Hin- und hergerissen

Wofür soll man sich entscheiden, wenn von verschiedenen Seiten an einem gezogen wird? Manchmal ist die Entscheidung einfach und klar, weil wir klare Kriterien haben. Aber was ist, wenn wir zwischen Pest und Cholera wählen müssen und sich eine gute Lösung überhaupt nicht anbietet?
In dieser Darstellung an der Autobahnkirche erleben wir Abraham, der sich zwischen dem Anspruch Gottes nach unbedingtem Gehorsam und seinen Gefühlen als Vater entscheiden muss. Sein Gesicht ist ratlos, seine Hände zeigen die Zerrissenheit, in der er sich befindet.
Die Erzählung, in der ihn Gott auffordert, seinen einzigen und langersehnten Sohn zu opfern, wird of dazu hergenommen, um zu beschreiben, dass die Ansprüche, die Gott an uns Menschen stellt auf jeden Fall höher einzuordnen sind als die, die wir Menschen aneinander stellen. Aber diese Entscheidung ist perfide, denn sie bringt uns in unlösbare Konflikte. Aus heutiger Sicht darf Religion keine Ansprüche stellen, die gegen das Leben gerichtet sind. Und das ist gut so! Ja, es muss auch die Frage erlaubt sein, ob Religion und Glaube einen Menschen in diesen Konflikt stürzen dürfen, der alles andere als dem Leben dient.
Abraham wird von Gott gerettet, sein Vertrauen in Gott wurde bestätigt, Gott wollte sein Opfer nicht. Aber es ist allein schon eine untragbare Vorstellung, dass solch eine Entscheidung von Gott (oder seinen selbsternannten Vertreterinnen und Vertretern) eingefordert wird. Menschen sollen nie ins dieses Dilemma kommen müssen. Aufgabe von Religion ist es, Menschen aus der Zerrissenheit herauszuholen und zu einem Leben zu verhelfen, das ganzheitlich ist und dem Glück dient. Auf keinen Fall dürfen sie Menschen ins Unglück stürzen. Selbst wenn es um wichtige Glaubensfragen geht, muss die Frage erlaubt sein, ob sie dem Leben oder den Menschen dienen. Daran müssen sich Religionen messen lassen!
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Dazugehören

Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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