Der Atem der Freiheit

Motorradfahren! Eine einzigartige Freizeitbeschäftigung. Wen einmal dieser Virus gepackt hat, der wird ihn nicht mehr los! Kaum eine Betätigung wird so sehr mit dem Gefühl von Freiheit verbunden wie das Fahren mit dem Motorrad. Dazu kommt der direkte Kontakt mit der Straße, man spürt körperlich jede Bodenwelle, jede Bewegung und jeden Luftzug. Motorradfahrer kommen zudem immer schneller voran, am Stau kann leichter vorbeigefahren werden. Geschwindigkeit ist leibhaftig spürbar. Es ist eine eigene Welt, in die alle, die Motorrad fahren, eintauchen, und je nach Motorrad auch in eine Szene mit einem eigenen Lebensstil.
Als die Autobahnkirche in den späten siebziger Jahren gestaltet wurde, spielte das Motorrad als Kultobjekt noch nicht die Rolle, die es heute innehat. Damals war es eher ein Fortbewegungsmittel für junge Leute, die sich noch kein Auto leisten konnten. Nur wenige fuhren aus reinem Spaß. In der Zwischenzeit hat sich viel verändert. Die Maschinen wurden immer stärker, die Geschwindigkeiten, die gefahren werden können, sind enorm, und die Vernetzung untereinander ist gewachsen. Aber auch die Gefahren! Emil Wachter gestaltet an der 2004 geschaffenen Christophorus-Stele in der Autobahnkirche einen Motorradfahrer und trägt dieser Entwicklung Rechnung. Er übergibt das Motorradfahren auf besondere Weise in die Obhut des Patrons aller Reisenden und aller Menschen, die unterwegs sind.
Auf einem Motorrad können auch spirituelle Erfahrungen gemacht werden.
Das Erleben des eigenen Körpers, die Anstrengung beim Fahren, die Erfahrung der Natur und der Technik, die Gemeinschaft, wenn man in der Gruppe ausfährt, all das hat religiösen Charakter und bringt uns mit uns selbst in Kontakt. Und dann ist da noch die größere Gefahr, die mit dieser Fortbewegung verbunden ist. Die große Zahl an Opfern, die das Motorradfahren fordert, spricht Bände. Kein Wunder also, dass der Heilige Christophorus als Patron ins Spiel kommen darf. Denn mit dem Segen Gottes zu fahren macht bewusst, dass Freiheit auch einen Preis hat. Und wir sind darauf angewiesen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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