In einem Weltbild, in dem Gott oben im Himmel wohnt, ist das Bild des Aufstiegs naheliegend, aber deshalb nicht gleich hilfreich. Denn das Ziel bleibt unklar, Gott ist trotz allem in eine unerreichbare Ferne gerückt. Bei allem Bemühen, ist dieses Ziel nicht erreichbar. Ja, mit jeder Stufe rückt das Ziel ebenfalls wieder weiter weg. Was vielleicht im menschlichen Alltag ein Ansporn sein kann, ist für den spirituellen Bereich eher schädlich. Neben den Verlockungen, die eine erreichte Höhe bietet, kommen die Anstrengungen des Weges dazu. Jede und jeder, der oder die einen spirituellen Weg geht, weiß, dass Anstrengung und Verbissenheit nicht wirklich weiter bringen.
Es geht eher um ein Zulassen von dem, was um mich herum ist, als mich aus all dem zu lösen. Es ist der Verdienst der mystischen Traditionen in allen Religionen, die zwar hin und wieder das Bild der Leiter gebrauchen, aber gleichzeitig betonen, dass der Weg zu Gott nicht nach oben, sondern vielmehr in unser Innerstes führt.
Es ist die Erfahrung, dass ich Gott nicht erreichen kann als Endpunkt eines steilen Weges, dass es unmöglich ist, zu Gott aufzusteigen, sondern dass ich Gott dann finde, wenn ich ganz in der Gegenwart, im Hier und Jetzt bin. Im gegenwärtigen Dasein ist Gott zu entdecken, nicht oben, an der Spitze einer unendlich langen Treppe.













