Ökumenische Gedenkfeier am Mahnmal in Neckarzimmern

14.10.2026 | Baden erinnert an die vor 86 Jahren verschleppten Jüdinnen und Juden

Karlsruhe/Freiburg/Neckarzimmern. Gedenken an die Deportation badischer Jüdinnen und Juden nach Gurs: Die Evangelische Landeskirche in Baden, die Erzdiözese Freiburg und der Förderverein Mahnmal laden zu einer Gedenkfeier am Sonntag, 18. Oktober, 13.30 Uhr am ökumenischen Mahnmal der Evangelischen Jugendbildungsstätte Neckarzimmern (Steige 50) ein. Zur Erinnerung an diesen dunklen Teil deutscher Geschichte wird außerdem am 22. Oktober die Fotoausstellung „…von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ des Fördervereins Mahnmal in Karlsruhe eröffnet.
 
 
Vor 86 Jahren, am 22. und 23. Oktober 1940, wurden mehr als 5.600 badische Jüdinnen und Juden von den Nationalsozialisten aus ihren Heimatorten verschleppt, außerdem rund 900 Jüdinnen und Juden aus dem Saarland und der Pfalz. Die Menschen wurden [FM1] [AW2] zunächst ins Elsass und anschließend nach Südwestfrankreich gebracht. Viele von ihnen wurden im Lager Camp de Gurs interniert. Die Deportation erfolgte überraschend und unter menschenverachtenden Bedingungen: „Koffer packen und zum Abtransport bereithalten“ – mit diesem Befehl wurden jüdische Familien am frühen Morgen aus ihren Wohnungen geholt.
 
Das Ökumenische Jugendprojekt Mahnmal hält die Erinnerung an die Deportierten lebendig. Jugendgruppen und Schulklassen gingen in den vergangenen zwei Jahrzehnten in ihren Heimatorten auf Spurensuche und setzten sich mit den Lebensgeschichten der dort verfolgten und deportierten jüdischen Menschen auseinander. Sie gestalteten jeweils zwei Gedenksteine: Einer blieb am jeweiligen Heimatort, der andere wurde in Neckarzimmern aufgestellt. Die Gedenkstätte in Form eines Davidsterns besteht inzwischen aus 129 Gedenksteinen, die aus ebenso vielen Deportationsorten stammen. 
 
Zur Gedenkfeier spricht unter anderem Pfarrer Stephen Lakkis, Friedensbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden, über den Zusammenhang von Krieg, Vertreibung und Vernichtung, es werden Texte von Überlebenden gelesen und der evangelische Dekan Folkhard Krall (Mosbach) hält einen geistlichen Impuls. Der evangelische Landesposaunenchor umrahmt die Veranstaltung musikalisch. Im Anschluss an die Gedenkfeier laden die Veranstaltenden alle Teilnehmenden zu Kaffee und Kuchen in den Speisesaal der Jugendbildungsstätte Neckarzimmern ein. 

Fotoausstellung „… von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“

Ebenfalls zum Gedenken an die menschenverachtenden Ereignisse vor 86 Jahren wird am Donnerstag, 22. Oktober, in der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik / Agneshaus Karlsruhe die Ausstellung "... von der Bevölkerung kaum wahrgenommen" des Fördervereins Mahnmal eröffnet. Die Vernissage findet ab 12 Uhr, direkt nach der Gedenkfeier am Karlsruher Mahnmal Ecke Sophienstraße/Waldstraße (11 Uhr), statt.
 
Die Ausstellung zeigt Fotografien zur Deportation der badischen Jüdinnen und Juden nach Gurs im Oktober 1940 und widmet sich damit einem bisher wenig beachteten Aspekt der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der Zeit der NS-Herrschaft. Zu sehen sind hier alle bekannten Fotografien der Deportationen aus Bretten, Bruchsal, Gailingen, Kippenheim, Lörrach, Tauberbischofsheim und Weingarten. Die insgesamt 45 Aufnahmen widerlegen klar die Aussage Reinhard Heydrichs, die Abholung der Jüdinnen und Juden sei „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Wanderausstellung an mehreren Deportationsorten gezeigt. 
 
Im Agneshaus Karlsruhe ist die Ausstellung vom 22. Oktober bis zum 30. November, jeweils Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 15.30 Uhr, zu besichtigen. Die Anmeldung zur Ausstellung erfolgt über die Pforte am Eingang Hirschstr. 37a in Karlsruhe.
 
Weitere Informationen: www.mahnmal-neckarzimmern.de 
Zur Ausstellung in Karlsruhe: https://agneshaus.de/  
 
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Der neue Mensch

Am Johannes-Turm der Autobahnkirche wiederholt sich ein Motiv, das wir vom Noah-Turm schon kennen: Eva und Adam stehen unschuldig im Paradies, allerdings auch wieder unter einem Baum. Es ist die Illusion vom neuen Menschen, vom Neuanfang, die Emil Wachter hier beschwört. Doch die beiden Darstellungen unterscheiden sich kaum. Ob dieser Neuanfang möglich ist, bleibt abzuwarten, ganz realistisch ist er nicht, dazu ähneln sich die beiden Szenen zu sehr. Ist es möglich, dass der paradiesische Mensch entstehen kann, zurück in die Unschuld des Anfangs? Ist dieses Ideal nicht ein Selbstbetrug? Neuanfänge sind nötig, wir brauchen eine Korrektur dessen, was wir bisher getan haben. Korrektur heißt aber, dass man nicht bei Null anfängt, sondern all das, was bisher war, integriert wird. Der neue Mensch, wenn man überhaupt davon reden kann, trägt die Spuren des alten in und an sich. Der alte Mensch verschwindet nicht, er bildet das Material, für den neuen, Wir werden uns selbst nicht los. Wenn es dann im neuen Paradies auch noch Bäume gibt, dann bleibt ebenso die Versuchung bestehen, die werden wir nicht los. Im Gegenteil, es besteht so die Gefahr, dass alles von vorne anfängt, ein ewiger Kreislauf von Neuschöpfung und Schuldig-werden. Dann bleibt letzten Endes alles beim Alten, Fortschritt findet nicht wirklich statt. 
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