Das dunkle Geheimnis Gottes

Wie kann man heute von Gott sprechen? Gibt es noch Bilder, mit denen wir das ausdrücken können, was wir unter Gott verstehen? Es ist schwer eine passende Ausdrucksform zu finden. Vielleicht hilft es, wenn man auf die traditionelle Bildersprache zurückgreift.
In der »christlichen Farbenlehre« steht Gold für das Göttliche. Überall dort, wo Gold auftaucht, ist Gott gegenwärtig. Heilige, die auf einen goldenen Untergrund gemalt werden, stehen in der Gegenwart Gottes. In alten Kirchen wird Gott mit zumindest vergoldeten Schnitzereien dargestellt und so darauf hingewiesen, dass Gott zugegen ist.
Auch in modernen Kirchen taucht dieses Farbenverständnis wieder auf. In der Rosette hinter dem Altar in der Autobahnkirche wird im Glasfenster viel Gold verwendet, das bei Sonnenuntergang noch schöner wirkt. Verschiedene Goldtöne umrahmen das Lamm aus der Apokalypse. Emil Wachter hat dieser göttlichen Gegenwart etwas entgegen gesetzt: Das Schwarz der Einfassungen für die goldenen Glasstücke und einen großen schwarzen Klecks. In modernen Darstellungen wird für das Unbegreifliche, für das Geheimnisvolle und für das Unnahbare Gottes die Farbe schwarz verwendet. Auch diese Seite gehört zu der Wirklichkeit, die wir Gott nennen, heute vielleicht mehr als früher.
So steht in der Autobahnkirche die alte Vorstellung der Herrlichkeit Gottes und die moderne des Nichtverstehens und der Aussagen all dessen, was Gott nicht ist, nebeneinander. Beide bilden eine Einheit, sie gehören zusammen. Schwarz und Gold stehen für das, was jeder und jede von uns von Gott versteht oder nicht versteht: Wir kennen beides, nur selten so ausgeglichen und einheitlich wie im Fenster der Autobahnkirche zu sehen.


 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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