Friedenssonne

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Im zweiten Fenster, das die Versuchungen Jesu darstellt, sehen wir über dem Jerusalemer Tempel, von dessen Mauer sich Jesus hinabstürzen soll, eine kleine Sonne. Sie strahlt über dem Ort, an dem Gott Wohnsitz genommen hat, in der die Menschen Gott finden können, wenn sie sich auf den Weg machen, Gott zu suchen. Aus heutiger Sicht wird Religion meist mit Frieden in Verbindung gebracht, der Zusammenhang zwischen Religion und Krieg, zwischen Glauben und Gewalt ist zwar immer noch gegeben, es ist aber - zumindest in unseren Breiten - immer weniger vorstellbar, religiöse Interessen mit Gewalt und kriegerischen Mitteln durchzusetzen. Deshalb kann über dem Ort, den wir als Wohnstatt Gottes bezeichnen auch eine Sonne scheinen, die den Frieden verheißt. So weit die Theorie, die Praxis sieht ganz anders aus!
Viele Konflikte, nicht zuletzt die Gewalt im Heiligen Land, haben religiöse Ursachen. Zumindest wird Religion instrumentalisiert, um eigene Geltungs- und Machtansprüche durchzusetzen. Im Namen Gottes, des Heiligen, der Religion und der Institution werden Menschen ermordet, in offenen Konflikten oder hinterhältigen Terroranschlägen. Selbsternannte Gotteskrieger nehmen sich das Recht heraus, ihr Verständnis von Gott allen anderen aufzuzwingen. Es wäre schön, wenn da eine Friedenssonne leuchten würde. 
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Doch die Religionen können diese Sonne selbst nicht schaffen, ja nicht einmal sehen, weil sie außerhalb ihres Horizontes scheint. In den letzten Jahrhunderten hat in der westlichen Welt ein Umdenken begonnen. Ausschlaggebend dafür waren aber weniger die Glaubensüberzeugungen der Menschen, sondern die Vernunft. In der Aufklärung wurde das Licht entdeckt, das die Menschen leiten soll. Es ist das Licht der Vernunft, die den gläubigen Menschen ganz neue Perspektiven eröffnet hat. Die Botschaft Gottes wurde mit neuen Augen gesehen, in der mehr und mehr die Gewalt als Lösung von Konflikten abgelehnt wird. Menschen beginnen zu ahnen, dass wir als Menschheitsfamilie nur überleben können, wenn wir lernen, friedlich miteinander zu leben. Dieses Licht soll leuchten, diese Sonne darf gerne aufgehen.