Gottesbild ist Menschenbild

Wenn wir von Gott sprechen, dann müssen wir uns unserer Sprache bedienen. Wir spüren dann sehr schnell, wie begrenzt diese Sprache ist. Vieles, was wir erahnen, können wir nicht in Worte fassen und stoßen an Grenzen. Oft sind es nur Bruchteile unserer Erfahrung, die wir mitteilen können. Wenn es an konkreten Aussagen fehlt, dann haben wir aber noch die Möglichkeit, in Bildern zu sprechen, die eine größere Bandbreite für Interpretionen lassen. Was nur über Erfahrung vermittelt wird, soll über ein Bild transportiert werden, das bei uns entsprechende Assoziationen auslöst, wie ebenso individuell wie die Erfahrungen sind. Denn Bilder rühren unsere Erfahrung an un ermöglichen uns so, das, was ein anderer Mensch erlebt hat, für uns nachzuvollziehen.
Objektivität, wenn es um Erfahrung geht, gibt es nicht und über Gott kann ich schon gar nicht objektiv sprechen. Deshalb reden wir von Gott am liebsten in Bildern. Diese Bilder sind Wege, auf denen wir gehen. Im Gehen wird uns manches klar, ohne dass wir es durch und durch verstehen müssen. Bilder sind natürlich begrenzt und drücken nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit Gottes aus. Wir setzen dabei an unseren Erfahrungen an. Manche können wir nachvollziehen, andere nicht. Es sind in jeden Fall Bilder aus unserer Menschenwelt, die wahrscheinlich mehr über uns selbst als über Gott aussagen. Der leere Thron in der Nordseite der Autobahnkirche ist ein solches Bild, das ganz viel Spielraum für die Interpretation lässt. Ist Gott selbst dieser leere Thron - wohlgemerkt es ist ein Bild der menschlichen Erfahrungswelt - oder ist es der Ort, von dem aus Gott herrscht?
Ist es ein Bild für Gott selbst oder für die Gegenwart Gottes? Genau betrachtet führen solche Überlegungen nicht weiter, wir reden nur über etwas, das wir Menschen kennen. Das wird Gott nicht gerecht. Wir reden über unsere Erfahrungen mit Herrschaft und übertragen sie auf Gott und das, was wir als die Wirklichkeit Gottes verstehen. Wir sagen etwas über uns aus und darüber, wie wir zu Herrschaftsformen stehen. Gott ist lediglich eine Erfahrungsweise davon. Wenn wir von Gott sprechen, dann erzählen wir mehr über uns.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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