Was willst Du denn hier?

Wer die Autobahnkirche besucht, wird von vielen Gestalten angeblickt. Eine davon ist Elischa, der von der Westseite des Elia-Turmes den Betrachter anschaut. Der fragende Blick des Prophetenschülers ist herausfordernd, wie er von der obersten Galerie des Turmes herunterschaut. Es scheint als wolle er fragen: »Was willst Du denn hier?« Der Besuchende kann in einen Dialog mit Elischa treten. Die erste Reaktion ist vielleicht ein Schulterzucken, das andeutet, dass der Weg zufällig zu diesem Turm geführt hat. Das ist aber auch die beste und unvoreingenommene Reaktion. Denn jetzt kann ich mit mir ins Gespräch kommen: »Was erwartest Du Dir von den nächsten Augenblicken, wenn Du hier über das Gelände gehst?« Selten bleibt es dann beim Schulterzucken, denn es kommen konkrete Anliegen in den Blick. Von Ruhe und Entspannung bis zum direkten Gespräch mit Gott. Aus der Frage: »Was willst Du denn hier?«, die auf den ersten Blick abweisend klingt, wird ein »Sei da, das ist ein guter Ort für Dich!«
Elischa, der uns in der Darstellung von Emil Wachter entgegentritt, ist für alle eine Herausforderung. Elischa hat  eine Botschaft. Er sagt: »Ich bin jetzt da, so wie ich immer da bin und warte, bis jemand hierher kommt! Und jetzt bist Du da, gerade jetzt, für ein paar Augenblicke. Du bist jetzt so da, wie Du im Augenblick bist, unverstellt. Mir musst Du nichts vormachen. So wie Du jetzt hier bist, bist du hier, und so ist es gut.« Es ist die Botschaft der ganzen Autobahnkirche mit ihrem Gelände, die Elischa verkörpert. Er spricht mit seinem Blick die Einladung aus, die diese Kirche ausdrückt. Auf einer Unterbrechung der Fahrt, muss ich nichts besonderes tun, ich kann kommen und mich ausruhen, ich nutze die Zeit, um zu entspannen, an was anderes zu denken, den Blick und die Gedanken schweifen zu lassen. Es geht nicht um eine bestimmte Botschaft, die ich von hier mitnehmen muss, sondern es reicht, wenn ich an einem Platz war, der mir gut getan hat.  Es sind diese Momente, in denen die Seele offen ist für Neues und zur Ruhe kommen kann.
Elischa fordert uns heraus, alles sein zu lassen, was uns belastet. »Hier ist es gut, hier darfst Du sein!« Das ist der eindringliche Blick des Propheten, so schaut er uns an. Wir können uns von ihm und von der ganzen Kirche berühren lassen. Ein Ort, der mir gut tut. Wenn Kirchen nicht mehr dafür da sind, wofür denn dann?
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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