Wilde Orgien

Feiern ist ein wichtiger Teil aller menschlichen Gesellschaften. Wir brauchen die Gestaltung von Festen und Lebenswenden, Ereignissen und Gedenktagen, um uns ins Bewusstsein zu rufen, dass wir in größere Bezüge eingebunden sind. Diese Feiern geben unserem Leben eine Richtung, schaffen Sinn und stellen die Verbindung zum großen Ganzen her. Sie sind auch Ausdruck unserer Kultur. Mit der Tradition, auf die wir uns berufen, verbinden wir uns mit den Menschen, die das gleiche schon lange vor uns getan haben. Wir legen Wert darauf, diese Traditionen an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Ja, es ist wichtig, dass wir miteinander feiern und so für uns und unsere Gemeinschaft eine Kraftquelle für das Zusammenleben erschließen.
Doch können diese Feiern auch ausarten. Ich meine damit nicht, dass über die Stränge geschlagen wird, das kommt vor, aber das sind dann keine Orgien, wie es oft fälschlicherweise genannt wird. Wenn aus diesen Feiern Gelegenheiten werden, in denen die gesellschaftlichen Unterschiede zementiert werden und Menschen bewusst ausgeschlossen und sogar erniedrigt werden, dann kann man sagen, dass es ausartet. Hier haben wir es dann mit Orgien zu tun. Es gibt dann eine kleine Gruppe, die sehr viel Spaß hat, weil sie es sich leisten kann, und eine große Gruppe, die darunter direkt oder indirekt leidet. Am Moseturm finden wir eine Darstellung einer Orgie.
Es werden verschiedene Ausschweifungen dargestellt. Es ist die ägyptische Gesellschaft, die sich auf Kosten ihrer Sklaven amüsiert. Das ist einer der Hinweise, die Mose erfährt, dass sich Gott diesem unterdrückten Volk zuwendet. Die reiche Gesellschaft, die die Herrschaft inne hat, feiert große Feste, ist ausgelassen und fröhlich. Sie lässt sich all das von den Sklaven, der unterdrückten Minderheit finanzieren. Die, die arbeiten, halten der Oberschicht den Rücken frei, damit sie sich amüsieren kann. Das ist in der Geschichte nicht neu. Immer wieder standen solche Verhältnisse am Beginn größerer Umwälzungen. Oftmals waren genau solche Feste der Anlass dafür, dass die Unzufriedenheit wächst. Vielleicht sind Feste und wie gefeiert wird der Gradmesser dafür, wie es um eine Gesellschaft bestellt ist.
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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