Gefängnis oder Freiheit

Blickt man durch das vergitterte Fenster im Johannesturm nach Westen, hat man einen schönen Blick in eine fast unverbaute Landschaft. Emil Wachter gibt diesem Fenster die Bezeichnung »Gefängnis«. So ganz leicht nachzuvollziehen ist diese Interpretation nicht. Das Fenster sieht eher aus wie ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter an einem Wohnhaus. Und man hat auch kein bedrückendes Gefühl, wenn man hindurchschaut, denn dieser Ort und dieser Blick strahlen Ruhe aus. Besonders wenn man an einem nebligen Tag hindurchblickt.
Geht es jetzt um Gefängnis oder um Freiheit? Wahrscheinlich um beides. Freiheit kann man nicht ganz ermessen, wenn man das Gegenteil davon nicht erlebt hat. Zum Gefängnis gehören mindestens drei Eigenschaften, die dieses Motiv beinhaltet. Da ist die dicke Mauer, die gefangennimmt und einsperrt. Da ist das vergitterte Fenster, das zwar den Blick nach außen ermöglicht, aber doch nur den Augen den Weg nach außen gestattet. Und da ist die unerreichbare Außenwelt, in die man sehnsuchtsvoll blicken kann. Und all das bringt noch denjenigen in den Fokus, der das erlebt: Eingesperrt-Sein, nach außen schauend und von der Außenwelt abgeschnitten. Sicherlich keine schöne Erfahrung und wohl nur von denen richtig verstanden, die es erlebt haben.
Der sehnsuchtsvolle Blick in ein unerreichbares Leben hingegen ist mehr Menschen vertraut. Wie oft fühlt man sich in seinem Leben nicht so recht wohl und hätte gerne ein anderes. Man fühlt sich dann eingesperrt in seinem Körper, in seiner Welt und kann nicht heraus. Mauern und Gitter halten einen zurück und es bleibt nur die Sehnsucht nach etwas anderem. Ab
er nach was? Die Welt dahinter liegt im Nebel, sie lässt sich nur erahnen. Aber wir brauchen diese Ahnung, damit wir weitergehen können. Vielleicht hilft es dann, wenn man durch das vergitterte Fenster am Johannes-Turm schaut. Und dann um den Turm herumgeht und den unverstellten Blick genießt.
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Wenn Abraham alle Menschen als Stammvater umfasst, kommt eine Botschaft heraus, wie sie besser nicht formuliert werden kann. Sie zieht sich durch die Heilige Schrift wie ein roter Faden. Beim Propheten Jesaja hört sie sich so an: »18b Der HERR sagt: »Die Zeit kommt, dass ich die Menschen aller Völker und Sprachen versammle. Sie alle werden zu mir kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich werde ein Zeichen unter ihnen aufrichten und Boten zu ihnen senden – Menschen aus allen Völkern, die sich mir angeschlossen haben. Zu den fernsten Küsten sende ich meine Boten, nach Tarschisch, Put und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan. Unter den Völkern, die noch nichts von mir gehört und meine herrlichen Taten nicht gesehen haben, sollen sie meinen Ruhm bekannt machen. 20 Wenn sie zurückkehren, werden sie alle eure Brüder und Schwestern mitbringen, die noch unter den Völkern zerstreut sind. Auf Pferden, Maultieren und Dromedaren, in Wagen und Sänften werden dann aus aller Welt die Zerstreuten meines Volkes zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem gebracht werden, als eine Opfergabe der Völker für mich, den HERRN – so wie ihr Israeliten eure Speiseopfer in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt. « (Jesaja 66,18b-20, Übersetzung Gute Nachricht).
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