Milch und Honig zu verkaufen

Das Land, in dem Milch und Honig fließen, muss sehr begehrt sein. Deshalb macht sich das Volk Israel von Ägypten aus auf, um dort heimisch zu werden. Es ist das Land, das einst ihrem Stammvater Abraham versprochen wurde. Doch man weiß ja, dass diese Ländern andere Bewohner haben, die von diesem Wohlstand profitieren. Milch und Honig im Überfluss heißt nicht nur, dass man eine gute Vorratshaltung braucht, um alles für sich in schlechten Zeiten verwenden zu können. Es geht vielmehr darum, diese Überschüsse mit möglichst großem Gewinn zu verkaufen und in andere Güter zu investieren. Je mehr Handel getrieben wird, umso begehrenswerter wird dieser Landstrich für andere, sei es um zu rauben und zu plündern, oder um in diese Länder ziehen, um von diesem Wohlstand zu profitieren. Das  steht wohl hinter dem Zug ins gelobte Land.
Überfluss lässt sich leicht verkaufen. Überfluss verändert die Menschen, die darin leben. Selten kommt man dahin, dass man sich mit dem beschränkt, was da ist, man will den Überfluss steigern und laugt damit das Land und die eigenen Ressourcen aus. Doch davon - und das ist das Fatale daran - merkt man im Augenblick noch nichts, die Folgen werden oft erst später sichtbar. Das Land, in dem Milch und Honig fließt, ist auch unsere Region. Deshalb greift Emil Wachter am Mose-Turm diese Problematik auf. Es ist ja nichts Schlechtes daran, dass es Überfluss gibt. 
Er kritisiert das Markttreiben, das daraus resultiert. Wenn es nur noch darum geht, so viel wie möglich zu verkaufen, gerät das Produkt, von dem man lebt, immer mehr in den Hintergrund, der Handel und seine Bedingungen dominiert alles. Hauptsache, das Geld stimmt. Wenn wir von diesen goldenen Zeiten reden, wenn wir vom gelobten Land träumen, dann müssen wir uns immer bewusst sein, dass dieser Traum seine Schattenseiten hat. Er verändert uns. Aus der Sehnsucht, in Sicherheit und relativem Wohlstand zu leben, wird recht bald die Gier, möglichst viele Überschüsse zu erwirtschaften und Reichtümer anzuhäufen, zum Schaden für sich und nachfolgende Generationen.