Zwischen Hoffen und Bangen

Miriam, - ihr Name bedeutet »Bitteres Meer« - die Schwester des Mose, durchlebt Höhen und Tiefen des Lebens. Sie sitzt am Wasser, als ihr Bruder im Weidenkörbchen ausgesetzt wird. Sie beobachtet, wie der Junge von der Tochter des Pharao gefunden wird. Sie vermittelt ihre Mutter als Amme für das Kleinkind. Sie führt mit ihren Brüdern den Zug in die Freiheit an und findet als erste die Worte, die die Unterstützung durch Gott preisen. Aber sie zweifelt auch an der Autorität des Mose und wird mit Aussatz bestraft, der sie zwingt, außerhalb des Lagers der Israeliten zu leben. Sie tut das, was sie tun muss, und trägt die Konsequenzen, selbst wenn sie nicht weiß, worin genau ihre Verfehlungen bestanden haben. So sitzt sie da, in sich gekehrt und gebeugt.
Sie ist hin- und gerissen zwischen verschiedenen Ansprüchen. Sie entscheidet sich nicht dafür, die Hände in den Schoß zu legen, sondern sie bleibt aktiv und gestaltet mit. Sie ist bereit, die Konsequenzen für ihr Handeln zu tragen. Sie hat das Amt, das sie innehat, nicht angestrebt, sie findet sich aber in der Verantwortung wieder. Sie erlebt an vorderster Front das mit, was ihr Volk durchmacht, alles Hoffen und Bangen, und ist doch gezwungen eher Hoffnung zu vermitteln als der Verzweiflung nachzugeben.
Miriam ist eine Gestalt, die man wohl als tragische Figur bezeichnen kann. Sie übernimmt Verantwortung und trägt all das mit, was damit verbunden ist. Sie scheut sich nicht, die Beschädigung
en an Leib und Leben in Kauf zu nehmen, um das zu tun, was sie tun muss und will. Sie erntet dafür kaum Ehre und Anerkennung - davon wird im Buch Exodus wenig geschrieben, sondern Erniedrigung, Schmerz und Scham. Sie teilt damit das Schicksal vieler Menschen, die trotz ihrer verantwortungsvollen Aufgaben, die sie haben, doch nicht die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen, und eher Spott und Häme ernten.
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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