Langweilig oder Lange Weile

Ganz unauffällig, so, dass man es auch leicht übersehen kann, versteckt sich ein Fenster in der Autobahnkirche in der Nordwestecke. Und es gibt ja nichts in diesem Fenster, das die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Eine fast gleichmäßige Struktur, ohne Farben, ohne Abwechslung, Unterschiede nur durch die Herstellung der einzelnen Abschnitte bedingt. Man will den Blick gleich wieder abwenden und nach etwas abwechslungsreicherem suchen. Aber genau das ist wohl auch die Absicht von Emil Wachter. Er verführt uns, den Blick schweifen zu lassen, weil es hier ja nichts zu sehen gibt.
Aber dieses Fenster birgt doch ein Sinnbild in seiner Langweiligkeit. Es ist eines der wenigen Fenster, in denen man etwas mehr von der Welt draußen sieht. Und so ist unser Alltag. Wir hätten es gerne klar strukturiert und geordnet, regelmäßig und vorhersehbar. Das gibt Sicherheit und hilft tiefer zu schauen. Wenn man nun aber diese Langeweile aushält, dann wird wirklich lange Weile, ein langes Verweilen möglich. Wir sind nicht abgelenkt und die Konzentration auf das Wesentliche wird erleichtert. Wenn die Weile, wenn der Augenblick lang wird, dann treten wir schließlich in die Ewigkeit ein.
Langweilig wird es dann, wenn uns nichts mehr einfällt. Wahrscheinlich der Zustand, den wir heute mit allen Mitteln vermeiden wollen, es muss ja etwas laufen, langweilig verbrachte Zeit ist schlecht genutzte Zeit. Doch - und das zeigt uns jede spirituelle Schule - ist Lange Weile nötig, um zum Wesentlichen
vorzudringen. Wir lernen dabei, die Langeweile auszuhalten und diese scheinbar unnütze Zeit zu nutzen, um unser wahres Wesen zu entdecken. Je weniger Ablenkung da ist, um so einfacher wird es. Angelus Silesius schreibt im Cherubinischen Wandersmann: »Mensch, werde wesentlich, denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.« (II,30)
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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