So was von verzweifelt

»Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr, Gott, erhör mein Rufen!« So dichtet Martin Luther in seinem bekannten Kirchenlied. Er zitiert den Psalm 130. Emil Wachter verbindet diesen Vers mit der Verzweiflung Jesu am Ölberg. Eine Gestalt, an der man schon die Wundmale und das bevorstehende Leiden erkennt, reckt flehend die Hände nach oben und bittet um Hilfe.
Diese Darstellung kann man als Sinnbild für Verzweiflung und Ausweglosigkeit sehen. Welche Fragen beschäftigen einen Menschen in dieser Situation? »Ich kann nicht mehr!« »Ich weiß nicht mehr weiter!« »Da, wo es mich jetzt hintreibt, da will ich doch gar nicht hin!« Diese Verzweiflung, so erzählt es der Evangelist, ist Jesus nicht fremd, im Gegenteil, er ist davon in Beschlag genommen. Er erlebt die Einsamkeit des Verzweifeltseins, er ist in sich gekrümmt und windet sich. Diese Situation ist nicht auflösbar, sie kann auch nicht von außen aufgebrochen werden.
Gibt es Hilfe , wenn Verzweiflung und Angst uns treiben? Vielleicht ist es die einzige Aufgabe von Religion, hier einzugreifen. Durch Geschichten von Heil-Sein, Rettung und Erlösung, dadurch, dass eine Sehnsucht nach einem anderen, besseren Leben aufrechterhalten wird, dadurch, dass es Rituale gibt, die aufrichten und Halt geben, wird etwas Neues geschaffen. Dem, was niederdrückt, wird etwas Aufrichtendes entgegengestellt. Die Angst wird mit einer Verheißung entkräftet, der Verzweiflung wird mit einer Sehnsucht begegnet.
Damit ist aus christlicher Sicht eine wichtige und wohl die edelste Aufgabe der Kirche umrissen - da ist das Gebäude und die Institution gemeint: Menschen aufzurichten, ihnen zu helfen gegen ihr Schicksal aufzustehen, das, was niederdrückt, abzuschütteln. Gut, wenn Menschen das erfahren, wenn sie in unsere Kirchen kommen, gut wenn sie durch andere Menschen aufgerichtet werden. Damit der Schrei aus tiefer Not nicht ungehört verhallt!
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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