Werkzeug der Endzeit

An der Ostseite der Fenster der Autobahnkirche sieht man links neben dem Eingang das Tier, das in der Apokalypse erwähnt. Darunter, man könnte es fast schon übersehen aufgrund der Darstellung der Gestalt, sieht man eine Sichel. Sie steht für das jüngste Gericht. Ähnlich wie die Sense ist sie ein Symbol für die Ernte, die am Ende der Zeiten eingeholt wird. Wenn die Sichel zum Einsatz kommt, dann wird das Wachstum beendet. Das, was bisher genutzt wurde an Nährstoffen und Flüssigkeit, muss jetzt reichen, ein weiteres Wachstum ist nicht mehr möglich. Die Pflanze, die geerntet wird, ist fortan abgeschnitten von dem, was sie am Leben erhalten hat. Um geerntet werden zu können, muss diese Verbindung abgeschnitten werden. Die Ernte ist deshalb auch ein Bild, das wir für den Tod verwenden, und das Erntewerkzeug wird zum Werkzeug des Todes.
Dass ein Erntewerkzeug verwendet wird, ist natürlich auch der Zeit geschuldet, in der die Apokalypse entstanden ist. Es ist ein wichtiger Teil der christlichen Verkündigung. Mit dem Tod ist nicht alles aus, im Gegenteil, die Existenz geht weiter. Natürlich auf einer anderen Ebene, die aber von dem, was im Leben getan wurde, abhängig ist. Hier greift das Bild der Ernte, die eingeholt wird. Das was im Leben gewachsen ist, soll im ewigen Leben der Maßstab sein. Und vom Leben hängt es ab, wie erfolgreich die Ernte ist. Die Früchte geben die Grundlage für das ewige Leben ab.
Das kann ein tröstliches Bild sein und so wurde es auch in der Apokalypse verwendet. Als moderne Menschen haben wir aber ein anderes Verhältnis zu dem Erntebild, weil wir nicht mehr so intensive Ernteerfahrungen in einer industriell betriebenen Landwirtschaft haben. Sicheln und Sensen sind eher erschreckend. Sie zeigen die Unabänderlichkeit unseres Tuns - und damit auch die Tatsache, dass das, was geschehen ist, nicht rückgängig gemacht werden kann. Es hängt uns im wahrsten Sinne des Wortes ewig nach. Wo bleibt die Vergebung eines barmherzigen Gottes? Hilft nur die Drohung mit einem zwar gerechten aber unbarmherzigen Endgericht, dass wir ein besseres Leben führen? Hoffentlich nicht!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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