Wer gibt, wer nimmt?

»Alles ist Geben und Nehmen.« Das ist ein Allgemeinplatz. Aber ist es wirklich so? Sicherlich kann man nicht sagen, dass es immer ausgeglichen zugeht. Oft hat man das Gefühl, dass man mehr gibt als dass man selbst bekommt. Dabei kommt es aber auf die Sichtweise an. Was bedeutet mir etwas? Von was profitiere ich? Wenn ich diese Kosten-Nutzen-Rechnung für mich aufstellen kann, dann ist es einfach, für mich zu klären, was ich gebe und wieviel ich bekomme. In jeder Art von Beziehung wird es so ausgehandelt. Und wenn man am Ende sagen, dass es ausgeglichen zugeht, dann hat man viel erreicht oder eine gute Art und Weise des Umgangs miteinander geschaffen.
Schön, wenn es so funktioniert. Aber das ist nicht immer der Fall. Gerade in kapitalistischen Gesellschaften hat man oft den Eindruck, dass dieses ausgewogene Verhältnis von Geben und Nehmen nicht mehr existiert. Am Noah-Turm thematisiert Emil Wachter genau diese Frage. Er formuliert zwei kurze Sätze: Wer gibt? Wer nimmt? Die beiden Fragezeichen stehen zentral und zeigen, dass es keine feste Antwort gibt. Sicherlich ist es so, dass jeder gibt und jeder nimmt. Aber ist es ausgewogen? Wird beispielsweise meine Arbeitskraft ausreichend und gebührend belohnt? Bekomme ich das, was ich verdiene oder werde ich mit kleinen Almosen abgespeist?
Immer dann, wenn es um die Schöpfung geht, dann ist auch ein Idealzustand im Blick. Nach der Sintflut wäre ein Neuanfang möglich gewesen, aber die guten Absichten haben nicht lange gehalten. Immer droht, dass das Gefüge der Schöpfung zerbricht. Deshalb müssen wir diese Frage des Gebens und Nehmens nicht nur auf unsere menschlichen materiellen und ideellen Beziehungen bezogen lesen, sondern auf die ganze Schöpfung. Wieviel gibt die Natur, wieviel und was nimmt sich der Mensch? Wie kommen wir da zu einem ausgewogenen Verhältnis?
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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