Folterknechte

Wer durch das Abrahamstor in die Autobahnkirche geht, kommt an einem verstörendem Bild vorbei. Unter der Überschrift »Sodom und Gomorrha« wird eine Folterszene gezeigt. Und Emil Wachter spart nicht mit Schrecken und Schmerz, wenn er zeigt, wie Menschen einem Hilflosen Leid und Qual zufügen. Sodom und Gomorrha meint in seiner Vorstellung nicht den freien Umgang mit Sexualität, sondern all das, wo Menschen einander das Leben unmöglich machen und die Lebensgrundlagen zerstören. Folter ist eine Methode, in der es nicht nur darum geht, Menschen zu einer Aussage zu zwingen, sondern auch um sie zu erniedrigen, ihren Willen zu brechen und die eigene Macht auszuleben. So wurde und wird sie seit Menschengedenken eingesetzt. Wir denken, dass wir schon weiter wären, aber die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.
Dass heute noch immer gefoltert wird, ist nur deshalb möglich, weil es Menschen gibt, die Folter nicht nur zulassen, sondern sie auch anordnen. Sicherlich sind dies die wahren Schuldigen, die zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Es gibt aber auch die willfährigen Handlanger, die, aus welchen Gründen auch immer, diese Befehle ausführen. Auch sie haben Mitschuld und können sich nicht auf die Struktur von Befehl und Gehorsam herausreden. Wer gewalttätig gegen andere ist, holt auch für sich etwas heraus und handelt nicht nur aus Gehorsam heraus, sondern befriedigt auch eigene Interessen.
Schließlich gibt es auch die Gesellschaft, die um Folterpraktiken weiß - und schweigt. Diese »Schweigende Mehrheit« ist es, die Folter in großem Umfang erst ermöglicht. Warum wird geschwiegen? Aus Angst, selbst Opfer zu werden? Aus der Hoffnung heraus, dass dadurch Ruhe ins Land einkehrt oder Erkenntnisse gewonnen werden können, um im besten Fall Verbrechen aufzuklären? Oder auch nur weil es uns scheinbar nicht angeht? Auf diese Weise sind wir alle betroffen und auch mitschuldig, selbst wenn wir keine ausgesprochenen Folterknechte sind.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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