Schlüssel zum Leben

Seit es Türen gibt, gibt es auch Schlüssel, um sie zu- und wieder aufzuschließen. Wenn wir das Haus oder die Wohnung verlassen, ist es ganz normaler Vorgang, die Tür abzuschließen oder einfach ins Schloss fallen zu lassen. Genauso normal ist es dann auch, mit dem Schlüssel diese Tür wieder aufzuschließen. Wenn Türen abgeschlossen sind, dann schütze ich mein Eigentum. Ich kann mich einschließen und entsprechend Schutz finden. Vielleicht sind unsere Türen und unsere Schlösser Ausdruck unseres Misstrauens der Welt gegenüber, die nicht ganz so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Und sie sprechen auch von dem Misstrauen besonders anderen Menschen gegenüber, die in meine Privatsphäre eindringen können. Wenn ich dann jemanden einen Schlüssel gebe, ist das ein Vertrauensbeweis. Ich erlaube einzelnen ausgewählten Personen den Zutritt zu meiner Privatsphäre.
Petrus erhält die Schlüssel zum Himmelreich. Er wird deshalb oft als Pförtner an der Himmelspforte dargestellt, der darüber entscheidet, ob Menschen Zutritt gewährt werden kann oder nicht. Der Himmel steht nur auserwählten Personen offen. So suggeriert dieses Bild. Wir selbst halten diese Schlüssel nicht in Händen. Mir kommen dabei einige Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind:
Muss der Himmel abgeschlossen sein, um ihn vor unberechtigtem Zutritt zu schützen? Hält der Himmel das nicht aus? Müsste nicht für jeden Platz sein, eben weil es der Himmel ist? Haben nur ein paar wenige Auserwählte Zutritt zum Himmel, der Ort, am dem ein alles liebender Gott gegenwärtig ist? Dürfen wir uns mit einer Vorstellung abfinden, in der der Himmel verschlossen ist?
Können wir nach der Botschaft Jesu nicht getrost die Schlüssel zum Himmel verlieren, weil er für alle offen steht? Und ein Wächter an der Himmelspforte ist nicht nötig, höchstens einer, der uns freundlich die Tür aufhält und sagt: »Herzlich Willkommen, wir haben auf dich gewartet.«
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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