Täter oder Mitläufer

Wie sehr macht man sich schuldig, wenn man ein grausames Geschehen nur mit anschaut oder unbeteiligt zulässt? Diese Frage wird immer wieder diskutiert. In der deutschen Geschichte wurde es auch entsprechend thematisiert. War man in der Nazizeit Täter, Mitläufer oder Opfer? Man stellte fest, dass es gar nicht so einfach ist, diese Frage zu beantworten. Wenn man es in der Rückschau tut, dann ist es einfacher zu urteilen, aber man sollte sich dann die Frage stellen, wie man selbst in dieser Situation gehandelt hätte, wohl wissend, dass man sich auch als Mitläufer schuldig gemacht hätte.
In der Westfront der Fenster in der Autobahnkirche sehen wir in der Szene der Kreuzigung Jesu einen Schergen, der sich nicht beteiligt, und gelangweilt an der Wand lehnt. Bei ihm kann man sich fragen, ob es jetzt ein Mitläufer, ein Täter oder gar der Befehlsgeber ist, der die Kreuzigung überwacht. Emil Wachter stellt ihn dar als jemand, der nichts tut, als ginge ihn diese Kreuzigung überhaupt nichts an. Als Soldat ist er immer wieder mit Grausamkeiten konfrontiert und abgestumpft. Schmerzen und Leid können ihn nicht mehr aus der Ruhe bringen. Es ist eine Reaktion, mit der er sich schützt. So trägt er auch die Uniform, die ihn anonym sein lässt, er selbst als Person tritt in den Hintergrund. Heute wissen wir, dass auch Täter traumatisiert sind, was sie aber nicht entschuldigt.
Dieser Soldat, der Scherge der Mächtigen, ist die Sorte von Mensch, vor der man wirklich Angst haben muss. Sie sind diejenigen, denen Gewalt nichts ausmacht, ob sie selbst gewalttätig sind oder nicht.

Quelle: Norbert Kasper

Es sind die, die ruhig schlafen, auch wenn um sie herum die Schmerzensschreie ertönen. Sie sind selbst ja nicht beteiligt. Es geht sie nichts an. Und deshalb müssen sie nichts dagegen tun Sie sich schließlich die Hände nicht schmutzig gemacht. Sie haben damit nichts zu tun. Wahrscheinlich sind das die schlimmsten Menschen, die nichts tun, die sich darauf herausreden, dass sie nichts wussten und nicht eingreifen mussten oder konnten. Auch dann macht man sich schuldig und gehört auf die Seite der Täter. Und wo stehe ich?
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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