Wer hat die Macht?

Wenn die Machtfrage gestellt wird, dann geht es meist um alles oder nichts. Und da ist es unerheblich, ob es um politische Macht geht, um wirtschaftliche oder kulturelle Macht. Auch spielt es keine Rolle, ob diese Machtkämpfe auf globaler, nationaler oder privater Ebene ausgefochten werden. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Leid und Schmerz, die durch Kriege und Repressionen um Macht und Machterhalt verursacht wurden. Und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Was auf der großen Bühne stattfindet, gibt es aber auch im kleinen privaten Umfeld. Wer hat das Sagen im familiären Betrieb, wer setzt sich im Verein durch, wer kann sein Produkt am Markt durchsetzen und wessen Familie bekommt die lukrativsten Posten zugesprochen? Auch hier geht es um Macht und sei es nur um Gestaltungsmacht, mit der ich Vorgänge beeinflussen kann.
In der Demokratie gilt der Grundsatz, dass Macht nur auf Zeit übertragen wird, aber auch das funktioniert nicht immer gleich gut und nicht alle Lebensbereiche werden nach demokratischen Prinzipien geregelt. Emil Wachter nimmt auf dieses Bestreben der Menschen in der Gestaltung der Innenseite des Südeingangs der Autobahnkirche. Er zitiert die Schlusswendung des Vaterunsers, die im Gebet gesprochen wird - mit zwei kleinen Unterschieden:
Statt »Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit« wie wir es kennen, schreibt er: »Denn dein (nicht unser) ist die Macht , die Kraft und die Herrlichkeit.« Das Reich ist der Ort, an dem Herrschaft ausgeübt wird, der Ort der Macht. Deshalb ist es für ihn naheliegend von der Macht zu sprechen. Noch viel wichtiger ist die Einschränkung, dass er Gott allein die Macht zuspricht und sie nicht Menschen übertragen wissen will. Zu gefährlich scheint es ihm, Menschen Macht zu übertragen, weiß er doch, dass sie Menschen dazu verführt, sie zu missbrauchen. Er möchte die Macht nicht in den Händen von Menschen wissen, sondern nur bei Gott. Wir haben keinen Anspruch darauf!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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