Der Himmel- und Erde-Thron

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Manche Throne haben einen besonderen Namen, , und das nicht nur in der Fantasyliteratur. Der Thron des Schah von Persien war der »Pfauenthron«, der des chinesischen Kaisers der »Drachenthron« und auch der Papst residiert auf der »Cathedra Petri«. Alle diese Namen haben etwas mit dem Herrschaftsanspruch über ein Gebiet oder eine Sache zu tun. In der Antike hatten auch die Götter ihren Thron, auf den meist eine Abbildung des jeweiligen Gottes darauf gesetzt wurde. In mittelalterlichen Darstellungen residiert Gott oft auf einem Regenbogen als Thron, der das Bundeszeichen zwischen Gott und Noah aufgreift und die Herrschaft Gottes über den Himmel und die Erde festschreibt.
Alle diese Vorstellungen greift Emil Wachter auf, wenn er den leeren Thron in der nördlichen Fensterwand in der Autobahnkirche auf einen Bogen stellt. Doch diesmal ist es kein Regenbogen, auf dem Gott sitzt und der Thron selbst ist unbesetzt. Der Bogen hat nur drei Farben und deckt nicht das ganze Spektrum des Regenbogens ab. Mit Gold, Rot und Blau verwendet er die Farben, die am häufigsten in der Autobahnkirche Verwendung finden. Für den Raum des Göttlichen, den Himmel verwendet er Gold, für den Raum des Irdischen, das Blau und für das Leben, das Rot. Himmel und Erde bilden dabei gleichsam den Rahmen, für das Leben. Es hat beide Seiten, es ist geerdet und gehimmelt. Alles drei, Himmel, Erde und das Leben, stellen den Herrschaftsbereich Gottes dar. Gott als Schöpfer herrscht nicht nur über den Himmel und die Erde, sondern ist auch Herr über das Leben, das zwischen den beiden geborgen ist. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auch, dass der rote Bogen zweigeteilt ist, anscheinend hat das Leben einen irdischen und einen göttlichen Bereich, fünf Glasfelder sind ungeteilt, dort kommen Himmel und Erde zusammen.
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Diese Deutung ist umfassender als der Thron, der auf dem Bund mit Noah beruht oder der Herrschaftsanspruch, der mit einem Symbol oder einem Mythos begründet wird. Gott, als Herrscher, der nicht da ist, warum auch immer, hat den Anspruch, über den Himmel, die Erde und das Leben zu herrschen, es ist ein kosmischer Anspruch, den wir Menschen nur Gott zuschreiben können. Wir sehnen uns danach, dass Gott diese Herrschaft wahrnimmt.
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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