Langweilig oder Lange Weile

Ganz unauffällig, so, dass man es auch leicht übersehen kann, versteckt sich ein Fenster in der Autobahnkirche in der Nordwestecke. Und es gibt ja nichts in diesem Fenster, das die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Eine fast gleichmäßige Struktur, ohne Farben, ohne Abwechslung, Unterschiede nur durch die Herstellung der einzelnen Abschnitte bedingt. Man will den Blick gleich wieder abwenden und nach etwas abwechslungsreicherem suchen. Aber genau das ist wohl auch die Absicht von Emil Wachter. Er verführt uns, den Blick schweifen zu lassen, weil es hier ja nichts zu sehen gibt.
Aber dieses Fenster birgt doch ein Sinnbild in seiner Langweiligkeit. Es ist eines der wenigen Fenster, in denen man etwas mehr von der Welt draußen sieht. Und so ist unser Alltag. Wir hätten es gerne klar strukturiert und geordnet, regelmäßig und vorhersehbar. Das gibt Sicherheit und hilft tiefer zu schauen. Wenn man nun aber diese Langeweile aushält, dann wird wirklich lange Weile, ein langes Verweilen möglich. Wir sind nicht abgelenkt und die Konzentration auf das Wesentliche wird erleichtert. Wenn die Weile, wenn der Augenblick lang wird, dann treten wir schließlich in die Ewigkeit ein.
Langweilig wird es dann, wenn uns nichts mehr einfällt. Wahrscheinlich der Zustand, den wir heute mit allen Mitteln vermeiden wollen, es muss ja etwas laufen, langweilig verbrachte Zeit ist schlecht genutzte Zeit. Doch - und das zeigt uns jede spirituelle Schule - ist Lange Weile nötig, um zum Wesentlichen
vorzudringen. Wir lernen dabei, die Langeweile auszuhalten und diese scheinbar unnütze Zeit zu nutzen, um unser wahres Wesen zu entdecken. Je weniger Ablenkung da ist, um so einfacher wird es. Angelus Silesius schreibt im Cherubinischen Wandersmann: »Mensch, werde wesentlich, denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.« (II,30)
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Aktuelles
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.