... wo er gelegen hat

Der Kern der christlichen Verkündigung ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Tod hat nicht das letzte Wort, es geht weiter. Es folgt die Auferstehung. Und da wird es schwierig. Wie können wir von etwas reden, für das wir keine Worte geschweige denn einen offensichtlichen Beweis haben? In den Evangelien werden zwei Arten gezeigt, wie die Jünger damals zum Glauben an die Auferstehung kamen: Es gab Erscheinungen des Auferstandenen und das leere Grab wurde gezeigt. In dieser Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir die zweite.
Frauen kommen zum Grab, um den Leichnam Jesu zu Salben. Sie finden das Grab leer vor, ein Mann zeigt ihnen die Stelle, an der der tote Leib lag. Hier sehen wir das Hinweisen. Eine Hand, die gleichsam aus dem Nichts, aber doch von oben kommt, deutet auf den Stein, auf den Jesus gelegt wurde. Die andere Hand ist offen und einladend ausgestreckt, als wollte sie sagen: Komm her und schau es Dir an. Nach der Erzählung fliehen die Frauen entsetzt und verstört vom Grab weg. Die Einladung hat nicht funktioniert. Aber das verstehen wir ja, wir würden wahrscheinlich genauso reagieren. Die Frauen hatten die Chance, im Gegensatz zu uns, am Originalschauplatz zu überprüfen, dass Jesus auferstanden ist. Sie nutzen sie nicht. Geht es aber um diesen Gegensatz? Nein. Wir können diese Darstellung auch übertragen lesen.
Dann hört es sich so an: »Komm her an diesen Ort, komm ganz nahe, fürchte dich nicht. Hier hat er gelegen, von hier geht alles aus.« Das ist in unsere Gegenwart gesprochen. Es heißt: »Diese Kirche, dieser stille Ort zeigt es Dir, da hat er gelegen. Komm her und überzeuge Dich. Hier kannst Du eine wesentliche Erfahrung machen. Hab keine Angst. Lass dich darauf ein!«
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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