Bilderweltarchiv 2017

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Ich seh' den Sternenhimmel

Der Blick zum Himmel in einer sternenklaren Nacht ist immer wieder beeindruckend. Wir werden gleichzeitig daran erinnert, wie großartig und unbedeutend wir Menschen doch sind. Und wir erkennen dann auch, dass der Blick nach außen immer auch den Blick nach innen öffnet. Der Philosoph Immanuel Kant sagt in der »Kritik der praktischen Vernunft«: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.« Er kann nur noch schweigen vor dem Blick, der sich ihm nach innen und nach außen bietet.

Um Gottes Willen

Die Bitte aus dem Vater unser: »Dein Wille geschehe« ist christliches Allgemeingut. Wie oft wird diese Bitte am Tag ausgesprochen, wie oft übergeben damit Menschen ihr Leben in die Hand Gottes, weil sie wissen, dass sie ihr Leben selbst nicht in der Hand haben. Aber was hat es mit dieser Bitte auf sich? Was bedeutet sie und wie können wir damit umgehen? Und wenn wir diese Selbstverständlichkeit einmal grundsätzlich hinterfragen? Was ist denn mit dem Willen Gottes gemeint? Wann geschieht dieser Wille? Das sind Fragen, auf die es keine endgültige Antwort geben kann, wir können nur darüber nachdenken.

Zaungäste

Wir mögen die Menschen nicht, die nur zuschauen wollen und im besten Fall noch ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen. Wir belegen sie mit entsprechenden Ausdrücken: »Gaffer« und »Spanner«. Wir sehen in ihnen zu Recht Menschen, die andere missbrauchen, um sich an ihrer Freude oder ihrem Leid genüsslich zu tun. Wenn dabei nichts passiert, ist es ja noch erträglich, aber wenn dadurch Hilfsmaßnahmen behindert oder Leid geschaffen wird, dann ist es mit jedem Verständnis zu spät. Wir fragen uns natürlich, wie Menschen dazu kommen. Wir müssen da wohl auch auf uns selbst deuten. Neugier kennen wir alle. Das ist eine Triebfeder, die uns dazu bewegt, anderen zuzuschauen. Es ist ja gut, vieles mitzubekommen, ohne selbst betroffen zu sein.

Hilf mir!

Auf der linken Seite zum Aufgang zum Hauptportal der Autobahnkirche sieht man eine ausgestreckte Hand. Sie sieht aus wie die Hand eines Menschen, der aus Angst vor dem Ertrinken um Hilfe schreit. Hilfe, Hilfe! Diese Geste kennen wir und hoffen doch, sie niemals in Wirklichkeit sehen zu müssen. Denn dann ist Hilfe gefordert. Diese Hand reckt sich den Menschen entgegen, die in die Kirche oder wieder von hier weggehen.  Für diejenigen, die in die Kirche kommen, ist es vielleicht ihre eigene Hand, die sie Gott entgegenstrecken. »Hilf mir, ich schaff es nicht alleine! Ich brauche dich jetzt!« Viele Menschen kommen mit dieser Einstellung in diese Kirche, weil sie sich gerade hier Hilfe erhoffen. Und viele haben diese Hilfe ja schon erfahren, sonst würde sie nicht wiederkommen. Wir wissen aber auch, wie oft die Hand vergeblich ausgestreckt und die erhoffte Hilfe nicht gefunden wurde.

Gottes Auge schaut dich an

»Ein Auge ist’s, das alles sieht, auch was in dunkler Nacht geschieht!« So wird der Blick Gottes auf die Welt und die Menschen seit Jahrhunderten gedeutet. Aus dem vormals positiven Bild, das betonen wollte, dass der Gerechtigkeit Gottes nichts entgeht, wurde das drohende Bild der moralischen Überwachung der Menschen. Das Auge Gottes blickt nicht mehr liebevoll, sondern streng und bestenfalls gerecht auf uns. Es gibt viele Beispiele, wie sich etwas, das gut gedacht war, ins Gegenteil verkehrt, spätestens dann, wenn sich Machtperspektiven ändern.

Überschwemmt

Wir wissen alle um die Bedeutung und um die Notwendigkeit des Wassers für das Leben. Aus dem Wasser kommt das Leben. Wir brauchen Wasser zum Überleben. So ist das Wasser zum Inbegriff des Lebens und des Lebenserhaltes geworden. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass das, was Leben spendet auch Leben bedroht. In der Sintflut wird das augenfällig. Gott vernichtet alles Leben auf der Erde durch Wasser! Menschen zu allen Zeiten haben diese Ambivalenz gespürt: das was Leben gibt, nimmt es auch wieder weg.
Wir können dieses Bild weiterspinnen, denn so hat es Emil Wachter am Noah-Turm an der Ostseite der Autobahnkirche auch getan. Für ihn stehen die Fluten, die Gott über die Erde schickt und die alles Leben vernichten, für die Ströme des Zeitgeistes.

Baum und Axt

Ein kleines Bäumchen und eine scharfe Axt. Es besteht kein Zweifel, um was es geht und wer als Sieger den Platz verlässt. Beides zusammen aber, der lebendige Bau und die Axt, sprechen von etwas, was noch nicht eingetreten ist. In der Verkündigung Jeus ist das Gleichnis von der Axt, die an den Baum gelegt wird, ein Bild für das bevorstehende Gericht. So verstanden werden wir mit diesem Bild in die Entscheidung gerufen.
Wie hältst Du es für Dich? Könntest Du mit deinem Leben, mit dem, was du tust und wie du bist, vor einem Gericht bestehen? Würde dich das Urteil der vollständigen Vernichtung treffen? Diese Fragen stellt uns Jesus, wenn er dieses Bild verwendet. »Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.« (Mt3,10)

Heiliger Zorn

Ein Mensch wird erschlagen - und das auch noch vorsätzlich. Und es ist ein Religionsstifter, der diesen Mord verübt. Im zweiten Kapitel des Buches Exodus wird es kurz beschrieben: »Eines Tages ging Mose zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.« (Ex 2,11-12). Eine Gewalttat, ein Mord für die gute Sache.

Woran hängt dein Herz?

Man könnte es ein prophetisches Bild nennen, das wir an der Südseite der Fenster in der Autobahnkirche sehen. Eine Hand hält einen Schatz hoch, etwas wertvolles, das nicht mehr verloren gehen soll. Worin besteht dieser Schatz? Emil Wachter lässt das Geheimnis offen, was es sein könnte. Für den heutigen Betrachter ist es aber eindeutig. Eine Hand hält ihren Schatz hoch, ich sehe darin ein Smartphone. Nicht, dass Emil Wachter die Entwicklung vorausgesehen hat, aber wenn man dieses Fenster mit unseren Augen betrachtet, kann man das darin sehen.
Wenn man bedenkt, wie wichtig diese Geräte in kürzester Zeit geworden sind, dann könnte man meinen, dass wir eine Grenze überschritten haben. Wir können uns ein Leben ohne diese Begleiter kaum mehr vorstellen, ja, wir wissen ja nicht einmal mehr, wie ein Leben ohne ständigen Anschluss an die weltweite Community geht.

Engel der Verkündigung

Wie oft wurde diese Szene der Verkündigung nicht schon dargestellt. Ob flämische Maler oder abstrakte Darstellungen, ob auf Bildern oder so wie hier als Relief, es wird versucht, etwas zu zeigen, was nicht zu beschreiben ist: eine Begegnung mit Gott.
Zur Zeit, als Lukas sein Evangelium schrieb, war eine direkte Gottesbegegnung nicht vorstellbar, ohne dass man diese mit dem Leben hätte bezahlen müssen. Doch haben Menschen immer wieder diese Erfahrung mit Gott gemacht - und überlebt. Das war nur deshalb möglich, weil man sich vorgestellt hat, dass Gott den Menschen nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübertrat, sondern dass die Botschaft Gottes von Engeln übermittelt wurde.
Ergebnisse 11 - 20 von 52
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Aktuelles
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.