Weil Gott sich davonmacht

Warum ist der Thron, der eigentlich Gott gehört, leer und verlassen? Gott hat sich davon gemacht. Diese Welt, seine Schöpfung interessiert ihn nicht mehr, ein Spielzeug wurde uninteressant. Oder hält Gott es nicht mehr aus, was die Menschen untereinander und mit der Schöpfung anstellen, so dass Gott sich angewidert abwendet und nichts mehr mit all dem zu tun haben will. Wie auch immer man sich den leeren Thron erklärt, auf diese Weise bleibt der Mensch allein und verlassen zurück. Der leere Thron steht dann gewissermaßen für die Einsamkeit des Menschen in der Schöpfung. Wie wird dieses Herrschaftsvakuum gefüllt?
Eine Welt, eine Menschheit, die sich selbst überlassen wird, trägt eine große Verantwortung. Wird sie dieser auch gerecht. Je nachdem, wer auf diesem Herrscherthron Platz nimmt, ist dann auch für alles Übel in der Welt verantwortlich und muss einen Grund für alles schaffen. Und die Frage nach dem Sinn stellt sich dann umso mehr.
Aber ist das die Lösung? Muss dieser Platz dann nicht doch besser leer bleiben? Wenn wir Menschen gezwungen sind, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, dann haben wir eine große Verantwortung, die gleichzeitig eine riesige Verpflichtung ist. Wenn wir beanspruchen, an der Stelle Gottes zu handeln, dann ist das auch Ausdruck unserer eigen Überheblichkeit und brandgefährlich. Die Geschichte hat es immer wieder gezeigt, dass dann, wenn Menschen gottgleichen Status hatten, das Unglück auf den Fuß folgte. Wenn Gott den Thron verlassen hat, warum auch immer, dann liegt es an uns, wie wir die Welt gestalten. Setzen wir uns auf den Thron und herrschen gottgleich?
Oder nehmen wir unsere Verantwortung und handeln als Menschen im Blick auf eine menschliche Welt? Um an der Stelle Gottes zu handeln, müssen wir nicht Gott sein, es reicht vollkommen, wenn wir Menschen sind und bleiben und für eine Menschlichkeit eintreten.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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