Wenn wir frieden

Wir kennen viele Wortschöpfungen, in denen das Wort Frieden vorkommt: Wir schaffen Frieden, wir schließen Frieden, wir sind friedlich oder zufrieden. Und wir arbeiten für den Frieden, wir demonstrieren, marschieren, beten, meditieren für den Frieden, wir sprechen vom Landesfrieden oder befrieden ganze Landstriche. Die Liste ließe sich fortsetzen. Jede und jeder hat seine eigenen Wortbilder wenn es um den Frieden geht. Und Frieden ist wichtig, bleibt oft ein Traum und ist wahrscheinlich eine Voraussetzung dafür, dass die Menschheit weiterlebt, und überlebt.
Bei all diesen Begriffen, die den Frieden beinhalten, ist Friede immer Objekt, etwas, das uns gegenüber steht. Wir können zwar den Frieden ermöglichen, aber nicht erzwingen. Liegt es an uns und dem, was wir tun, dass Frieden wird? Mich stört dabei, dass Friede etwas ist, das man nicht aktiv tun kann. Wir kennen den Kampf und den Krieg und haben auch Verben dafür: »Wir kämpfen« oder etwas altertümlich »Wir kriegen«. Aber ein Verb, ein Tätigkeitswort für den Frieden haben wir nicht. Das ist bezeichnend! Was ist, wenn wir frieden? Was bedeutet es, wenn wir dieses Wort einmal durchdeklinieren: »Ich friede, du friedest, er friedet, sie friedet, es friedet, wir frieden, ihr friedet, sie frieden, ich habe gefriedet, ich werde frieden und so weiter. Sprachlich funktioniert es, aber auch praktisch? Es klingt selbstverständlicher, wenn man etwas tut. Man ist aktiv und das, was man tut, bestimmt alles, ich bin ganz von dem gefangen, was ich tue. Und das gilt für den Frieden genauso wie für den Kampf.
Vielleicht müssen wir lernen, aus dem Frieden wirklich ein Tätigkeitswort zu machen. Nicht nur zu befrieden, was ja einen faden Nachgeschmack hat. Wenn wir frieden, wenn du friedest, dann sind wir mit ganzem Herzen dabei. Dann sind unsere Arme ganz offen, wie hier am Altar in der Autobahnkirche. Wenn wir frieden, wenn wir uns aktiv für den Frieden einsetzen, dann kann auch Frieden im Sinne eines Zustandes werden. Wenn wir damit anfangen, kann es gelingen. Lasst uns frieden!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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