Lebe den Augenblick

Heutzutage ist die Forderung, den Tag und noch besser den Augenblick zu genießen, zum Allgemeingut geworden. Genuss gehört zum Lebensgefühl unserer westlichen Welt. Manchmal könnte man sagen, dass alles, was wir tun, letzten Endes darauf abzielt. So wie die selbstverständliche Nutzung von technischen Errungenschaften gehört das Genießen zu unserem Lebensstil - wenn man es sich leisten kann. Aus dem »Carpe diem - Nütze den Tag« wird das »Genieße den Augenblick«. Was ursprünglich dazu gedacht war, bei der Kürze des Lebens so nützlich wie nur irgendmöglich zu sein, den Tag so gut und sinnvoll wie es nur geht, zu nützen, kehrt sich in das Gegenteil um. »Strebe für Dich so viel Genuss wie möglich an, nur so findest Du den Sinn des Lebens bzw. das ist der Sinn des Lebens.«
Man bemüht, um dem Ganzen einen spirituellen Anstrich zu geben, dann den Begriff der Achtsamkeit. Im Achtsam-Sein wird man auf den Augenblick verwiesen. Aber diese Achtsamkeit ist anders. Während beim Genuss der Geist abschweift und möglichst im Vergessen und im Gefühl des Rausches abzutauchen, strebt die Achtsamkeit die Wachheit an. Im alten Motiv des Mandalas, ursprünglich in der Welt des Hinduismus und des Buddhismus entstanden, kommt diese Konzentration auf den Augenblick zum Tragen. Aber nicht nur der Osten kennt diese Kreisbilder, auch im Westen wurden in den gotischen Kathedralen Kreisbilder geschaffen, die zum Verweilen einladen und den Blick auf eine Mitte hin richten. An der Autobahnkirche finden wir verschiedene Mandalas, die Emil Wachter geschaffen hat.

Quelle: Norbert Kasper

Sie helfen uns, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Längeres Betrachten führt den Blick zu den immer kleineren Strukturen in der Mitte und darüber hinaus. Wir finden so immer besser zu uns und schulen unsere Konzentration. Wir brauchen nicht immer bildhafte Darstellungen von biblischen Ereignissen. Manchmal reicht es, wenn wir mit abstrakten Bildern in die Mitte kommen und uns konzentrieren. So lernen wir auch den Augenblick zu leben und über ein »Es lebe der Augenblick!« hinauszugehen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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