Ich mache alles neu!

Ist es ein Thema für Religionen, dass sich alles verändert? Kann Veränderung ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Thema der Religion sein? Normalerweise stehen Religionen für das Traditionelle, für die Überlieferung und die möglichst genaue und unveränderte Weitergabe von Glaubenswissen. Schreibt man der Religion diese Aufgabe zu, dass sie für die Bewahrung des Bestehenden verantwortlich ist, dann ist der Satz: »Ich mache alles neu!« aus dem letzten Kapitel der Apokalypse eine Provokation.
Was würde es bedeuten, wenn man der Religion die Aufgabe der Veränderung zuschreibt? Wir müssten uns dem stellen, was Tradition ist. Vor allem geht es darum, welche Bedeutung die schriftliche Überlieferung und die Praxis, die über Generationen weitergegeben wurde, hat. Der Komponist Gustav Mahler hat einmal folgenden Satz geprägt: »Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Glut.« Er spricht von einer umwälzenden Energie der Tradition. Hier kommt die verändernde Kraft von Religion zum Tragen. Wenn unsere Praxis nicht immer neu geschaffen wird, wenn wir nicht das, was wir von den Vorfahren übernommen haben, in unsere Zeit übersetzen und an unsere Nachkommen weitergeben, dann hat Glaube und Religion keine Chance mehr. Wir können getrost darauf vertrauen, dass wir nicht alles selbst tun müssen. Traditionen werden von Gemeinschaften begründet, nicht von Einzelnen und sie werden auch von Gemeinschaften getragen. Das gleiche gilt für anstehende Veränderungen.
In der Apokalypse lesen wir noch eine andere Zusage: Neues hat eine andere Quelle. Göttliche Geistkraft ist es, die Neues schafft. Wir dürfen dem trauen, mehr können wir nicht tun. Lassen  wir dieses Wirken zu, dann wird alles neu.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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