Ein inniges Verhältnis

Im hohen Alter hat sich für Abraham noch ein lang gehegter Wunsch erfüllt. Endlich konnte er seinen Sohn Isaak, den er zusammen mit Sarah gezeugt hat, in die Arme schließen. Auf dieser Darstellung am Abraham-Tor sehen wir ihn, wie er seinen Jungen fest an sich drückt. Er herzt ihn, wie man so schön sagt, er drückt ihn an sein Herz, so wie es Eltern mit ihren Kindern tun. Das späte Glück ist für Abraham und für Sarah die Erfüllung ihrer Lebensträume. So verwundert es nicht, dass dieses Kind mit Liebe überhäuft wird. An der Autobahnkirche sehen wir noch andere Elternbilder, meist ähneln sie diesem. Aber es ist auch der Sohn, den Abraham  bereit ist zu opfern, um zu beweisen, dass er zu Gott und dessen Verheißung steht. Diese innige Umarmung steht im krassen Gegensatz zur Verzweiflung des Abraham, die ihm scheinbar keine andere Wahl lässt. Wir können jetzt spekulieren, ob diese Umarmung stattfindet bevor dieses Ereignis stattfindet oder hinterher. Aber das spielt keine Rolle. Es geht hier um Elternliebe, nichts anderes. Ob es die Dankbarkeit für die Geburt und das neue Leben ist oder die Freude über die neu gewonnene Lebensperspektive ist nicht mehr wichtig.
Abraham wird als Vater der großem monotheistischen Religionen verehrt. Es sind die nach ihm benannten abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Diese Vatervorstellung verbindet sich mit diesem Bild der Liebe. 
Von Abraham geherzt sein, so können wir uns alle verstehen. Wir sind in diese innige Beziehung hineingenommen und können uns fühlen wie Isaak. Wir sind Teil dieses Menschheitsvaters und wissen uns geliebt. Wir sind aber auch Abraham, wenn wir unsere Kinder und die, die wir lieben, so ans Herz drücken und eine Gemeinschaft mit ihnen bilden. Vielleicht ist das der Traum einer großen Verständigung der drei Religionen, die sich auf Abraham berufen.  Jede wird geherzt und geliebt, jede herzt und liebt.