Engelsflügel

Wie können wir von einer anderen Wirklichkeit reden, zu der wir vielleicht einen Erfahrungszugang haben, für die uns aber die Worte fehlen? Die Menschen standen immer wieder vor dieser schier unlösbaren Aufgabe. Konkret gesprochen heißt das: »Wie können wir von Gott in menschlicher Sprache reden, wo uns jegliches Wissen fehlt?«
Auf diese Frage gibt es keine letztgültige Antwort, wie denn auch. Jeder Mensch muss wohl selbst entscheiden, ob eer eine finden will und wie sie aussehen kann. Dabei hilft der Blick in die Tradition der großen Religionen. Wenn vom Göttlichen die Rede ist, dann wird meist vom »Oben« gesprochen. Dieses kann vom Menschen ja nicht erreicht werden. Die einzigen Wesen, die diese Distanz scheinbar überbrücken können sind Vögel, sie kommen aber nicht in göttliche Sphären. Es braucht also Wesen, die den Graben zwischen der göttlichen Sphäre oben und der menschlichen oder weltlichen Sphäre unten überwinden können. Die geflügelten Wesen, die in der Nähe Gottes leben und immer wieder mit einem bestimmten Auftrag in die Welt geschickt werden, sind geboren: Die Engel. Symbol für die Engel sind die Flügel, weil sie damit den Graben überwinden.
Es war seit jeher der Traum des Menschen, diesen Graben zu überwinden. Dabei reicht es natürlich nicht aus, lediglich fliegen zu lernen. Wir können uns aber darin einüben, dass unser Geist Flügel bekommt, um
sich in die göttlichen Sphären zu erheben. Vielleicht können wir im Betrachten der Engelsflügel am Johannesturm unsere eigenen Flügel entdecken, die wir haben, mit denen wir in der Nähe Gottes leben. Solche symbolischen Darstellungen helfen, den Blick zu öffnen.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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