Warten

Heute muss es schnell gehen. Dann hält es auf, wenn man warten muss. Ja, Warten müssen ist unangenehm. Sei es in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt, sei es im Wartezimmer beim Arzt, auf dem Bahnsteig auf den verspäteten Zug oder auch schon an der roten Ampel. Wenn wir warten müssen, verlieren wir Zeit. Warten passt nicht mehr in unsere Zeit.
Wir sind auch ungeduldig, wenn wir auf die Erfüllung eines Wunsches warten müssen oder wir nicht gleich das tun können, was wir wollen. Warten hindert uns daran, jetzt gerade glücklich zu sein. Ist das wirklich so? Kann Warten nicht auch zu einer Quelle des Glücks werden? An der Mose Treppe in der Autobahnkirche sehen wir die Darstellung einer sitzenden Frau. Sie hat sich in ihrer Position eingerichtete, als bliebe sie länger so sitzen. Diese Frau wartet. Dabei strahlt sie eine Ruhe aus, die ansteckend wirkt. Es ist die Haltung, die viele Menschen auch einnehmen, wenn sie beten. So wird aus der wartenden Haltung auch die Haltung des Gebetes. Und genaugenommen ist Beten ja nichts anderes als Warten. Betende warten darauf, dass sich Gottes Wille durchsetzt. Und dann ergreifen sie die Initiative und stehen auf.

Sich hinsetzen und es sich einigermaßen bequem machen und warten. Das kann beruhigen, wenn nichts anderes ist. Aber genau darum geht es. Sich Zeit nehmen und warten. Manchmal tut es gut, dieses Warten einzuüben. Dann wartet man auf Nichts. Diese Erfahrung hilft dann, wenn wir wirklich mal warten müssen, ebenso gelassen zu bleiben. Dann werden erzwungene Wartezeiten zur geschenkten Zeit, in der ich nichts anders tun muss als Warten.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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