Ist Rechtsprechung gerecht

Wenn Urteile »Im Namen des Volkes« gesprochen werden, stellt sich automatisch die Frage, ob dieses Urteil jetzt gerecht ist. Aber genauso taucht die Frage auf: »Wann ist dieses Urteil gerecht?« Und »Was ist denn gerecht?« Ob es auf diese Fragen überhaupt eine Antwort gibt, müssen die Gelehrten entscheiden, schwierig ist es allemal. Bei der Rechtsprechung beruft man sich auf Gesetze, mit denen unser Zusammenleben geregelt wird. Diese wiederum sind Vereinbarungen, die Menschen getroffen haben, damit das Miteinander funktioniert. Wer gegen diese Gesetze verstößt, wer sie bricht, beschädigt das Zusammenleben und schwächt die Gemeinschaft. Um die Gesetze einzuhalten, werden Strafen formuliert, die bei einem Verstoß ausgesprochen werden.
Es ist von Vorteil, wenn die Gesetze von anderen gemacht werden als von denen, die sie ausüben. Eine dritte Instanz muss dann beurteilen, in welchem Maß jemand schuldig geworden, das heißt gegen die Prinzipien einer Gesellschaft verstoßen hat. Die Rechtsprechung soll diese dritte, unabhängige Instanz sein. Früher hat ein König Gesetze erlassen, sie umgesetzt und bei Zuwiderhandlung auch Recht gesprochen. Da liegt die Gefahr nahe, dass es nicht um das Recht, sondern um die Interessen von einigen wenigen geht. In den modernen Demokratien soll das mit der Gewaltenteilung ausgeschlossen werden. Das ist nicht einfach und wir sehen immer wieder, wie brüchig dieses Gefüge ist und wie schnell über Gerichte und die Richter die Menschenrechte bedroht sind. Emil Wachter thematisiert das am Abrahamstor. Solange Gesetze transparent sind und Urteile von der Öffentlichkeit nachvollzogen werden können, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch akzeptiert werden.
Wenn sie aber dazu dienen, einigen wenigen oder einer bestimmten Gruppe von Menschen von vorne herein Vorteile zu verschaffen, dann wird es gefährlich. Die Propheten in der Bibel bis hin zu Jesus haben immer wieder diese Gefahr bewusst gemacht. Sie berufen sich auf Gott, wenn sie ungerechte Verhältnisse anprangern. Auch heute dürfen wir uns auf unserem Recht nicht ausruhen, sondern wir müssen immer wieder kritisch fragen: »Dienen diese Gesetze, dienen unsere Gerichte der Gerechtigkeit? Dienen sie den Menschen?«
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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