Das dunkle Geheimnis Gottes

Wie kann man heute von Gott sprechen? Gibt es noch Bilder, mit denen wir das ausdrücken können, was wir unter Gott verstehen? Es ist schwer eine passende Ausdrucksform zu finden. Vielleicht hilft es, wenn man auf die traditionelle Bildersprache zurückgreift.
In der »christlichen Farbenlehre« steht Gold für das Göttliche. Überall dort, wo Gold auftaucht, ist Gott gegenwärtig. Heilige, die auf einen goldenen Untergrund gemalt werden, stehen in der Gegenwart Gottes. In alten Kirchen wird Gott mit zumindest vergoldeten Schnitzereien dargestellt und so darauf hingewiesen, dass Gott zugegen ist.
Auch in modernen Kirchen taucht dieses Farbenverständnis wieder auf. In der Rosette hinter dem Altar in der Autobahnkirche wird im Glasfenster viel Gold verwendet, das bei Sonnenuntergang noch schöner wirkt. Verschiedene Goldtöne umrahmen das Lamm aus der Apokalypse. Emil Wachter hat dieser göttlichen Gegenwart etwas entgegen gesetzt: Das Schwarz der Einfassungen für die goldenen Glasstücke und einen großen schwarzen Klecks. In modernen Darstellungen wird für das Unbegreifliche, für das Geheimnisvolle und für das Unnahbare Gottes die Farbe schwarz verwendet. Auch diese Seite gehört zu der Wirklichkeit, die wir Gott nennen, heute vielleicht mehr als früher.
So steht in der Autobahnkirche die alte Vorstellung der Herrlichkeit Gottes und die moderne des Nichtverstehens und der Aussagen all dessen, was Gott nicht ist, nebeneinander. Beide bilden eine Einheit, sie gehören zusammen. Schwarz und Gold stehen für das, was jeder und jede von uns von Gott versteht oder nicht versteht: Wir kennen beides, nur selten so ausgeglichen und einheitlich wie im Fenster der Autobahnkirche zu sehen.


 
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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