Gottesdienst zur konstituierenden Sitzung des Landtags

12.05.2026 | Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart hält Predigt / Bischof Dr. Klaus Krämer begrüßt Mitglieder des Landtags und der Regierung

Stuttgart. In einem ökumenischen Gottesdienst, der am Dienstag in der Domkirche St. Eberhard anlässlich der Konstituierung des 18. Landtags von Baden-Württemberg stattfand, sagte Prof. Dr. Heike Springhart, Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden: „Was wahr und unwahr ist, welche Prophezeiungen und Prognosen am Ende die wahren sind, das zeigt sich meist erst im Nachhinein. Deswegen macht das vielstimmige Ringen um die besten politischen Lösungen, manchmal auch der Kompromiss, gute Politik aus.“
 
Zukunft und Hoffnung – dafür brauche es einen langen Atem. „Es sind nicht die schnellen Antworten, die tragen. Deswegen braucht es Menschen, die wie Sie im Landtag und in der Landesregierung sich all den Zumutungen stellen, die mit den großen Gestaltungsaufgaben unserer Tage einhergehen. Und mit der nicht aufhören wollenden Suche nach dem, was für alle Wohlergehen und Frieden bringt.“
 
Diesen Frieden und das Wohlergehen aller konkretisierte die Landesbischöfin im Blick auf die Menschen, die Baden-Württemberg heute prägen und mitgestalten. Migration sei dabei kein Randaspekt, sondern Teil der Landesidentität:  „Weite Wege hin zu uns – die haben immer wieder Menschen zurückgelegt. Aus der Türkei und aus Italien, aus Syrien und aus Afghanistan, aus Ungarn und Polen. Viele haben längst Fuß gefasst, sind in der zweiten und dritten Generation hier, anatolische Schwaben, sizilianische Schwarzwälder, syrische Kurpfälzer. Sie machen unser Land reich und unsere Gesellschaft vielfältig. Und das ist gut so!“ Und weiter hielt Prof. Dr. Springhart in ihrer Predigt fest: „Schalom – das ist ein Zustand von Unversehrtheit, der konkret wird darin, dass es die Aufgabe von uns allen ist, dass Baden-Württemberg ein sicherer Ort ist für alle – egal woher sie kommen, egal an was sie glauben, egal wen und wie sie lieben.“ 

 
Zuvor hatte Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die neugewählten Mitglieder des 18. Landtags von Baden-Württemberg und der designierten Regierung sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie der Erzdiözese Freiburg in der Domkirche St. Eberhard begrüßt. Er sagte: „Nach den Wahlen, Sondierungen und Verhandlungen beginnt nun die parlamentarische Arbeit des neuen Landtags – und das in aufgewühlten Zeiten. Große Herausforderungen liegen vor Ihnen – und zugleich blicken viele Menschen in unserem Land mit Sorge in die Zukunft – nicht wenige auch mit Angst. ‘Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben’ – dieses starke Wort des Propheten Jeremia soll über diesem Tag stehen.  Es ist die große Zusage, die uns zugesprochen wird und unter die wir uns stellen dürfen: der Horizont, der unser Tun übersteigt, der uns den Grund erkennen lässt, auf dem wir stehen, und das Ziel, auf das wir uns ausrichten können.“
 
Schülerinnen des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Stuttgart ließen die Teilnehmenden des Gottesdienstes im Anschluss teilhaben an dem, was sie bewegt, wenn sie an die Zukunft denken,  wie sie unsere Gegenwart wahrnehmen, was ihnen Sorge bereitet, Angst macht und was ihnen Hoffnung und Zuversicht schenkt. In ihren Gedankensplittern sprachen die Schülerinnen unter anderem Themen wie fehlende Mitbestimmung, Ausgrenzung, Krieg, instabile Politik und den Klimawandel an. Ihre Hoffnungen setzen die Schülerinnen unter anderem auf die neue Landesregierung, auf den Glauben, die Kirche und auf Gesten der Freundlichkeit und der gegenseitigen Unterstützung im Alltag. 
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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