Petrus erschrickt

Der Besucher, der zur Autobahnkirche kommt, geht durch das Abrahamstor und sieht dabei zwangsläufig die Gestalt des Petrus. Es ist eine der wenigen Figuren, die vollplastisch ausgeführt sind. Jesus hat Petrus auserwählt, dass er den Jüngerkreis anführen soll, wenn er nicht mehr unter ihnen ist. Diese Ehre gibt dem Petrus viel Selbstvertrauen und er beginnt, sich selbst zu überschätzen. Er glaubt, allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Jesus warnt ihn zwar und sagt voraus, dass er ihn verraten würde, aber das will Petrus nicht glauben. Keine zwölf Stunden später ist es dann doch geschehen. Petrus erschrickt über sich selbst. Seine Überheblichkeit wird ihm bewusst. Emil Wachter hat diesen Moment des Erschreckens festgehalten. Petrus hält sich entsetzt die Hand vor den Mund, jedes Wort, das er im Übereifer gesprochen hat, reut ihn.
Der erschrockene Petrus erinnert uns daran, dass wir oft vollmundig Dinge versprechen, die wir nicht einhalten können. Gerade wenn es um sogenannte weiche Fakten und softskills geht, stehen wir in der Gefahr unsere Fähigkeiten zu überschätzen. Petrus lernt seine Lektion. Ob es nachhaltig ist, kann man nicht so genau sagen, denn er spricht weiterhin ein offenes Wort. Aber jetzt ist er bereit, die Konsequenzen für sein Tun zu tragen, was für ihn der Legende nach im Martyrium endet. Es geht nicht darum, dass wir Dinge versprechen, die uns überfordern können, sondern ob wir bereit sind, die Konsequenzen zu tragen. Nicht das Erschrecken ist ausschlaggebend, sondern die Angst vor den Konsequenzen, die unsere Versprechungen mit sich bringen.

Quelle: Norbert Kasper

Wir dürfen wie Petrus erschrecken. Wir müssen uns aber auch fragen: »Bist Du bereit, die Konsequenzen auf Dich zu nehmen?« Diese Versprechen sollten wir immer wieder hinterfragen. Und dann ist unser Mut gefragt. Wir dürfen Angst vor der eigenen Courage haben. Petrus hatte die auch, aber in der Gemeinschaft mit den Freundinnen und Freunden hatte er den Rückhalt gefunden, den er brauchte, um seinen Weg zu gehen. Dafür ist Gemeinschaft und dafür ist Kirche da.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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