Werkzeug der Endzeit

An der Ostseite der Fenster der Autobahnkirche sieht man links neben dem Eingang das Tier, das in der Apokalypse erwähnt. Darunter, man könnte es fast schon übersehen aufgrund der Darstellung der Gestalt, sieht man eine Sichel. Sie steht für das jüngste Gericht. Ähnlich wie die Sense ist sie ein Symbol für die Ernte, die am Ende der Zeiten eingeholt wird. Wenn die Sichel zum Einsatz kommt, dann wird das Wachstum beendet. Das, was bisher genutzt wurde an Nährstoffen und Flüssigkeit, muss jetzt reichen, ein weiteres Wachstum ist nicht mehr möglich. Die Pflanze, die geerntet wird, ist fortan abgeschnitten von dem, was sie am Leben erhalten hat. Um geerntet werden zu können, muss diese Verbindung abgeschnitten werden. Die Ernte ist deshalb auch ein Bild, das wir für den Tod verwenden, und das Erntewerkzeug wird zum Werkzeug des Todes.
Dass ein Erntewerkzeug verwendet wird, ist natürlich auch der Zeit geschuldet, in der die Apokalypse entstanden ist. Es ist ein wichtiger Teil der christlichen Verkündigung. Mit dem Tod ist nicht alles aus, im Gegenteil, die Existenz geht weiter. Natürlich auf einer anderen Ebene, die aber von dem, was im Leben getan wurde, abhängig ist. Hier greift das Bild der Ernte, die eingeholt wird. Das was im Leben gewachsen ist, soll im ewigen Leben der Maßstab sein. Und vom Leben hängt es ab, wie erfolgreich die Ernte ist. Die Früchte geben die Grundlage für das ewige Leben ab.
Das kann ein tröstliches Bild sein und so wurde es auch in der Apokalypse verwendet. Als moderne Menschen haben wir aber ein anderes Verhältnis zu dem Erntebild, weil wir nicht mehr so intensive Ernteerfahrungen in einer industriell betriebenen Landwirtschaft haben. Sicheln und Sensen sind eher erschreckend. Sie zeigen die Unabänderlichkeit unseres Tuns - und damit auch die Tatsache, dass das, was geschehen ist, nicht rückgängig gemacht werden kann. Es hängt uns im wahrsten Sinne des Wortes ewig nach. Wo bleibt die Vergebung eines barmherzigen Gottes? Hilft nur die Drohung mit einem zwar gerechten aber unbarmherzigen Endgericht, dass wir ein besseres Leben führen? Hoffentlich nicht!
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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