was für ein ausgefeiltes und wunderbares Werkzeug unsere Hände sind.
Wenn zwei sich streiten
Vordergründig geht es im Streit zwischen Sarah und Hagar um einen Mann. Aus diesem Stoff ließe sich ein großes Drama schmieden mit Intrigen und Verführungen, mit Schuldvorwürfen und Eifersuchtsszenen. Und wahrscheinlich war das auch zwischen den beiden Frauen so. Im Buch Genesis im 16. Kapitel wird ihre Geschichte erzählt. Weil Sarah kein Kind empfangen konnte, hat sie ihrem Mann die Magd Hagar zur Frau gegeben, dass sie ein Kind von Abraham zur Welt bringen sollte. Als Hagar dann schwanger wurde, brach zwischen den beiden Frauen der Streit darüber aus, wer nun die Vorrangstellung haben sollte. Der Plan von Sarah ging zwar auf, Abraham konnte einen Nachkommen erwarten.
Gott ist überall
18.02.2019
Wir sind unser Leben lang auf der Suche nach Gott. Manche ganz ausdrücklich, andere eher verhalten, viele haben die Suche nach Gott aufgegeben und sich von diesem Bemühen abgewandt. Es gibt Anzeichen und Spuren von Gott und mindestens genauso viele Hinweise, dass es Gott nicht gibt. Im Fenster auf der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir einen solchen Hinweis, den wir in beide Richtungen deuten können. Der leere Thron Gottes kann zeigen, dass Gott gar nicht existiert, dass Gott einmal da gewesen ist, dass wir auf ihn warten oder dass sich seine Herrschaft andeutet. Viele Möglichkeiten! Aber kann es nicht auch sein, dass wir so sehr an unseren Vorstellungen von Sein und Existenz hängen, dass wir etwas Wichtiges übersehen?
Unsterblichkeit
Unsterblichkeit ist ein uralter Traum des Menschen - und wahrscheinlich unerfüllbar. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, unsterblich zu sein. Denn alles, was wir tun und erleben, selbst wenn es noch so sehr auf Dauer angelegt ist, erhält seinen Reiz (und seinen Schrecken) dadurch, dass es begrenzt ist. Ob es jetzt die unendlich lange Lebensspanne ist, oder der Nachruhm, den die Taten oder das Werk eines Menschen hinterlassen, irgendwann weiß niemand mehr von dem, was man getan oder geschaffen hat. In Science-Fiction-Romanen geht es bei der Unsterblichkeit allerhöchstens um Lebensverlängerung. Hat es dann überhaupt noch einen Wert, etwas zu tun, weil es doch wieder verschwinden wird?
Geheimnisvoll
Man weiß nicht genau, was Sache ist, und man bekommt auch keine klare Ansage. Diese Situation kennen wir. Wohin soll es gehen? Im besten Fall finden wir uns damit ab, dass etwas ungeklärt bleibt, dass wir ein Geheimnis nicht ergründen können, weil wir zu wenig wissen. Die Alternativen dazu wären Verzweiflung oder Desinteresse, beides hat etwas von Resignation an sich. Doch das Geheimnis bewahrt einen gewissen Reiz, den zu ergründen sich lohnt. Etwas Vergleichbares sehen wir hier.
Das Heil schauen
Eine der vielen namenlosen Darstellungen eines Menschen, die wir in und an der Autobahnkirche zuhauf finden. So auch dieses Gesicht hier an der Moses-Treppe. Es ist das Gesicht eines alten Mannes. Ich möchte es dem Simeon geben. Simeon hatte die Verheißung erhalten, dass er nicht sterben werde, bevor er den Messias erblickt habe. So berichtet es Lukas am Anfang seines Evangeliums. Simeon verharrt im Tempel und wartet, denn dort muss der Messias ja irgendwann auftauchen, spätestens dann, wenn er seine Herrschaft aufrichtet. Simeon wartet geduldig und wird darüber sehr alt. Er verliert nicht die Hoffnung, er vertraut der Weissagung, die er bekommen hat. Aber er wird darüber auch alt und lebenssatt.
Teufelswerk
Darf man in einer Kirche den Teufel darstellen? Haben wir das heute überhaupt nötig? Emil Wachter hat im Zusammenhang mit der Hiobs-Geschichte den Teufel nicht nur an die Wand gemalt, sondern ihn im Relief gestaltet.
Wenn wir die Geschichte von Hiob lesen und dabei auch auf die Wette des Teufels mit Gott stoßen, dann mag es noch angehen, dass wir diese Erzählung illustrieren. Aber brauchen wir den Teufel eigentlich noch? Oder ist es eine Gestalt, die wir nicht mehr ernst nehmen (müssen), dass wir sie sogar zur Belustigung verwenden.
Wenn wir die Geschichte von Hiob lesen und dabei auch auf die Wette des Teufels mit Gott stoßen, dann mag es noch angehen, dass wir diese Erzählung illustrieren. Aber brauchen wir den Teufel eigentlich noch? Oder ist es eine Gestalt, die wir nicht mehr ernst nehmen (müssen), dass wir sie sogar zur Belustigung verwenden.
Der heilige Gral
Ein alter Mythos, der nicht biblisch begründet und doch mit dem Geschehen der Kreuzigung engstens verbunden ist, hat die Menschen immer wieder fasziniert. Es geht um die Erzählung des Grals. Nachdem der römische Soldat, in der Legende heißt er Longinus, die Seite des toten Jesu mit seiner Lanze öffnet, fließt aus dem Leichnam Blut und Wasser heraus. Das ist der Beweis dafür, dass Jesus wirklich tot ist. In dem Moment kommt ein Engel vom Himmel und fängt die kostbare Flüssigkeit in dem Kelch auf, den Jesus beim letzten Abendmahl verwendet hat, und verschwindet. Später taucht dieser Kelch wieder auf und wird zu einem wichtigen Mythos. Im Epos Parzival von Wolfram von Eschenbach fand er einen literarischen Niederschlag.
Engelsgesicht
Engel sind in. Sie werden vielfältig dargestellt und kommen oft dann zum Zug, wenn uns die Worte fehlen. Mit ihnen drücken wir Zuneigung und Trauer, Liebe und Schmerz aus. Und dort, wo Engel sind, hat das Unheil keine Chance mehr. Deshalb umgeben wir uns heute gerne mit Engeln. Heutzutage sind sie die harmlose Seite der Spiritualität. Mit ihnen verbinden wir die Hoffnung, dass alles einen guten Verlauf nimmt.
Die Sternenumkränzte
Viele Mariendarstellungen orientieren sich an der Beschreibung einer Frau, die in der Offenbarung des Johannes gegeben wird. Diese Frau wird mit Maria gleichgesetzt, weil sie einen Sohn geboren, der bedroht war und zu Gott entrückt wurde. »Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.« (Offg 12,1) So steht Maria, auf der Erdkugel, mit dem Mond zu ihren Füßen. Die Sonne umstrahlt sie und ein Kranz von Sternen umgibt ihr Haupt. Sie trägt ihren Sohn auf dem Arm. Ganz anders diese Darstellung von Emil Wachter in der Autobahnkirche. Man sieht nur das Gesicht der Frau, ihre Haare wehen im Wind. Ein Kranz aus zwölf Strahlen umgibt sie. Und außen herum ein Kreis mit zwölf Sternen, die wie Edelsteine funkeln.





























































