Bilderweltarchiv 2017

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Ruhe auf der Flucht

Es ist wohl die Darstellung in den Fenstern der Autobahnkirche, die am meisten Ruhe ausstrahlt. Neben der Krippe und Weihrauchengel sitzt Maria mit dem Kind im Arm. Neben ihr steht Josef und stützt sich auf seinen Stab. Dieses Bild zieht fast noch mehr den Blick auf sich als die Krippe. Die Ruhe, die es ausstrahlt, steht im krassen Gegensatz zur Tatsache der Flucht überhaupt.
Maria und Josef möchten ihr eigenes Leben und das ihres Kindes retten. Sie müssen so schnell wie möglich ihre Heimat verlassen, um das Neugeborene vor der Verfolgung vor Herodes in Sicherheit zu bringen. Es gilt keine Zeit zu verlieren und so schnell wie möglich die Sicherheit in Ägypten zu erreichen. 

Für die Menschrechte

Man kann nicht oft genug auf die Bedeutung der Menschrechte hinweisen. Und es darf nicht vergessen werden, dass sie unzählige Male mit Füßen getreten werden. Auch in den Motiven der Autobahnkirche taucht ihre Verletzung immer wieder auf. Emil Wachter wird nicht müde, sie zu thematisieren. Und die Lage in der Welt zeigt, dass das auch nötig ist. Dass die Verletzung der Menschrechte kein naturgegebenes Gesetz ist, zeigt diese Darstellung. Unterdrückung geschieht durch Menschen. Ein menschlicher Fuß drückt einen Menschen nieder und lässt ihm keinen Spielraum mehr. Auch wenn es böse Strukturen gibt, so sind es doch immer wieder Menschen, die sich instrumentalisieren lassen.

Wo alles gehalten wird

Die Autobahnkirche stellt nicht nur architektonisch eine Ausnahme dar. Auch die Bilder- und Symbolsprache ist eine andere, wie wir sie aus der Tradition kennen. Und doch führt sie diese nahtlos fort und knüpft bei dem an, was wir kennen. Die vier Träger der Kirche werden durch die vier Evangelisten symbolisiert. Wurden früher die Apostel als diejenigen gesehen, die die Kirche tragen - in alten Kirchen sind es die Säulen im Kirchenschiff - so ist es jetzt das Evangelium. Emil Wachter und der Architekt Friedrich Zwingmann gehen somit an die Quellen der Verkündigung zurück.

Mirjam

Die Schwester von Mose und Aaron wird in der Tradition eher vernachlässigt. Ihre Brüder und besonders Moses stehen im Mittelpunkt des Interesses. Dabei geht auf sie eines der ersten Loblieder auf das Handeln Gottes zurück. Nach der Rettung der Israeliten am Schilfmeer, bei der die Ägypter vernichtet wurden, organisiert sie den Lobpreis: »Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her. Mirjam sang ihnen vor: Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer.« (Ex 15,20-21) Es ist der älteste Lobpreis auf Gott, der überliefert ist.

Zu Gott aufsteigen

Es ist in der christlichen Tradition ein beliebtes Motiv: Die Leiter oder Treppe in den Himmel. Seit dem Traum, in dem Jakob eine Leiter von der Erde zum Himmel sah auf der Engel auf und nieder stiegen, taucht die Himmelsleiter immer wieder auf. Auf dem Weg zur Vollkommenheit steigen Menschen immer weiter zu Gott auf. Auf diesem mühsamen und langwierigen Klettern bleiben Versuchungen nicht aus und viele scheitern, kommen nie oben an oder werden von der Versuchung in die Tiefe und ins Verderben gerissen. Aber der Weg zu Gott bleibt eine Leiter, der Weg zum Heil ist nach wie vor steil und vor allem mühsam.
In einem Weltbild, in dem Gott oben im Himmel wohnt, ist das Bild des Aufstiegs naheliegend, aber deshalb nicht gleich hilfreich. Denn das Ziel bleibt unklar, Gott ist trotz allem in eine unerreichbare Ferne gerückt. 

Hingabe

Es ist ein gängiges christliches Wort, aber was können wir uns darunter vorstellen und vor allem: Wie können wir zeigen, was wir damit meinen? Emil Wachter hat in der Krypta der Autobahnkirche einen Versuch gewagt. Ihm geht es in der Kreuzigungsszene um genau dieses Thema. Er hat das Kreuz auf den Querbalken reduziert, der von einer leeren Säule getragen wird. Das geneigte Haupt von Christus, umgeben von einem Heiligenschein und die beiden Hände, mehr braucht er nicht.

Wer ist ungläubig?

Ein Mensch, der nur schwer von der Wahrheit überzeugt werden kann, wird oft als der »ungläubige Thomas« bezeichnet und das ist dann als abwertende Bezeichnung gemeint. Den Ungläubigen muss man von der Wahrheit überzeugen, er ist im Unrecht. Und Thomas braucht ja auch die Überprüfung. Er glaubt nicht den Erzählungen seiner Freunde, sondern er möchte sich leibhaftig von der Auferstehung Jesu überzeugen. Wenn es um »Glauben« geht, dann ist Thomas das Paradebeispiel für einen Unglauben, den man ablehnen muss!

... wo er gelegen hat

Der Kern der christlichen Verkündigung ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Tod hat nicht das letzte Wort, es geht weiter. Es folgt die Auferstehung. Und da wird es schwierig. Wie können wir von etwas reden, für das wir keine Worte geschweige denn einen offensichtlichen Beweis haben? In den Evangelien werden zwei Arten gezeigt, wie die Jünger damals zum Glauben an die Auferstehung kamen: Es gab Erscheinungen des Auferstandenen und das leere Grab wurde gezeigt. In dieser Darstellung in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir die zweite.

Die Haut zum Markt tragen

Der Apostel Bartholomäus taucht auch unter dem Namen Natanaël in den Evangelien auf. Möglicherweise handelt es sich um Natanaël Bar Tolmai, Sohn des Tolmai. Er spielt keine besondere Rolle, er gehört als einer der Zwölf, die Jesus in seinen Jüngerkreis berufen hat. Am Anfang des Johannes-Evangeliums wird von ihm erzählt: »Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!«

Mach aus diesen Steinen Brot

Die Versuchung Jesu kann uns nicht kalt lassen, denn wir spüren, dass wir tagtäglich ähnlichen Versuchungen - oder sollten wir eher Verlockungen sagen? - ausgesetzt sind. Dabei geht es in der ersten der drei Versuchungen, die im Matthäus-Evangelium berichtet werden, für uns weniger darum, satt zu sein. Satt sind wir und wir haben genug zu essen. Hunger ist bei uns meistens ein Luxusproblem, wenn wir aus irgendwelchen Gründen abnehmen wollen oder müssen. Für uns im reichen Norden kann es weniger um das Stillen des Hungers gehen. Das wäre die kurzfristige Lösung. Wenn es aber gelänge, aus Steinen Brot zu machen, wie es der Versucher von Jesus verlangt, dann müssten wir uns nie mehr Sorgen um unsere Versorgung mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln machen. Um diese Sorglosigkeit geht es bei diesem Fensterbild!
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Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Faszinierend

Die beiden Brüder Jakobus und Johannes stehen da, mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen. Sie können ihren Sinnen gerade nicht trauen. Sie verstehen nicht, was sie soeben erleben. Sie sind zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg Tabor gestiegen, ein mühsamer und beschwerlicher Weg. Jesus wird vor ihren Augen in eine strahlende Gestalt verwandelt und trägt herrliche weiße Kleide. Neben ihm tauchen zwei Männer auf, von denen sie sofort wissen, dass es Mose und Elia sind. Jesus unterhält sich mit ihnen, bis eine Stimmer ertönt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Plötzlich ist alles vorbei, Mose und Elia sind verschwunden, Jesus steht wieder ganz einfach vor ihnen, auch das herrliche Strahlen ist nicht mehr. Ihre erste Reaktion ist, für immer an dem Ort zu bleiben, das Erlebte festzuhalten und drei Hütten zu bauen, was sie dann natürlich nicht tun, denn sie machen sich wieder an den Abstiegt vom Berg Tabor.
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