Zu Gott aufsteigen

Es ist in der christlichen Tradition ein beliebtes Motiv: Die Leiter oder Treppe in den Himmel. Seit dem Traum, in dem Jakob eine Leiter von der Erde zum Himmel sah auf der Engel auf und nieder stiegen, taucht die Himmelsleiter immer wieder auf. Auf dem Weg zur Vollkommenheit steigen Menschen immer weiter zu Gott auf. Auf diesem mühsamen und langwierigen Klettern bleiben Versuchungen nicht aus und viele scheitern, kommen nie oben an oder werden von der Versuchung in die Tiefe und ins Verderben gerissen. Aber der Weg zu Gott bleibt eine Leiter, der Weg zum Heil ist nach wie vor steil und vor allem mühsam.
In einem Weltbild, in dem Gott oben im Himmel wohnt, ist das Bild des Aufstiegs naheliegend, aber deshalb nicht gleich hilfreich. Denn das Ziel bleibt unklar, Gott ist trotz allem in eine unerreichbare Ferne gerückt. Bei allem Bemühen, ist dieses Ziel nicht erreichbar. Ja, mit jeder Stufe rückt das Ziel ebenfalls wieder weiter weg. Was vielleicht im menschlichen Alltag ein Ansporn sein kann, ist für den spirituellen Bereich eher schädlich. Neben den Verlockungen, die eine erreichte Höhe bietet, kommen die Anstrengungen des Weges dazu. Jede und jeder, der oder die einen spirituellen Weg geht, weiß, dass Anstrengung und Verbissenheit nicht wirklich weiter bringen.
Es geht eher um ein Zulassen von dem, was um mich herum ist, als mich aus all dem zu lösen. Es ist der Verdienst der mystischen Traditionen in allen Religionen, die zwar hin und wieder das Bild der Leiter gebrauchen, aber gleichzeitig betonen, dass der Weg zu Gott nicht nach oben, sondern vielmehr in unser Innerstes führt. 

Es ist die Erfahrung, dass ich Gott nicht erreichen kann als Endpunkt eines steilen Weges, dass es unmöglich ist, zu Gott aufzusteigen, sondern dass ich Gott dann finde, wenn ich ganz in der Gegenwart, im Hier und Jetzt bin. Im gegenwärtigen Dasein ist Gott zu entdecken, nicht oben, an der Spitze einer unendlich langen Treppe.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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