Bedrohte Menschenwürde

In Sonntagsreden gibt es keine Zweifel. Menschenrechte und Menschenwürde sind ein hohes Gut, an dem man unbedingt festhalten muss. So weit so gut. Aber diesen Aussagen ist es oft zu eigen, dass sie allgemein bleiben, sie gelten für alle, näheres wird durch Ausführungsbestimmungen geregelt. Die sehen dann ganz anders aus und die guten Absichten werden in ihr Gegenteil verkehrt. Menschenrechte einzufordern ist einfach, wenn man nicht selbst verantwortlich für ihre Durchsetzung ist. Doch wenn man in einer Situation ist, in der man auf sie angewiesen ist und sich darauf beruft, dann ist es meist schon zu spät. Wenn man schon zum Opfer geworden ist, nützt es nicht, sich darauf zu berufen. Dann sind andere notwendig, die für Menschenrechte eintreten und sie für konkrete Personen einfordern.
Am Abrahamstor sehen wir die eindringliche Darstellung von Emil Wachter. Die Menscherechte schreien! Sie sind eingesperrt, nicht nur von Gitterstäben, sondern noch mehr durch die so genannten äußeren Zwänge: Rechtsprechung und Kirchen, Vertreterinnen und Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen. Und alle diese haben gute Gründe, ihren Schrei nicht zu laut werden zu lassen, denn dann leiden die eigenen Interessen. Der Schrei ist nicht nur sichtbar, man meint ihn zu hören. Und dieser Ruf nach der Gewährung von Menschenrechten muss gehört werden, er darf nicht verstummen. Die hilflosen Hände sind ausgestreckt in die Welt, sie dürfen nicht ins Leere greifen. Es ist die Verantwortung von allen Menschen, die in Freiheit leben können und die weitgehend mit garantierten Menschenrechten leben dürfen, diese Hände zu ergreifen und den Schrei zu hören und weiterzutragen.
Nur wenn viele sich einreihen und den Menschenrechten den Raum geben, den sie brauchen, nur wenn viele sie immer wieder einfordern und beharrlich auf deren Einhaltung pochen, dann kann sich das Gesicht der Erde verwandeln. Traurig ist es, wenn wir immer erst dann davon reden, wenn sie schon mit Füßen getreten werden! Vielleicht braucht es die Vision, dass sie von vorneherin gelten und nicht schreien müssen.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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