Gottes Gegenwart ist ewig

In der Gebetssprache taucht das Wort Ewigkeit meist am Ende eines Satzes auf und ist die Aufforderung zu einem »Amen«, »So ist es!« Durch diesen Gebrauch ist »die Ewigkeit« formalisiert und all ihrer Bedeutungsschwere beraubt. Sie ist gezähmt und hat kaum Auswirkungen auf unser Denken, geschweige darauf, was wir tun. Aber das sollte sie, denn kaum ein Begriff ist so eng mit der Gegenwart Gottes verknüpft wie das Konzept der Ewigkeit. In der überirdischen Weise, wie wir Gott zu denken versuchen, ist das Ewige des Göttlichen Seins das vielleicht größte Unterscheidungsmerkmal zu uns sterblichen Menschen. Wir erleben Zeit, wir erfahren unsere Lebenszeit als begrenzt, der Tod gehört dazu. Wir wollen ihn zu Recht nicht akzeptieren und sehnen uns nach der unbegrenzten Fortdauer unserer Existenz. Zumindest wird unsere Lebenszeit als zu kurz empfunden. Wir projezieren all das, was uns hier fehlt, in eine göttliche Existenz, in die wir, um es gläubig auszudrücken, »einmal hineinsterben«. Die Ewigkeit beginnt nach unserem Tod. Was ist dann aber mit dem Leben, das wir jetzt führen? Können wir nur auf die Ewigkeit in der Zukunft hoffen? Das ist unbefriedigend, denn wir möchten, dass auch die Vergangenheit in die Ewigkeit aufgenommen ist. Wenn wir uns dazu an Gott wenden, dann tun wir das immer im Jetzt, in der Gegenwart, denn nur im Gegenwärtigen können wir das erfahren, was wir Gott nennen. Dann ist Gott gegenwärtig und zugleich ewig.
Ist das nicht ein Widerspruch, Gegenwart und Ewigkeit? Ist Gegenwart nur ein unendlich kleiner Teil von Zeit, der von der Vergangenheit in die 
Zukunft wandert und zusammen mit den beiden anderen ein Teil der Ewigkeit? Dann müssten wir die Gleichung aufstellen können: »Vergangenheit + Gegenwart + Zukunft ist = Ewigkeit«. Doch so einfach ist es nicht. Ewigkeit ist mehr als das, was wir beschreiben und erfahren können. Gott ist sehr viel mehr. Wenn wir Gott im Gegenwärtigen erfahren, dann ist das Göttliche auch nicht so verschwindend klein, wie es diese Gleichung nahelegt. Im Gegenteil. Wenn Gott nur im Gegenwärtigen erfahren wird, dann ist diese unendlich groß, ewig eben. Dann ist Gott gegenwärtig und je mehr ich Gott gegenwärtig erlebe, umso mehr ist Gott ewig.