Der Ruf nach Freiheit ist in Notsituationen immer sehr groß. Dann spielen Freiheitssymbole, wie die Taube hier am Mose-Turm eine wichtige Rolle. Freiheit wird meist mit großen Opfern erkämpft. Wenn sie aber erreicht wurde, dann zeigt sich ein anderes Gesicht. Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, das uns Menschen zusteht, und ein wichtiger Teil der Menschenrechte und Menschenwürde. Freiheit ist eine Aufgabe, ein wertvolles und zerbrechliches Gut, das geschützt werden muss.
Das Volk Israel macht diese Erfahrung auf ihrem vierzigjährigen Wüstenzug immer wieder. Die Unterdrückung in Ägypten war unerträglich. So schien der Weg in die Freiheit, den Mose ihnen angeboten hat, der einzige Weg in eine gute Zukunft. Als sie dann aber die Freiheit erleben dürfen, spüren sie auch die Bürde, die ihnen damit auferlegt wurde. Bilderweltarchiv 2019
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
Alles hat seine Zeit
An den meisten Kirchen hängen Uhren, die uns daran erinnern, welche Stunde es geschlagen hat. Früher waren es die einzigen Hinweise auf die Zeit und sie waren notwendig, um die jeweilige Uhrzeit anzuzeigen. Heute haben Kirchturmuhren weitgehend ihre Funktion verloren, selbst Taschen- und Armbanduhren werden von Smartphones abgelöst. An der Autobahnkirche gibt es keine Uhr, die die Zeit anzeigt. Es taucht nur einmal am Noah-Turm ein Zeitsymbol, eine Sanduhr, auf. Hier an der Autobahn ist man bei aller Hektik, durch die der Alltag bestimmt ist, in einen Raum der Zeitlosigkeit eingetreten. Nicht, dass hier keine Zeit vergeht, aber sie ist nicht so wichtig wie sonst.
Folterknechte
Wer durch das Abrahamstor in die Autobahnkirche geht, kommt an einem verstörendem Bild vorbei. Unter der Überschrift »Sodom und Gomorrha« wird eine Folterszene gezeigt. Und Emil Wachter spart nicht mit Schrecken und Schmerz, wenn er zeigt, wie Menschen einem Hilflosen Leid und Qual zufügen. Sodom und Gomorrha meint in seiner Vorstellung nicht den freien Umgang mit Sexualität, sondern all das, wo Menschen einander das Leben unmöglich machen und die Lebensgrundlagen zerstören. Folter ist eine Methode, in der es nicht nur darum geht, Menschen zu einer Aussage zu zwingen, sondern auch um sie zu erniedrigen, ihren Willen zu brechen und die eigene Macht auszuleben. So wurde und wird sie seit Menschengedenken eingesetzt. Wir denken, dass wir schon weiter wären, aber die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.
Das Böse
Wer die Autobahnkirche durch das Hauptportal verlässt, schaut einer erschreckenden Gestalt in die Augen. Es ist eines der großen Themen aus der Apokalypse, das Emil Wachter hier darstellt. Im dreizehnten Kapitel wird diese Gestalt als »das Tier« beschrieben: »11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. ... 16 Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, 17 und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. 18 Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.« (Apokalypse 13,11.16-18, Übersetzung: Gute Nachricht) Dieses Tier ist die Personifikation des Bösen, es wird oft auch mit dem Satan gleichgesetzt. Warum blickt diese Gestalt denjenigen an, der die Kirche verlässt? Warum wird man beim Hinausgehen an den Teufel erinnert?
Der Diktator
Es ist eine fast schon klassische Darstellung. Im Weihnachtszyklus der Fenster an der Nordseite der Autobahnkirche finden wir den Diktator. Er ist eine Verkörperung von König Herodes. Aus der Sicht der Evangelien ein Paradebeispiel für einen Gewaltherrscher, der nur seine eigenen Interessen durchsetzen will und der das Volk dazu missbraucht. Geschichtlich gesehen wird man so dem Herodes nicht gerecht. Er war wohl nicht mehr oder weniger grausam als die anderen Könige und Kaiser seiner Zeit. Weil ihm aber der Kindsmord zugeschrieben wird, gilt er als der grausame Tyrann schlechthin.
Emil Wachter stellt ihn in einer modernen Paradeuniform dar. Er ist somit ein Vertreter des Militärs, das seine Befehle ausführen muss. Soldaten sind sein verlängerter Arm. Daran wird auch ersichtlich, dass die Bezeichnung Alleinherrscher nicht unbedingt zutrifft. Um ein Volk zu unterdrücken, braucht es andere, die mithelfen, weil sie von der Teilhabe an der Macht profitieren. Und Macht ist attraktiv und bringt Vorteile. Goldener Baum
Wie spricht man von der Gegenwart Gottes? Am besten gar nicht. Wir können mit Worten nicht sagen, was Gott ist und auch nicht, wie sich die Nähe Gottes zeigt. Selbst wenn wir es erfahren, wir können es nicht ausdrücken, weil uns dazu schlicht und ergreifend die Worte fehlen. In poetischen Bildern oder in musikalischen Tonfolgen können wir Erlebnisse schaffen, die einer Gotteserfahrung gleichkommen. Die Kunst kennt Techniken, die diesen Raum erschließen. Die Autobahnkirche ist solch ein Raum, in dem wir Gott erfahren können. Die christliche Bildersprache hilft uns etwas davon auch zu verstehen. Immer, wenn die Gegenwart Gottes gezeigt wird, dann wird es golden. So auch hier in der Autobahnkirche. Durch die Fenster wird Gold zur glänzenden und strahlenden Farbe schlechthin. Immer, wenn das goldene Licht in den Kirchenraum fällt, lädt Emil Wachter uns ein, darin eine der unbeschreiblichen Wirklichkeiten Gottes zu sehen.
Himmlisches Jerusalem
Wir alle haben unsere Sehnsuchtsorte, an denen wir uns die Erfüllung unserer Wünsche erhoffen oder an denen wir sogar wunschlos glücklich wären. In diesen Vorstellungen spiegeln sich Hoffnungen nach dem Paradies wieder, aus dem wir anscheinend vertrieben worden sind. Einer dieser Orte ist die Stadt Jerusalem. Sicherlich ist sie heute nicht das Paradies, im Gegenteil. Um kaum eine Stadt wird weltweit so viel gestritten, wie um Jerusalem. Das hat sicherlich auch mit der Geschichte und Verheißungen zu tun. Jerusalem ist die Heilige Stadt, in der die Geschichte Abrahams, des jüdischen Volkes, des Christentums und des Islam immer wieder einen Ankerpunkt hat.
Chaos
Der Noah-Turm beschäftigt sich mit der Schöpfung und dem neuen Leben. Da liegt es auch nahe, sich den Bedrohungen dieses Lebens zu widmen. Leben war noch nie selbstverständlich und zu allen Zeiten war es auch bedroht. Entweder Naturgewalten und -katastrophen haben das Leben und nicht nur das der Menschen gefährdet, sondern auch der Mensch selbst. Ob durch Kriege, durch technische Errungenschaften und durch den Fortschritt, immer wieder sind Menschen Opfer geworden. Geplante Vernichtung ist vielleicht die Ausnahme, aber es sterben zu viele Menschen durch Unfälle, sei es im beruflichen oder privaten Umfeld, sei es durch Fortbewegung oder andere Geschehnisse. Eines ist allem gemeinsam: Unfälle und Kriege, Katastrophen und Unglücke hinterlassen immer Chaos. Sei es am Ort, an dem es geschehen ist, sei es in den Herzen der Menschen oder in ihren Beziehungsgefügen. Es kommt etwas durcheinander, das nur mühsam wieder in Ordnung gebracht werden kann.
Friedenstaube
Jedesmal, wenn sich bei Großveranstaltungen weiße Tauben in die Luft erheben, dann schlägt das Herz höher. Es ist ein schönes Symbol für den Frieden. Wir kennen und schätzen es. Die Friedensbewegung hat die weiße Taube auch zu ihrem Erkennungszeichen gemacht. Es gibt aber kaum ein Symbol, das mehr missbraucht wurde, wie dieses. Jede Aggression wird sprichwörtlich hinter einer Taube versteckt. Dieser Angriff diene dem Frieden, heißt es dann. Im Buch Genesis wird erzählt, wie Noah Tauben ausschickt, um zu sehen, ob und wie die Erde wieder bewohnt werden kann. Jede Taube steht für die Hoffnung, dass es endlich wieder aufwärts geht und das Leben neu beginnen kann.
Wenn im ersten Schöpfungsbericht der Geist Gottes über den Wassern schwebt, wird aus christlicher Sichtweise daraus eine Taube. Der Heilige Geist wird mit der Taube bildhaft dargestellt. In der Kirche spielt die Taube eine wichtige Rolle, denn sie steht für die verändernde Kraft des Geistes. Wie auch immer, wenn in unserem Denken weißeTauben auftauchen, dann hat es etwas mit Veränderung und Neuanfängen, mit Hoffnung und Vision zu tun. Noah ist einer der ersten, der damit ein Zeichen setzt. Tauben fliegen auf und sagen: Das Alte ist vorbei, jetzt beginnt etwas Neues, die Botschaft des Friedens und der Hoffnung soll in alle Welt getragen werden. Wenn es nur so wäre und das Symbol nicht nur ein Zeichen bleibt! Petrus erschrickt
Der Besucher, der zur Autobahnkirche kommt, geht durch das Abrahamstor und sieht dabei zwangsläufig die Gestalt des Petrus. Es ist eine der wenigen Figuren, die vollplastisch ausgeführt sind. Jesus hat Petrus auserwählt, dass er den Jüngerkreis anführen soll, wenn er nicht mehr unter ihnen ist. Diese Ehre gibt dem Petrus viel Selbstvertrauen und er beginnt, sich selbst zu überschätzen. Er glaubt, allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Jesus warnt ihn zwar und sagt voraus, dass er ihn verraten würde, aber das will Petrus nicht glauben. Keine zwölf Stunden später ist es dann doch geschehen. Petrus erschrickt über sich selbst. Seine Überheblichkeit wird ihm bewusst. Emil Wachter hat diesen Moment des Erschreckens festgehalten. Petrus hält sich entsetzt die Hand vor den Mund, jedes Wort, das er im Übereifer gesprochen hat, reut ihn.
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