Überleben kann ich nicht allein!

Alles Lebendige will leben, jeder Mensch will überleben. Es ist die menschliche Grundbedingung, dass wir leben wollen und dass wir das wahre Leben suchen. Und unser täglicher Kampf ums Überleben ist wirklich. Er stellt sich oft nicht so dar, meist ist es eher das Alltägliche, der normale Trott, der uns gefangen hält - und der etwas von diesem Überlebenskampf an sich hat. Und ganz schnell nistet sich in unseren Köpfen die Erkenntnis ein, dass ich das alleine schaffen muss, weil ich ja für mich und mein Leben verantwortlich bin. Es sind dann Schlagworte wie »Nur Du kannst Dich retten!« oder »Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!«. An diesen Sätzen ist etwas Wahres dran, aber sie treffen nicht immer unsere Lebenswirklichkeit.
Es ist richtig, dass man bis zum Letzten kämpfen kann, alles Leben will am leben bleiben und das ist gut so. Jeder Überlebenskampf hat einen Funken Hoffnung auf Heil in sich, Hoffnung darauf, dass es wieder gut wird. So heißt es denn auch: »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren!« Es ist für uns Menschen in der Postmoderne fast schon zur Pflicht geworden, sich gegen ein mutmaßlich auferlegtes Schicksal zu wehren. Und das ist eine gnadenlose Überforderung. Einem Schicksal, das wir nicht kennen, können wir uns weder ergeben, noch entgegenstellen.
Der Ertrinkende, der seine Hände hilfesuchend ausstreckt, zeigt uns einen Weg. Emil Wachter hat ihn an der südlichen Treppe zur Krypta in der Autobahnkirche dargestellt. Er gibt nicht auf, er kämpft. Aber er weiß, dass er den Kampf alleine nicht gewinnen kann. Er braucht andere, macht auf sich aufmerksam und ruft um Hilfe. Und dieses Bewusstsein, dass wir den Überlebenskampf nicht alleine führen und gewinnen können, ist hilfreich und zeigt uns , Leben immer auch auf andere bezogen bleibt.
Wenn ich alleine bin, geh ich schneller verloren, als wenn ich in der Gemeinschaft lebe. Das Überleben des Einzelnen und der ganzen Menschheit geht nur gemeinsam. Der einzelne Mensch muss zeigen, dass er Hilfe braucht, dann kann die Gemeinschaft helfen. Überleben kann man nicht allein.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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