Leben ist Begegnung

Menschen brauchen einander. Wir sind nicht zu Eremiten geschaffen. Am deutlichsten wird dies dadurch, dass wir darauf angewiesen sind, dass man mit uns spricht. Wir reden mit anderen und hören zu. Selbst wenn wir nicht so gesprächig sind, ohne Sprache können wir kaum mehr ausdrücken, was uns bewegt und wie wir einander brauchen.
Der menschlichen Rede voraus geht aber die Begegnung. Ich erkenne ein Gegenüber und trete mit ihm in Kontakt. Aus der Psychologie wissen wir, dass der erste Kontakt über die Augen geschieht, dann über die anderen Sinne. Und bevor überhaupt ein erstes Wort fällt, ist das meiste schon gesagt und festgelegt. Diesen ersten Eindruck können wir nur schwer revidieren.
Unser Leben ist durch Begegnungen gekennzeichnet. Wie oft im Laufe eines Tages blicken wir anderen in die Augen? Wie oft tauschen wir uns auch über Belangloses aus? Wie vielen Menschen begegne ich an einem Tag? Begegnung ist vielfältig, aber findet bei den vielen Kontakten, die wir tagtäglich nutzen, auch immer wirkliche Begegnung statt? Ist nicht schon im Vorfeld alles klar und wir meinen zu wissen, wie der andere zu uns steht und ob uns das anstehende Gespräch etwas bringt?
Leben ist Begegnung, keine Frage. Und jeder Mensch, dem ich in die Augen schaue, dem begegne ich auch. Aber wir müssen uns auch fragen, ob wir alle Dimensionen der Begegnung zulassen und diesem Menschen eine Chance geben. Sicherlich ist das nicht immer möglich. Je größer die Menschenmenge ist, umso oberflächlicher und anonymer ist die Begegnung. Wir können uns trotzdem immer wieder daran erinnern, dass wir auch die Chance zu einer wirklich tiefen Begegnung haben. Es liegt an uns, was wir zulassen.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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