Farbe des Lebens

Wohl kaum eine Farbe löst so viele Emotionen aus wie die Farbe Rot. Rot ist gefährlich, mit rot weisen wir auf Gefahren hin. Dort, wo Leben bedroht sein kann, warnen wir mit roten Hinweisen. Wir sind ganz wach, wenn etwas in rot aufscheint. Rot zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
Rot ist auch die Farbe der Liebe, das Feuer der Liebe brennt. Nicht zuletzt ist es das rote Herz, das innige Gefühle ausdrückt, die wir für andere empfinden. Und wenn es rote Rosenblätter regnet, dann haben zwei Menschen auf der Basis der Liebe ihren Bund fürs Leben geschlossen.
Rot steht für das Leben und Lebendigkeit. Die Farbe des Blutes lässt ganz schnell die Verbindung zum Leben aufkommen. Wenn es ums Leben geht, dann greifen wir wieder auf rote Symbole zurück. Und das »Rote Kreuz« steht für alle Bemühungen, Leben zu retten.
In der Autobahnkirche haben wir rote Elemente an den Türen und in fast jedem Fenster. Wenn man die Kirche betritt, hat man das Gefühl, dass die Farbe rot dominiert, auch wenn sie gar nicht so oft eingesetzt ist. An der Eingangstür im Osten, am Haupteingang, findet sich ein großer roter Punkt auf Augenhöhe. Dieser Punkt ist die Mitte des Kreuzes, das gleichzeitig einen Lebensbaum darstellt. Es ist aber kein einfacher roter Punkt, sondern ein roter Fleck, der nur so von Lebendigkeit strotzt. Die Farbe ist in Bewegung, sie lebt und wogt hin und her. Es ist ein lebendiges Rot, das uns zur Lebendigkeit einlädt. Wir dürfen an der Lebendigkeit teilhaben. Jesus lädt uns zu einem Leben in Fülle ein: Im Johannesevangelium sagt er: »Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.« (Joh 10,10). Man kann es sogar noch zuspitzen und von einem Leben in Maßlosigkeit reden, vom Leben ohne Maß. Vielleicht ist das ein Gedanke, der zunächst aufhorchen lässt und Widerspruch hervorruft. Aber bei genauer Betrachtung ist es genau das, zu dem wir aufgefordert sind: Unser Leben nicht durch Beschränkungen einzuengen. Maßlos leben heißt: von keiner Seite das Leben beschneiden lassen und es in allen seinen Facetten zu leben.
In der Freude, in der Liebe, aber auch in der Krankheit und zuletzt auch im Tod und in der Trauer. Was sonst können wir denn dem Tod entgegensetzen als ein maßloses Leben? Leben wir es im Rot!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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