Um goldene Kälber tanzen

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Diese Redewendung hat sich eingeprägt: »Wir tanzen um ein goldenes Kalb«. Sie wird immer dann verwendet, wenn etwas Materielles so wichtig wird, dass sich alles darum dreht. Ob das jetzt das Auto ist oder die Wohnungseinrichtung, der Urlaub, den wir mehrmals im Jahr antreten, oder die Kleidung, die der Mode angepasst sein muss, spielt keine Rolle. Immer tanzen wir um das goldene Kalb. Wir berufen uns dabei auf die Erzählung, die sich beim Zug des Volkes Israels durch die Wüste zugetragen haben soll. Mose ist auf dem Berg und empfängt von Gott die Gebote, das Volk wird inzwischen ungeduldig und bittet Aaron, ein Abbild Gottes, einen jungen Stier, zu schaffen. »3 Alle nahmen ihre goldenen Ohrringe ab und brachten sie zu Aaron. 4 Er schmolz sie ein, goss das Gold in eine Form und machte daraus das Standbild eines Jungstiers. Da riefen sie: »Hier ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten hierher geführt hat!« 5 Aaron errichtete vor dem goldenen Stierbild einen Altar und ließ im Lager bekannt machen: »Morgen feiern wir ein Fest für den Herrn!« 6 Früh am nächsten Morgen brachten die Leute Tiere, die als Brandopfer dargebracht oder für das Opfermahl geschlachtet wurden. Sie setzten sich zum Essen und Trinken nieder und danach begannen sie einen wilden Tanz.« (Exodus 32,3-6).
Der Tanz um das goldene Kalb hat etwas Ekstatisches an sich. Hier geht es nicht darum, etwas vernünftig zu ergründen, sondern die göttliche Gegenwart wird im Rahmen eines rauschenden Festes erfahren, bei dem mit Essen und Trinken nicht gespart wird und das dann in eine Party mündet. Für unsere Ohren klingt diese Beschreibung sehr negativ, aber es wird auch deutlich, dass wir Religion nur über unsere Sinne erfahren können.
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Wir brauchen bildhafte Darstellungen, wenn wir von Gott reden, aber noch viel wichtiger sind die Rituale, die sinnlich erfahrbar sein müssen. Die alten Israeliten haben etwas Wichtiges verstanden. Doch sie verwechseln die Abbildung mit der Wirklichkeit. Haben wir einen sinnlichen Zugang zur Religion oder ist der ausgelagert in materielle Erlebnisse und kulturelle oder sportliche Großereignisse?
 
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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