Die Herrlichkeit Gottes

Unsere Sprache ist verräterisch! Wir bekommen durch sie verschiedene Informationen, doch wir vermitteln unbewusst auch eine bestimmte Weltsicht. Das kommt daher, weil Sprache etwas Gewachsenes ist und sich durch die Menschen und mit den Menschen, die sich ihrer bedienen, verändert. So taucht in einer Gesellschaft, die patriarchalisch geprägt ist, das Wort »Herr-lichkeit« in Verbindung mit dem »Herr-scher« auf. Dort, wo der Arm des Herrn hinreicht, dort ist es herrlich. Wenn man den heutigen Gegensatz dazu nimmt, dann sind wir beim Wort dämlich, was nun niemand sein will, von der »Dämlichkeit« Gottes einmal ganz zu schweigen. 
Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm kommt herrlich ursprünglich von hirlich, was so viel heißt wie von edler Abkunft, was wir noch bei dem Wort hehr finden. Aber es wurde sehr schnell auch mit dem Herrn in Verbindung gebracht, so dass der Patriarchale Zusammenhang gegeben ist. Legt man das ältere Verständnis an, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes in einem anderen Licht. Sie ist nicht Ausdruck des Gebarens eines Herrschers, sondern beschreibt das Besondere, das Wertvolle, das Schöne, das damit verbunden ist. Das »Hehrliche« ist dann vielmehr Teil der anderen Welt, auf die wir unsere Sehnsucht richten können, die wir anstreben und auf die wir all unsere Hoffnung setzen können. Dann geht es eher um ein Leben in besonderen Gefilden als um Teilhabe einer bestimmten Herrschaft. Das ist eher ein Zustand der Zufriedenheit als von umfassender Gerechtigkeit, für die ein Herrscher sorgen soll. Die Hehrlichkeit Gottes ergänzt dann die Macht und die Kraft um ein wesentliches Element: 
Die Schönheit. Sie schwingt schwingt in unserem Verständnis von »Herrlichkeit« mit. Losgelöst von allem patriarchalen Denken, ist die Herrlichkeit immer schön und überwältigend, etwas Hehres eben. Überlegen wir doch einmal, wann wir das Wort »herrlich« gebrauchen. Es sind immer Augenblicke, in denen wir überwältigt sind von dem, was an Schönem auf uns eindringt. Wir können uns nur noch mitreißen lassen. Ob es jetzt der besondere Anblick der Natur ist, das Betrachten eines Kunstwerkes oder das Hören von Musik. Wenn wir dann von Herrlichkeit reden, ist das Ausdruck der Sehnsucht, nach der Greifbarkeit Gottes, eine Sehnsucht, die wir zwar nicht stillen, aber umso mehr ausdrücken können.